Tag: Natur

  • Jens — Dänemark

    Jens — Dänemark

    Jens Lund (65) – stammt aus einer dänischen Bauernfamilie, die den Hof bereits in sechster Generation bewirtschaftet. Als er jung war, wurde kaum über den Klimawandel gesprochen. Über die Medien rückte das Thema allmählich in sein Bewusstsein, wirklich greifbar wurde es für ihn aber erst vor ungefähr zehn Jahren: Trockene Sommer wechselten sich mit ungewöhnlich heftigen Regenfällen ab, Felder wurden überflutet und Ernten beschädigt. Anfangs schob Jens das Thema eher beiseite. Die Landwirtschaft war von Produktion, Wachstum und Gewinn geprägt, während Umweltauflagen häufig wie einseitige Vorwürfe gegen die Bauern wirkten. Mit zunehmendem Alter wandelte sich diese Abwehr jedoch in Sorge und Selbstreflexion.

    Jens belastet nicht nur der Klimawandel selbst, sondern auch die konfrontative Art, in der gesellschaftlich darüber gesprochen wird. Bauern beschuldigen die Städte, Menschen in den Städten die Landwirtschaft, und Staaten zeigen aufeinander, anstatt gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Solche Konflikte hat er selbst innerhalb seiner erweiterten Familie erlebt. Pauschale Anschuldigungen gegen die Landwirtschaft machen ihn wütend. Dennoch versucht er, diplomatisch zu bleiben, die landwirtschaftlichen Realitäten zu erklären und einen gemeinsamen Weg zu finden.

    Was können wir alle zusammen tun, um etwas an der Klimasituation zu verändern?

    Ich finde Hoffnung in der nächsten Generation, weil sie bewusster ist und mehr Ideen dafür hat, wie wir etwas verändern und besser leben können.

    Das macht mir Hoffnung

    Technologie könnte helfen, aber sie wird unsere Seelen nicht retten.

    Auf dem eigenen Hof ist aus seiner Sorge konkretes Handeln geworden. Die Familie installierte Solaranlagen und ein Windrad, begann Elektrofahrzeuge zu nutzen, verringerte die Ammoniakemissionen aus der Gülle, legte Blühstreifen an und wandelte manche Flächen in biologische Landwirtschaft und Wald um. Auch die Produktion wird schrittweise reduziert. Das gibt Jens ein besseres Gefühl, weil er in seinem unmittelbaren Umfeld etwas bewirken kann. Gleichzeitig weiß er, dass eine ökologische Umstellung Geld kostet und landwirtschaftliche Betriebe nicht von heute auf morgen verändert werden können. Besonders kritisch sieht er die dänische Überproduktion und den Export von Lebensmitteln um die halbe Welt.

    Durch Verwandte und Reisen nach Honduras hat Jens die zerstörerischen Folgen des Bergbaus, des Bananenanbaus und des ungeschützten Pestizideinsatzes unmittelbar gesehen. Darin zeigt sich für ihn die Doppelmoral wohlhabender Länder, die Umweltzerstörung auslagern und anschließend anderen Staaten Vorwürfe machen. Technologie kann seiner Ansicht nach zur Veränderung beitragen. Er misstraut jedoch Lösungen, die als revolutionär vermarktet werden, obwohl ihre tatsächliche Wirkung noch sehr gering ist.

    Sorgen macht ihm auch die Welt, die seine drei Kinder übernehmen: eine von Stress und Technologie geprägte Gesellschaft, in der viele Menschen nicht mehr mithalten können. Seine Karten bilden einen Weg durch diese Gefühle. Und jetzt? steht für die Unsicherheit darüber, wie die Natur auf menschliche Eingriffe reagieren wird. Großartig drückt seine Erleichterung darüber aus, dass das Wissen wächst und Veränderung begonnen hat. Endlich beschreibt die Genugtuung, selbst Verantwortung zu übernehmen und den Hof in seiner heutigen Form nicht an die nächste Generation weiterzugeben. Das offene Gespräch hilft Jens, weiterzudenken und nicht einfach wieder in alte Gewohnheiten zurückzufallen.

    „Es ist großartig, dass wir uns auf den Weg der Veränderung gemacht haben.“

    „Wenn man mit Menschen über solche Dinge spricht, bewirkt man eine Veränderung.“

    🇩🇰 Denmark’s Greenhouse Gas Emissions

    Population 5.98 Million, Europe.

