Tag: Natur

  • Clara — Österreich

    Clara — Österreich

    Clara ist acht Jahre alt und lebt in Innsbruck in Tirol. Wenn sie über den Klimawandel nachdenkt, fallen ihr zuerst Veränderungen bei den Temperaturen und beim Wetter auf. Manchmal ist es für sie viel zu heiß, dann plötzlich wieder viel zu kalt. Diese abrupten Wechsel findet sie schade und schwer verständlich.

    Wetter, Unsicherheit und Enttäuschung

    Für Clara ist der Klimawandel eng mit der Unvorhersehbarkeit des Wetters verbunden. Sie fragt sich, ob die Menschen überhaupt etwas dagegen tun können: Wie sollte man schließlich verändern, ob es regnet, hagelt, heiß oder kalt wird? Die Unterscheidung zwischen dem kurzfristigen Wetter und dem weltweiten Klima ist für sie noch schwer zu fassen.

    Greifbar wird diese Unsicherheit, wenn das Wetter Pläne durchkreuzt, auf die sie sich gefreut hat. Schwimmen, draußen spielen oder länger am Baggersee bleiben – all das kann plötzlich nicht mehr möglich sein, weil es regnet oder hagelt. Clara erzählt von ihrer Enttäuschung, als ein geplanter Nachmittag am Baggersee mit Besuch aus Liechtenstein verkürzt werden musste. Sie hatte sich darauf gefreut, die Gäste kennenzulernen und mehr Zeit mit ihnen zu verbringen.

    Gleichzeitig nimmt Clara auch angenehmes Wetter bewusst wahr. Sie mag Tage, an denen es weder zu heiß noch zu kalt ist und man sich draußen wohlfühlen kann.

    Reden macht es besser

    Clara unterhält sich häufig mit ihrer Mutter, die Geografie und Geschichte unterrichtet, und mit ihrer älteren Schwester Magdalena. Sie sprechen über Dinge, die ihnen am Herzen liegen, aber auch über Themen, die sie seltsam oder „dumm“ finden. Clara schätzt diese Gespräche, auch wenn sie nicht immer genau benennen kann, welches Gefühl dabei entsteht. Sie weiß jedoch, dass es ihr hilft, über schwierige Dinge zu reden, und dass sie sich dadurch etwas besser anfühlen.

    Zitate

    „Manchmal ist es viel zu heiß, und dann auf einmal wird es viel zu kalt. Das ist voll schade.“

    „Wie soll das gehen, dass man das Wetter verändert? Das geht ja gar nicht.“

    „Man kann nicht genau wissen, was für ein Tag es wird.“

    „Heute ist es fein. Es ist nicht zu warm und nicht zu kalt.“

    Hoffnung

    „Wenn man darüber redet, wird es besser.“

  • Kerstin — Österreich

    Kerstin — Österreich

    Kerstin Klocker (26) – Zwischen Wut, Ohnmacht und Hoffnung für ihre Tochter

    Wenn Kerstin intensiv über die Klimakrise nachdenkt, empfindet sie Trauer – und noch stärker Wut auf die Menschheit. Die Veränderungen nimmt sie unmittelbar in Innsbruck wahr, das sie als Betonstadt zwischen den Alpen beschreibt. Besonders während der zunehmend heißen Sommer kann sie nicht verstehen, weshalb weiter gebaut und Boden versiegelt wird, obwohl seit Jahren über die Folgen gesprochen wird.

    Mit ihrer Wut verbindet sich ein starkes Gefühl der Ohnmacht. Kerstin versucht, bewusst und ressourcenschonend zu leben und ihren Müll zu trennen. Gleichzeitig erlebt sie, dass es vielen Menschen in ihrem Umfeld gleichgültig zu sein scheint. Die Ohnmacht spürt sie körperlich als schweren Kloß im Bauch. Jonglieren und Radfahren helfen ihr dabei, ruhiger und entspannter zu werden und zeitweise Abstand von den belastenden Gedanken zu gewinnen.

    Seit Kerstin Mutter ist, haben ihre Trauer und ihre Ängste eine zusätzliche Dimension bekommen. Sie wünscht sich, dass ihre Tochter noch Winter, Schnee und eine schöne Natur erleben kann, so wie sie selbst es erlebt hat. Deshalb versucht sie, ihr früh zu vermitteln, sorgsam mit der Umwelt umzugehen – etwa Müll zu trennen, beim Essen bewusste Entscheidungen zu treffen und weniger mit dem Auto zu fahren. Besonders schmerzhaft ist für Kerstin die Vorstellung, dass auch der Wald verschwinden könnte, denn gerade dort sucht sie Zuflucht, wenn sie traurig ist.

