Mathias lebt in der Nähe von Landshut, ist verheiratet, hat zwei Kinder und arbeitet als Ingenieur bei einem Automobilhersteller. Im Alltag bleibt der Klimawandel für ihn meist im Hintergrund. Wahrnehmbar wird er vor allem durch trockenere Wetterverhältnisse und das Gefühl, dass sich die Jahreszeiten verschieben. Andere, unmittelbarere Dinge bestimmen jedoch seinen Alltag. Sein Verhältnis zum Thema habe sich mit dem Alter verändert: Anders als vielleicht mit 15 oder 17 Jahren denke er heute nicht mehr täglich darüber nach, sondern sei stark in Familienleben und alltägliche Verpflichtungen eingebunden.
Durch seine Kinder wird die Zukunft konkreter. Er wünscht sich, dass sie im Winter weiterhin Schnee erleben und mit einer ähnlichen Vielfalt von Flora und Fauna aufwachsen können wie seine Generation. Die Vorstellung, dass etwa Skifahren künftig nicht mehr selbstverständlich sein könnte, empfindet er als schade. Gleichzeitig geht er davon aus, dass sich die Gesellschaft schrittweise an Veränderungen anpassen muss, die möglicherweise zum Teil nicht mehr umkehrbar sind.
Die Gefühlskarte „Auch das noch“ bringt seine Wahrnehmung besonders treffend zum Ausdruck. Der Alltag sei bereits voll, und die Klimakrise komme als weiteres großes Problem hinzu, ohne dass sich für den Einzelnen eine eindeutige Handlungsoption anbiete. Daraus entsteht eine gewisse Überforderung: Es fehlt eine unmittelbar sichtbare Verbindung zwischen dem eigenen Tun und einer konkreten Wirkung.
Einen plötzlichen Zusammenbruch erwartet Mathias dennoch nicht. Er stellt sich die Veränderungen eher langsam und schleichend vor und hofft, dass sich die Menschheit an den eingeschlagenen Weg anpassen kann. Vorsichtig erwägt er, ob einzelne Entwicklungen regional auch positive Seiten haben könnten – etwa bessere Bedingungen für den Weinanbau. Seine Grundstimmung beschreibt er insgesamt als relativ neutral, begleitet von leichtem Unbehagen statt akuter Angst.
Zugleich nimmt er wahr, dass die Klimakrise medial weniger präsent ist als noch vor einigen Jahren. Kriege, Donald Trump und andere aktuelle Themen hätten sie wieder stärker in den Hintergrund gedrängt. Zuversicht gewinnt er vor allem aus der menschlichen Anpassungsfähigkeit und technischer Erfindungskraft: Wenn Zeit und Handlungsspielraum knapper werden, könnten Menschen kreativer werden und Lösungen wie die CO₂-Abscheidung weiterentwickeln.
Zitate
„Der Alltag ist schon recht voll, und man ist eigentlich schon mit den normalen Dingen beschäftigt. Und dann ist eher so das Gefühl: Auch das noch.“
„Wenn man an die Zukunft denkt, will man schon, dass die Kinder auch noch Schnee haben im Winter und so leben können wie wir – mit Flora und Fauna.“
„Ich fürchte schon, man muss sich auf diese graduellen Veränderungen jedes Jahr ein bisschen einstellen.“
„Man hat keine direkte Handlungsoption, wo man als Einzelner sagt: Wenn man jetzt das macht, dann passiert jenes.“
Was macht mir Hoffnung?
„Ich bin fest davon überzeugt, dass den Menschen immer etwas einfällt. Je höher der Druck und je knapper die Zeit wird, desto kreativer wird man vielleicht.“