    Key Messages

    • Emissions: Denmark emitted around 46.1 megatonnes CO2e in 2024, about 0.08% of the global total.
    • Per person: That was around 7.7 tonnes per person per year, rated very high on a scale where any level above zero adds warming.
    • Trend: Emissions fell by around 1.11 megatonnes CO2e a year, or 2.21% yearly, over the ten years to 2024-slower than the 4% yearly decline needed globally.
    • What drives it: Fossil and land-use CO2 made up around 67.3% of emissions, methane 22%, nitrous oxide 10.2% and F-gases 0.6%.
    • Historic responsibility: Since 1851, Denmark’s emissions have produced around 7,020 megatonnes CO2e of warming impact, about 0.18% of the global total, or around 10.8 tonnes per person per year.
  • Patricia — Belgien

    Patricia — Belgien

    Patricia Lopez (25) – ist mit einem Umweltbewusstsein aufgewachsen, das für sie von Anfang an praktisch und unmittelbar war. Vor allem ihr Vater lebte ihr dieses Bewusstsein vor: Wenn die Familie an Stränden oder in Parks unterwegs war, sammelte er herumliegenden Müll auf – auch wenn es nicht ihr eigener war. So lernte Patricia schon früh, auf ihre Umgebung zu achten. Verantwortung für die Umwelt begegnete ihr nicht zuerst als abstraktes Konzept, sondern in einfachen Handlungen: wahrzunehmen, was andere zurücklassen, und sich darum zu kümmern.

    Wenn Patricia an den Klimawandel denkt, sieht sie einen Eisbären allein auf einer kleinen Eisscholle, umgeben von Wasser. Das Bild steht für sie dafür, dass der Lebensraum eines Tieres auseinanderbricht: „Man hat das Gefühl, dass der Ort, an den sie gehören, auseinanderfällt.“ Darin liegen Einsamkeit und Hilflosigkeit, aber auch menschliche Verantwortung. Tiere und Natur leiden unter Veränderungen, die sie selbst nicht beeinflussen können, während der Mensch einen großen Teil der Verantwortung dafür trägt.

    In ihrem Freundes- und Familienkreis erlebt Patricia nur selten grundsätzliche Meinungsverschiedenheiten über den Klimawandel. Die meisten erkennen an, dass er real ist und etwas getan werden muss. Widersprüche zeigen sich eher zwischen gemeinsamen Überzeugungen und dem individuellen Handeln: „Wir sind uns alle einig, dass der Klimawandel real ist, aber was wir dagegen tun, geschieht auf sehr unterschiedlichen Ebenen.“ Menschen zu begegnen, die die Krise nicht anerkennen wollen, löst in ihr Überraschung, Enttäuschung und manchmal auch Wut aus. Weil die Klimakrise alle betrifft, kann eine solche Gleichgültigkeit sehr entmutigend wirken.

    Gleichzeitig verbindet Patricia Klimaschutz mit starken Erfahrungen von Gemeinschaft. Sie erinnert sich an Fridays-for-Future-Demonstrationen und an das Gefühl, mit vielen Menschen aus demselben Grund zusammenzukommen: „Wir sind alle gemeinsam hier.“ Auch im Alltag nimmt sie positive Veränderungen wahr. Veganes Essen und pflanzliche Alternativen sind heute wesentlich leichter zugänglich. Dadurch wird gesellschaftlicher Wandel sichtbar und erfahrbar.

    Die drei von ihr gewählten Karten – „mehr“, „ja“ und „Hilfe“ – bringen Dringlichkeit und Möglichkeit zusammen. „Mehr“ bedeutet mehr Handeln, mehr Menschen, denen das Thema wichtig ist, mehr politische Maßnahmen und Gesetze. Vor allem braucht es für Patricia mehr Verständnis, Gemeinschaft und Menschlichkeit: nicht nur für sich selbst zu leben, sondern auch für andere Sorge zu tragen. „Ja“ steht für die bestärkende Energie gemeinschaftlichen Handelns. „Hilfe“ verweist auf Tiere und Natur, die für sie „um Hilfe schreien“ und auf den Schutz durch Menschen angewiesen sind.