    Es ist ihr wichtig, über Klimagefühle zu sprechen. Neben Krieg, Inflation und anderen Krisen scheint der Klimawandel für sie beinahe in den Hintergrund gerückt zu sein. Er werde zwar erwähnt, doch die Gefühle der Menschen würden kaum thematisiert. Wenn sichtbarer würde, wie es ihnen mit der Klimakrise tatsächlich geht, könnte das Thema wieder stärker ins Bewusstsein rücken und Menschen dazu bewegen, ihr eigenes Verhalten zu verändern.

    Trotz ihrer Angst, dass die bisherigen Anstrengungen nicht ausreichen, erkennt Kerstin auch ihren eigenen Handlungsspielraum. Sie kann ihr Umfeld nicht vollständig verändern, aber bei sich selbst beginnen. Hoffnung findet sie in ihrer Tochter und in der jüngeren Generation: Kinder seien für viele Themen offen, wüchsen teilweise bereits anders auf und zeigten, dass sich schon bei den Jüngsten viel bewegen lässt.

    Zitate

    „Wenn ich viel darüber nachdenke, werde ich traurig. Und wenn ich noch mehr darüber nachdenke, werde ich wütend auf die Menschheit.“

    „Man fühlt sich sehr machtlos. Man kann einen kleinen Beitrag leisten, aber es sind viele Menschen drumherum, denen es wurscht ist.“

    „Ich hätte gerne, dass meine Tochter auch noch den Winter, den Schnee und eine schöne Natur erleben kann.“

    „Ich kann mein Umfeld nicht ändern, aber ich kann mich selber ändern. Das habe ich in der Hand.“

    Hoffnung

    „Hoffnung macht mir meine Tochter. Ich finde, bei ganz Kleinen kann man schon ganz große Sachen bewegen.“

  • Alice — Österreich

    Alice — Österreich

    Alice Klocker (8) – Österreich

    Alice versteht unter Klimawandel, dass sich die Temperaturen durch den Einfluss der Menschen verändern. Für sie ist vor allem wichtig, dass die Welt nicht zu heiß wird. Sie beschreibt das in anschaulichen, kindlichen Bildern: Wenn die Hitze zu stark zunimmt, könnte die Welt „verbrutzeln“ – und mit ihr auch die Menschen.

    Warm zu sein, ist für Alice allerdings nicht grundsätzlich schlecht. Sie mag es, wenn es heiß genug ist, um Eis zu essen, schwimmen zu gehen und draußen zu sein. Unangenehm wird es für sie, wenn die Hitze so groß ist, dass Bewegung und Spielen nicht mehr möglich sind. Dann fühlt es sich an, als würde man schmelzen. Man wird träge, kann nur noch herumliegen und nichts mehr unternehmen. Sehr kalt soll es ebenfalls nicht werden. Ihre ideale Temperatur liegt in der Mitte, allerdings etwas mehr auf der warmen Seite.

    Alice fällt es schwer, dem Klimawandel bestimmte Gefühle zuzuordnen. Bei der Auswahl der Gefühlskarten sagt sie mehrmals, dass sie nicht weiß, welche Karte passt, und am liebsten nur fröhliche Karten nehmen würde. Gleichzeitig fragt sie sich, ob eine fröhliche Karte bedeuten würde, dass sie froh über den Klimawandel sei. Daran zeigt sich, wie schwierig und widersprüchlich die Aufgabe für sie ist. Sie weiß, was Klimawandel bedeutet, und bekommt durch ihre Familie einiges darüber mit. Intensiver beschäftigen möchte sie sich damit jedoch nicht.

    Besonders passend findet Alice die Karte mit dem Satz: „Ich will doch nur spielen.“ Diesen Wunsch verbindet sie unmittelbar mit ihrem Alltag. Wenn es draußen viel zu heiß oder zu kalt ist, können Kinder nicht mehr richtig spielen. Alice wäre lieber draußen, würde sich bewegen und Spaß haben, als über den Klimawandel nachzudenken. Ein gutes Klima bedeutet für sie, dass alltägliche Dinge weiterhin möglich bleiben: spielen, herumlaufen, schwimmen und Eis essen.

    Eine konkrete Quelle der Hoffnung nennt Alice nicht. Ihr zentraler Wunsch ist, dass die Temperaturen nicht extrem werden und sie weiterhin unbeschwert spielen und draußen sein kann.

    Ausgewählte Zitate

    „Das ist so, wenn sich die Temperaturen wegen uns verändern.“

    „Es sollte nicht zu heiß werden, weil sonst die Welt verbrutzelt.“

    „Ich will aus dem Klimawandel raus.“

    „Ich will mich doch einfach nicht damit beschäftigen.“

    „Ich will doch nur spielen.“

  • Reinhard — Österreich

    Reinhard — Österreich

    Reinhard ist davon überzeugt, dass die heutige Klimakrise zu einem wesentlichen Teil vom Menschen verursacht wird. Natürliche Klimaveränderungen habe es zwar immer gegeben, doch Industrialisierung, weltweiter Flugverkehr, Kreuzfahrtschiffe, Autos und der Ausstoß schädlicher Gase hätten die Situation in den vergangenen 100 bis 150 Jahren grundlegend verändert. Das Abschmelzen der Gletscher ist für ihn eine sichtbare Folge davon.

    Gleichzeitig fällt es Reinhard schwer zu erkennen, was ein einzelner Mensch tatsächlich bewirken kann. Weniger Fleisch zu konsumieren, die Heizung auszutauschen oder auf ein Elektroauto umzusteigen, könne zwar etwas beitragen, doch das globale Wirtschaftssystem und die Entscheidungen von Regierungen hätten ein viel größeres Gewicht. Das hinterlässt bei ihm Ärger, Frustration und ein Gefühl der Machtlosigkeit. Veränderung hält er dann für möglich, wenn sich viele Menschen zusammenschließen – doch auch das empfindet er als schwierig.

    Es ist sehr schwierig. Ich fühle mich oft ratlos und hilflos.

    Die Menschheit hat eigentlich immer überlebt und Krisen überstanden. Die Hoffnung ist, dass man das auch übersteht.

    Das macht mir Hoffnung

    Besonders ärgert ihn, wenn Menschen den Klimawandel leugnen oder Verschwörungserzählungen folgen. In solchen Gesprächen komme irgendwann der Punkt, an dem keine sinnvolle Diskussion mehr möglich sei. Politische Entwicklungen verstärken seine Sorge. Klimakrise, Kriege und der Kampf um Rohstoffe gehören für ihn zu einer umfassenderen globalen Krise. Das Leid der Menschen im Gazastreifen und in anderen Kriegsgebieten berührt ihn stark. Am meisten belastet ihn, dieses Leid zu sehen und zugleich das Gefühl zu haben, nicht eingreifen zu können.

    Sein eigener Garten bietet ihm eine kleine, konkrete Handlungsmöglichkeit. Statt eines herkömmlichen Rasens lässt Reinhard der Natur mehr Raum und schafft Lebensraum für Insekten und Bienen. Die Zeit im Garten beruhigt und entspannt ihn. Ihm ist bewusst, dass ein Naturgarten die Klimakrise nicht lösen kann, dennoch sieht er darin einen persönlichen Beitrag.

    Trotz der langen Geschichte von Krieg und Zerstörung schöpft Reinhard etwas Hoffnung daraus, dass die Menschheit Krisen immer wieder überstanden hat. Was es aus seiner Sicht braucht, ist Einsicht: die Erkenntnis, dass der Mensch seine kurze Zeit der Existenz für anderes nutzen müsste als für Konflikte und Kriege.

    Zitate

    „Als Einzelner kann ich nicht etwas verändern. Allerdings in der Masse schon.“

    „Natürlich ärgert man sich über gewisse Entwicklungen.“

    „Mein Garten, der ist beruhigend und entspannend, und vielleicht ist das auch ein kleiner Beitrag dazu.“

    „Das Ärgste ist, dass man nichts tun kann.“

    Was mir Hoffnung macht

  • Anneliese — Deutschland

    Anneliese — Deutschland

    Anneliese erlebt den Klimawandel als bedrückend und stressig. Besonders am Zustand des Waldes nimmt sie seine Auswirkungen wahr. Wenn sie jedoch an ihre Söhne und deren Zukunft denkt, beschäftigt sie die weltpolitische Lage mit Personen wie Trump und Putin noch stärker.