    „Wir brauchen mehr Handeln, mehr Menschen, denen es wichtig ist, und mehr Gesetze.“

    „Man lebt nicht nur für sich selbst, sondern auch für alle anderen.“

    „Wir brauchen mehr Gemeinschaftssinn und mehr Menschlichkeit.“

    Was mir Hoffnung macht:
    „Ich sehe immer mehr Gespräche, engagierte Aktivistinnen und Aktivisten und wirklichen Fortschritt. Auch wenn die Bewegung in Wellen verläuft, glaube ich, dass sie wieder stärker werden und weitere Veränderungen bewirken wird.”

  • Michael — Österreich

    Michael — Österreich

    Michael Mathis (48) – begegnet der Klimakrise mit einer Mischung aus Pessimismus, Frustration, Dankbarkeit und bewusster Zuversicht. Besonders belastet ihn die Haltung, man könne einfach weitermachen wie bisher: konsumieren, fliegen und ausbauen, ohne darüber nachzudenken, was für die Menschen nach uns übrig bleibt. Als Vater empfindet er dabei eine klare Verantwortung: „Ich will, dass meine Kinder eine Zukunft haben.“

    Sein Bewusstsein für die Klimakrise veränderte sich Mitte zwanzig. Nach seinem Musikstudium und seiner Tätigkeit als Lehrer machte Michael den Hubschrauberschein, weil er als Rettungspilot arbeiten wollte. Durch das Fliegen und den Blick auf die Landschaft wurde ihm der Einfluss des Menschen immer bewusster. Für ihn lautet die entscheidende Frage nicht, ob die Erde überleben wird – sie wird sich verändern und anpassen –, sondern ob Menschen auf ihr weiterhin gut leben können.

    Heute kann Michael als Geschäftsführer des Österreichischen Alpenvereins in Vorarlberg seine Sorgen in konkretes Handeln übersetzen. Er beschäftigt sich mit nachhaltig betriebenen Schutzhütten, regionalen Lebensmitteln, erneuerbarer Energie und verantwortungsvollem Abfallmanagement. Gleichzeitig sieht er klare Grenzen für das weitere Wachstum des Tourismus. Noch mehr Seilbahnen und künstliche Attraktionen in Bergen zu errichten, in denen zunehmend der Schnee fehlt, erscheint ihm kurzsichtig und widersinnig. Hier werden seine Frustration und Verzweiflung besonders spürbar: Es bewegt sich etwas, aber viel zu langsam, während wirtschaftliche Interessen weiterhin dominieren.

    Seine Sorgen reichen weit über die Alpen hinaus. Steigende Temperaturen, zunehmend unbewohnbare Regionen und die daraus entstehenden Fluchtbewegungen ergeben ein Zukunftsbild, das für ihn kaum zu fassen ist. Dennoch möchte er sich nicht von der Größe und Komplexität der Krise lähmen lassen: „Wenn du da zu sehr hineindenkst, wirst du narrisch, weil du einfach keine Antwort auf deine Fragen hast.“ Deshalb konzentriert er sich auf das, was sich im eigenen Umfeld und im eigenen Leben verändern lässt.

    Kraft findet Michael in der Natur. Nach der Arbeit legt er Handy und Computer weg und geht hinaus. Beim Gehen oder Radfahren spürt er Luft, Sonne, Kälte, Wärme und Wind – und damit sich selbst und den Planeten. Nachhaltigkeit bedeutet für ihn keinen Verzicht. Regional einzukaufen, Rad zu fahren und weniger zu konsumieren, macht sein Leben erfüllter: „Mein Leben ist schöner, wenn ich so lebe.“

    Andere Menschen bekehren zu wollen, hat Michael aufgegeben. Er möchte Alternativen vorleben und beharrlich bleiben. Panik lähmt seiner Ansicht nach, statt Veränderung auszulösen. Menschen brauchen ein positives Zukunftsbild und das Gefühl, selbst etwas bewirken zu können. Seine größte Zuversicht schöpft er aus der Jugend, aus der Umweltbildung an Schulen und aus den vielen Vereinen, Unternehmen und Einzelpersonen, die bereits handeln. Trotz aller Verzweiflung sieht er eine wachsende Mehrheit, die versteht, mitdenkt und etwas verändern möchte.