    Die Vielzahl an Krisen und beunruhigenden Nachrichten ist für sie kaum noch auszuhalten. Sie meidet die Medien zunehmend, weil sie nicht mehr versteht, was auf der Welt geschieht und was mit den Menschen los ist. Seit der Coronapandemie hat sich ihr Blick auf die Menschheit verdüstert. Manchmal wünscht sie sich, einfach fortzugehen und in einem Land zu leben, in dem es all diese Probleme nicht gibt. Zugleich weiß sie, dass ein solcher Ort nicht existiert.

    Zitate

    „Ich weiß einfach nicht mehr, was auf der Welt passiert, was mit den Menschen los ist.“

    „Seit Corona zeigt der Mensch seine Fratze.“

    „Manchmal denke ich: Ich will da einfach raus. Aber das geht ja nicht.“

    Hoffnung

    „Ich werde schon irgendwie unbeschadet durchkommen.“

    🇩🇪 Germany’s Greenhouse Gas Emissions

    Population 84.55 Million, Europe.

    Key Messages

    • Emissions: Germany emitted around 669 megatonnes CO2e in 2024, about 1.17% of the global total.
    • Per person: Emissions were around 7.9 tonnes per person per year in 2024, rated very high on a scale where any level above zero adds warming.
    • Trend: Germany’s emissions fell by around 30 megatonnes CO2e a year, or 3.69% yearly, over the ten years to 2024-slower than the 4% yearly global decline needed for Net Zero in 2050 and around 1.7 °C warming.
    • What drives it: CO2 makes up 85% of Germany’s emissions, methane 8.3%, nitrous oxide 4.8% and F-gases 1.5%.
    • Historic responsibility: Since 1851, Germany’s emissions have produced around 112,000 megatonnes CO2e of warming impact, about 2.87% of the global total, averaging around 10.1 tonnes per person per year-rated extremely high.
  • Mathias — Deutschland

    Mathias — Deutschland

    Mathias lebt in der Nähe von Landshut, ist verheiratet, hat zwei Kinder und arbeitet als Ingenieur bei einem Automobilhersteller. Im Alltag bleibt der Klimawandel für ihn meist im Hintergrund. Wahrnehmbar wird er vor allem durch trockenere Wetterverhältnisse und das Gefühl, dass sich die Jahreszeiten verschieben. Andere, unmittelbarere Dinge bestimmen jedoch seinen Alltag. Sein Verhältnis zum Thema habe sich mit dem Alter verändert: Anders als vielleicht mit 15 oder 17 Jahren denke er heute nicht mehr täglich darüber nach, sondern sei stark in Familienleben und alltägliche Verpflichtungen eingebunden.

    Durch seine Kinder wird die Zukunft konkreter. Er wünscht sich, dass sie im Winter weiterhin Schnee erleben und mit einer ähnlichen Vielfalt von Flora und Fauna aufwachsen können wie seine Generation. Die Vorstellung, dass etwa Skifahren künftig nicht mehr selbstverständlich sein könnte, empfindet er als schade. Gleichzeitig geht er davon aus, dass sich die Gesellschaft schrittweise an Veränderungen anpassen muss, die möglicherweise zum Teil nicht mehr umkehrbar sind.

    Die Gefühlskarte „Auch das noch“ bringt seine Wahrnehmung besonders treffend zum Ausdruck. Der Alltag sei bereits voll, und die Klimakrise komme als weiteres großes Problem hinzu, ohne dass sich für den Einzelnen eine eindeutige Handlungsoption anbiete. Daraus entsteht eine gewisse Überforderung: Es fehlt eine unmittelbar sichtbare Verbindung zwischen dem eigenen Tun und einer konkreten Wirkung.

    Einen plötzlichen Zusammenbruch erwartet Mathias dennoch nicht. Er stellt sich die Veränderungen eher langsam und schleichend vor und hofft, dass sich die Menschheit an den eingeschlagenen Weg anpassen kann. Vorsichtig erwägt er, ob einzelne Entwicklungen regional auch positive Seiten haben könnten – etwa bessere Bedingungen für den Weinanbau. Seine Grundstimmung beschreibt er insgesamt als relativ neutral, begleitet von leichtem Unbehagen statt akuter Angst.

    Zugleich nimmt er wahr, dass die Klimakrise medial weniger präsent ist als noch vor einigen Jahren. Kriege, Donald Trump und andere aktuelle Themen hätten sie wieder stärker in den Hintergrund gedrängt. Zuversicht gewinnt er vor allem aus der menschlichen Anpassungsfähigkeit und technischer Erfindungskraft: Wenn Zeit und Handlungsspielraum knapper werden, könnten Menschen kreativer werden und Lösungen wie die CO₂-Abscheidung weiterentwickeln.

    Zitate

    „Der Alltag ist schon recht voll, und man ist eigentlich schon mit den normalen Dingen beschäftigt. Und dann ist eher so das Gefühl: Auch das noch.“

    „Wenn man an die Zukunft denkt, will man schon, dass die Kinder auch noch Schnee haben im Winter und so leben können wie wir – mit Flora und Fauna.“

    „Ich fürchte schon, man muss sich auf diese graduellen Veränderungen jedes Jahr ein bisschen einstellen.“

    „Man hat keine direkte Handlungsoption, wo man als Einzelner sagt: Wenn man jetzt das macht, dann passiert jenes.“

    Was macht mir Hoffnung?

    „Ich bin fest davon überzeugt, dass den Menschen immer etwas einfällt. Je höher der Druck und je knapper die Zeit wird, desto kreativer wird man vielleicht.“

  • Anastasya — Ukraine

    Anastasya — Ukraine

    Anastasya erlebt den Klimawandel als etwas Seltsames, Beunruhigendes und Widersprüchliches. Sie beschreibt sich als „aufgeregt“, doch diese Aufregung ist eng mit Unsicherheit und Machtlosigkeit verbunden: Einerseits glaubt sie, etwas verändern zu können, andererseits empfindet sie diese Veränderung als außerhalb ihrer persönlichen Möglichkeiten. Diese Spannung zwischen eigener Verantwortung und begrenztem Einfluss zieht sich durch ihre Gedanken.

    Zum ersten Mal begegnete ihr das Thema in der Schule, in Texten, die im Englischunterricht verwendet wurden. Es weckte ihr Interesse, und sie begann, selbstständig im Internet nach weiteren Informationen zu suchen. Heute ist der Klimawandel für sie nicht mehr abstrakt. Eines der stärksten Bilder, das vor ihrem inneren Auge erscheint, sind tote Fische. Dieses Bild verbindet sich mit Stress und dem Gefühl, keinen ausreichenden Einfluss auf die Entwicklung zu haben.

    Ich weiß nicht, was mit dieser Welt geschehen wird, und das finde ich unheimlich.

    Die Welt ist so seltsam. Ich glaube, ich kann sie verändern, und zugleich habe ich das Gefühl, dass es nicht in meiner Macht liegt, das zu verändern.

    Auch die veränderten Sommer sind Teil ihres Alltags geworden. In ihrer Kindheit bedeutete der Sommer für sie Ruhe und Sicherheit; sie hatte das Gefühl, dass alles in Ordnung sein würde. Heute hält sie die starke Hitze tagsüber meist im Haus. Sie geht nur früh am Morgen oder am Abend hinaus. Diese Veränderungen wirken sich deutlich auf sie aus – und ihrer Wahrnehmung nach ebenso auf ihre Freund:innen, ihre Eltern und andere Menschen in ihrem Umfeld.

    Der Planet braucht meine Unterstützung.

    Am unmittelbarsten fühlt sie sich mit der Karte „creepy“ verbunden. Sie steht für ihre Angst vor einer unvorhersehbaren Zukunft und dafür, nicht zu wissen, was mit der Welt geschehen wird. Das Gefühl zeigt sich auch körperlich als Kribbeln in ihren Händen. Eine zweite Karte wirft die Frage auf: „Muss ich etwas verändern?“ Darin liegt ihr Bewusstsein, dass der Planet Unterstützung braucht, zugleich aber auch ihre Unsicherheit darüber, was sie selbst tatsächlich bewirken kann.

    Auf die Frage nach Hoffnung nennt Anastasya keine konkrete Hoffnungsquelle. Stattdessen betont sie erneut die Bedeutung des Themas und ihr Gefühl, nicht über genügend Wissen oder Kompetenz zu verfügen, um es in einem globaleren Zusammenhang beurteilen zu können.