    Ausgewählte Zitate

    „Ich will, dass meine Kinder eine Zukunft haben.“

    „Mit der Erde geht es schon irgendwie weiter – aber vielleicht ohne Menschheit.“

    „Man muss einfach nur nicht aufhören. Man muss dranbleiben.“

    „Wenn man sich selber spürt, dann hat man schon richtig viel gewonnen.“

    „Du spürst den Planeten, das Wetter, die Temperatur und den Wind – du spürst alles.“

    „Panik bringt keine Veränderung. Wenn man Panik macht, machen die Leute komplett zu.“

    „Man muss den Leuten Hoffnung geben. Man muss ihnen eine positive Zukunft vor Augen halten.“

    „Mein Leben ist schöner, wenn ich so lebe.“

    Was mir Hoffnung macht

    „Mir macht Hoffnung, dass die Jugend umdenkt und dass Schulen, Vereine, Unternehmen und viele einzelne Menschen bereits handeln. Ich glaube, wir brauchen ein positives Bild der Zukunft – denn aus Hoffnung kann Handlung entstehen.“

  • Gwenaëlle — Frankreich

    Gwenaëlle — Frankreich

    Gwenaëlle (46) – lebt seit zwölf Jahren auf Korsika und hat einen Hintergrund in ökologischer Renaturierung. Die Natur ist für sie Arbeitsfeld, Quelle der Freude und ein Ort der Sicherheit. Das Draußensein erinnert sie an eine Kindheit, in der das Spielen im Freien Sicherheit gab.

    „Jeden Sommer sagen wir, es sei der schlimmste, trockenste und heißeste gewesen. Und jeden Sommer wird es mehr.“

    Während ihres Studiums begegnete ihr der Klimawandel als Bedrohung der Biodiversität und des Menschen als Teil der Natur. Zunächst schien die Gefahr weit entfernt. Sie sorgte sich um Menschen auf kleinen pazifischen Inseln, aber noch nicht um sich selbst. Heute machen die immer heißeren und trockeneren Sommer auf Korsika die Veränderungen unmittelbar spürbar. Als Wissenschaftlerin blieb sie mit eindeutigen Zuordnungen vorsichtig; das wiederkehrende Muster lässt sich kaum übersehen.

    „Ich glaube fest an das Leben, nicht an Technologie.“

    Bilder von Stürmen, Überschwemmungen und Schlammlawinen begleiten sie. Besonders erinnert sie sich an ein Mädchen, das bei einer Katastrophe in Südamerika im Schlamm feststeckte und starb, während die Welt zusah. Ob das Ereignis mit dem Klimawandel zusammenhing, weiß sie nicht. Dennoch kehrt das Bild bei extremem Wetter zurück. Es steht für Hilflosigkeit: zu wissen, was geschehen wird, und nicht eingreifen zu können. Das Leben selbst ist für Gwenaëlle trotzdem nicht hoffnungslos. Menschen können einander schützen, während das Leben mit oder ohne uns einen Weg finden wird.

    „Leben und Liebe sind dasselbe.“

    Über die Krise spricht sie leichter mit Freunden und jüngeren Menschen als mit Angehörigen, die sie leugnen. Ihre Mutter schützt sich ihrer Vermutung nach vor Schuldgefühlen, die der Boomer-Generation zugeschrieben werden. Unter Freunden hilft Humor: Das regenreiche Westfrankreich könne in zwanzig Jahren zur französischen Riviera werden.

    Gwenaëlle ist sich ihres Privilegs bewusst. Als weiße Frau in einem wohlhabenden Land erwartet sie, weniger gefährdet zu sein als Menschen mit geringeren Mitteln. Weniger Fleisch und Waren von weit her zu kaufen, Rad zu fahren und Flüge zu vermeiden, erscheint ihr als winziger Beitrag. Vielleicht verringert er eher ihr Schuldgefühl, als die Krise zu verändern. Zugleich bereitet ihr diese Lebensweise Freude.

    Bei der Kartenwahl stand „bald“ dafür, wie schnell sich die Bedingungen verschärfen könnten. „Beängstigend“ spiegelte ihre Sorge vor dem Zusammenbruch der Biodiversität, der ihr noch mehr Angst macht als der Klimawandel. Die Karte mit einer Katze und einem Herzen öffnete eine andere Richtung: Gwenaëlle vertraut stärker auf das Leben als auf Technologie. Leben und Liebe gehören für sie zusammen; Liebe könne zwischen Menschen und durch alles Lebendige einen Weg finden. Dieses Vertrauen besteht neben Angst und Unsicherheit.

    Hoffnung: „Hoffnung geben mir die Menschen. Ich glaube, dass sich immer mehr von uns engagieren werden – und dass eine neue Generation Veränderungen mitgestalten wird.“