    Ich glaube, das Thema ist sehr wichtig. Gleichzeitig habe ich das Gefühl, nicht genügend Kompetenz zu besitzen, um darüber in einem globaleren Zusammenhang nachzudenken.

  • Marcella – Polen

    Marcella – Polen

    Marcella erlebt den Klimawandel vor allem durch das zunehmend unberechenbare Wetter. Am Tag des Interviews wirken sich die Kälte und das trübe Wetter unmittelbar auf ihre Stimmung und ihre Energie aus: Sie fühlt sich schlecht, ist müde und würde am liebsten schlafen. Für sie zeigt sich die klimatische Veränderung besonders darin, dass die vertrauten Jahreszeiten verschwinden. Die Winter bringen nicht mehr den anhaltenden Frost, der früher Insekten und Schädlinge eindämmte, während selbst Frühling und Sommer ungewöhnlich kalt bleiben. Diesen Verlust der jahreszeitlichen Verlässlichkeit empfindet sie als beunruhigend.

    Es ist die Angst davor, was morgen, in einer Woche oder in einem Jahr kommen wird.

    Ihre Kindheitserinnerungen bilden einen deutlichen Kontrast zur Gegenwart. Marcella erinnert sich an schneereiche, frostige Winter und schöne, warme Sommer. Die klar voneinander unterscheidbaren Jahreszeiten vermittelten Vertrautheit und Beständigkeit. Der Rückblick löst deshalb vor allem Sehnsucht aus: Sie vermisst das Klima ihrer Kindheit und die Sicherheit, die mit seinem regelmäßigen Rhythmus verbunden war.

    Wenn sie an die Zukunft denkt, steht die Angst im Vordergrund. Überschwemmungen, Hurrikane und andere extreme Wetterereignisse scheinen häufiger zu werden und lassen die Zukunft immer weniger vorhersehbar erscheinen. Ihre Sorge bezieht sich nicht nur auf eine ferne Zukunft, sondern auf die unmittelbare Ungewissheit darüber, was morgen, in einer Woche oder in einem Jahr geschehen könnte.

    Wir haben keinen richtigen Winter mehr, der all die Insekten und alles andere durch den Frost eindämmt.

    Ich hoffe, dass ich im Ruhestand reisen, die Welt entdecken und das Leben genießen kann.

    Trotz dieser Ängste richtet Marcella ihre persönliche Hoffnung auf ein erfülltes zukünftiges Leben. Sie freut sich auf den Ruhestand als eine Zeit, in der sie reisen, die Welt entdecken und das Leben genießen kann. Ihre Hoffnung liegt in der Möglichkeit, trotz der klimatischen Unsicherheit weiterhin Schönheit, Freiheit und Neugier zu erleben.

    Damals hatten wir noch richtige Winter. Es gab viel Schnee und es war frostig. Das vermisse ich.

    🇵🇱 Poland’s Greenhouse Gas Emissions

    Population 38.54 Million, Europe.

    Key Messages

    • Emissions: Poland emitted around 337 megatonnes CO2e in 2024, or 0.59% of the global total.
    • Per person: In 2024, Poland emitted around 8.7 tonnes per person per year, rated very high on a scale where any level above zero adds warming.
    • Trend: Poland’s emissions fell by around 1.1% a year over the ten years to 2024, slower than the 4% yearly decline the world as a whole needs to achieve Net Zero in 2050 and limit warming to around 1.7 °C.
    • What drives it: CO2 made up around 78% of emissions, methane 13%, nitrous oxide 8% and F-gases 1.7%.
    • Historic responsibility: Since 1851, Poland’s emissions have produced around 41,100 megatonnes CO2e of warming impact, 1.05% of the global total, averaging around 8.5 tonnes per person per year and rated very high.
  • Marian — Polen

    Marian — Polen

    Marian erlebt den Klimawandel vor allem durch die zunehmende Unberechenbarkeit und Heftigkeit des Wetters. Auf Vorhersagen sei immer weniger Verlass, wodurch Reisen und andere Vorhaben schwieriger zu planen werden. Was zunächst nach schönem Wetter aussieht, kann sich plötzlich völlig anders entwickeln. Für ihn ist diese Unsicherheit ein deutliches Zeichen dafür, dass vertraute Abläufe auseinanderbrechen.

    In Wrocław, wo er lebt, sind Stürme und Überschwemmungen zu einer konkreten Bedrohung geworden. Innerhalb kürzester Zeit fallen heute große Regenmengen, die der Boden nicht mehr aufnehmen kann. Das Wasser fließt stattdessen direkt in die Flüsse und erhöht die Hochwassergefahr. Regen, früher ein gewöhnliches Wetterereignis, ist dadurch emotional aufgeladen: Sobald es zu regnen beginnt, entsteht bereits die Angst, dass die eigenen Häuser überflutet werden könnten.

    Wenn es zu regnen beginnt, bekommen wir bereits Angst, dass es eine Überschwemmung geben wird.

    Wir können eigentlich nichts mehr richtig planen. Das Wetter ändert sich plötzlich.

    Auch die Veränderung der Jahreszeiten nimmt Marian deutlich wahr. Früher war die Region für ihre schneereichen Winter bekannt, heute fällt nur noch sehr wenig Schnee. Diese Veränderungen wirken sich für ihn nicht nur auf die Umwelt, sondern auch auf das persönliche Wohlbefinden aus. Der Verlust von Berechenbarkeit, vertrauten Jahreszeiten und Sicherheit löst bei ihm überwiegend negative Gefühle aus.

    Der Klimawandel beeinflusst zudem seine Begegnungen mit anderen Menschen. Gespräche mit Personen, die den Klimawandel oder seine Auswirkungen bestreiten, empfindet Marian als schwierig. Dabei entsteht Distanz, weil es ihm kaum möglich erscheint, sie von dem zu überzeugen, was er selbst in seiner Umgebung beobachtet.

    Die ausgewählten Gefühlskarten zeigen verschiedene Seiten seines Erlebens. Das Herz steht für Liebe und gegenseitige Fürsorge: Wenn Menschen einander lieben, so Marian, verletzen sie sich nicht. Das ernste, grimmige Gesicht vermittelt ihm Negativität und hält ihn davon ab, auf die dargestellte Person zuzugehen. Das verängstigte Gesicht wiederum verkörpert unmittelbar jene Angst und jenen Schrecken, die er mit dem Klimawandel verbindet. Diesen Gefühlen stellt er mit dem Herzen eine positive menschliche Haltung gegenüber.

    Hoffnung verbindet Marian mit gemeinsamer Verantwortung und konkreten persönlichen Entscheidungen. Als eigenen Beitrag nennt er den Kauf eines Hybridautos. Verbesserungen hält er für möglich, wenn mehr Menschen Umweltverschmutzung vermeiden, weniger Plastik und Chemikalien verwenden und sich stärker für natürliche Alternativen entscheiden.

    Wenn Menschen einander lieben, verletzen sie sich nicht.

    Ich hoffe, dass schließlich die meisten Menschen beginnen werden, etwas Positives für das Klima auf der Erde zu tun – weniger zu verschmutzen, weniger Plastik und Chemikalien zu verwenden und sich stärker für natürliche Alternativen zu entscheiden.

    Früher gab es sehr viel Schnee. Und heute gibt es keinen Schnee mehr.

    🇵🇱 Poland’s Greenhouse Gas Emissions

    Population 38.54 Million, Europe.

    Key Messages

    • Emissions: Poland emitted around 337 megatonnes CO2e in 2024, or 0.59% of the global total.
    • Per person: In 2024, Poland emitted around 8.7 tonnes per person per year, rated very high on a scale where any level above zero adds warming.
    • Trend: Poland’s emissions fell by around 1.1% a year over the ten years to 2024, slower than the 4% yearly decline the world as a whole needs to achieve Net Zero in 2050 and limit warming to around 1.7 °C.
    • What drives it: CO2 made up around 78% of emissions, methane 13%, nitrous oxide 8% and F-gases 1.7%.
    • Historic responsibility: Since 1851, Poland’s emissions have produced around 41,100 megatonnes CO2e of warming impact, 1.05% of the global total, averaging around 8.5 tonnes per person per year and rated very high.
    • 🇵🇱 Poland’s Greenhouse Gas Emissions

      Population 38.54 Million, Europe.

      Key Messages

      • Emissions: Poland emitted around 337 megatonnes CO2e in 2024, or 0.59% of the global total.
      • Per person: In 2024, Poland emitted around 8.7 tonnes per person per year, rated very high on a scale where any level above zero adds warming.
      • Trend: Poland’s emissions fell by around 1.1% a year over the ten years to 2024, slower than the 4% yearly decline the world as a whole needs to achieve Net Zero in 2050 and limit warming to around 1.7 °C.
      • What drives it: CO2 made up around 78% of emissions, methane 13%, nitrous oxide 8% and F-gases 1.7%.
      • Historic responsibility: Since 1851, Poland’s emissions have produced around 41,100 megatonnes CO2e of warming impact, 1.05% of the global total, averaging around 8.5 tonnes per person per year and rated very high.
  • Rasa — Litauen

    Rasa — Litauen

    Litauen ist Rasas Zuhause. Sie hat ihr ganzes Leben dort verbracht, fühlt sich ihrer Stadt verbunden und beschreibt ihr gegenwärtiges Leben als emotionale Mischung: „Ein wenig traurig. Ein wenig schwer. Ein wenig glücklich. Von allem etwas.“ Im Mittelpunkt steht ihr kleiner Sohn Dominikas: „Er ist mein Ein und Alles. Er ist mein Leben.“

    Vor ungefähr fünf Jahren nahm Rasa den Klimawandel erstmals deutlich wahr – nicht durch Bücher oder Zeitungen, sondern durch das, was sie unmittelbar um sich herum beobachten konnte: „Er ist hier.“ Für sie zeigen vor allem die verschobenen Jahreszeiten, dass sich etwas verändert. Der Sommer beginnt zu ungewöhnlichen Zeiten, die Kälte hält länger an und die Menschen tragen noch Jacken, obwohl es längst warm sein sollte. Diese Veränderungen bleiben für sie nicht abstrakt. Sie beeinflussen ihrer Ansicht nach sowohl die Natur als auch die Menschen – psychisch und körperlich: „Alles verändert sich. Nicht nur das Klima – die Menschen, die Gefühle, einfach alles.“

    Emotional verbindet Rasa diese Entwicklung vor allem mit Unbehagen und Traurigkeit. Über die Zukunft ihres Sohnes nachzudenken fällt ihr schwer; sie versucht, nicht zu weit vorauszublicken. Gleichzeitig möchte sie sich nicht von der Negativität beherrschen lassen. Positiv zu bleiben erscheint ihr notwendig, weil es ihrer Wahrnehmung nach bereits sehr viele negative Menschen und Stimmungen in der Welt gibt.

    Auch ihre Gefühlskarten spiegeln diese Spannung wider. Eine Karte steht dafür, dass die Situation „nicht lustig“ ist: Wenn sich das Klima weiter verändert, könnten vertraute Sommer und warmes Wetter verloren gehen. Eine andere Karte eröffnet eine leichtere, hoffnungsvollere Möglichkeit – eine Welt, in der die Menschen mehr Verständnis zeigen, keinen Plastikmüll mehr in die Natur werfen und dadurch gemeinsam glücklicher sein können. Die leere Karte wird für Rasa zu einer Art Joker: Situationen und Gefühle können sich verändern. Wenn alles schlecht ist, sind die Menschen traurig; scheint die Sonne, können sie wieder lächeln. Doch dafür muss auch etwas getan werden: „Wir tun nichts dafür, dass es öfter besser als schlechter wird.“

    Rasa sieht durchaus Menschen, die versuchen, ihr Verhalten zu ändern – aber noch sind es nicht genug. Müll wird nicht konsequent getrennt, und als Gesellschaft unternehmen wir zu wenig. Vollkommen hoffnungslos ist die Lage für sie dennoch nicht. Veränderung bleibt möglich, wenn mehr Menschen mitmachen und wir lernen, das Gute zu genießen, ohne die notwendigen Schritte zu verdrängen.

    „Ein wenig traurig. Ein wenig schwer. Ein wenig glücklich. Von allem etwas.“

    „Alles verändert sich. Nicht nur das Klima – die Menschen, die Gefühle, einfach alles.“

    „Der Klimawandel ist hier.“

    „Mein Kind ist mein Ein und Alles. Er ist mein Leben.“

    „Einige Menschen versuchen, es besser zu machen, aber es reicht noch nicht.“

    Vielleicht gibt mir die Hoffnung selbst Hoffnung. Wir brauchen mehr davon – das ist sicher.