Hoffnung geben mir die Menschen. Ich glaube, dass sich immer mehr von uns engagieren werden – und dass eine neue Generation Veränderungen mitgestalten wird.

Gwenaëlle

Daniel

Frankreich

Gwenaëlle (46) – lebt seit zwölf Jahren auf Korsika und hat einen Hintergrund in ökologischer Renaturierung. Die Natur ist für sie Arbeitsfeld, Quelle der Freude und ein Ort der Sicherheit. Das Draußensein erinnert sie an eine Kindheit, in der das Spielen im Freien Sicherheit gab.

„Jeden Sommer sagen wir, es sei der schlimmste, trockenste und heißeste gewesen. Und jeden Sommer wird es mehr.“

Während ihres Studiums begegnete ihr der Klimawandel als Bedrohung der Biodiversität und des Menschen als Teil der Natur. Zunächst schien die Gefahr weit entfernt. Sie sorgte sich um Menschen auf kleinen pazifischen Inseln, aber noch nicht um sich selbst. Heute machen die immer heißeren und trockeneren Sommer auf Korsika die Veränderungen unmittelbar spürbar. Als Wissenschaftlerin blieb sie mit eindeutigen Zuordnungen vorsichtig; das wiederkehrende Muster lässt sich kaum übersehen.

„Ich glaube fest an das Leben, nicht an Technologie.“

Bilder von Stürmen, Überschwemmungen und Schlammlawinen begleiten sie. Besonders erinnert sie sich an ein Mädchen, das bei einer Katastrophe in Südamerika im Schlamm feststeckte und starb, während die Welt zusah. Ob das Ereignis mit dem Klimawandel zusammenhing, weiß sie nicht. Dennoch kehrt das Bild bei extremem Wetter zurück. Es steht für Hilflosigkeit: zu wissen, was geschehen wird, und nicht eingreifen zu können. Das Leben selbst ist für Gwenaëlle trotzdem nicht hoffnungslos. Menschen können einander schützen, während das Leben mit oder ohne uns einen Weg finden wird.

„Leben und Liebe sind dasselbe.“

Über die Krise spricht sie leichter mit Freunden und jüngeren Menschen als mit Angehörigen, die sie leugnen. Ihre Mutter schützt sich ihrer Vermutung nach vor Schuldgefühlen, die der Boomer-Generation zugeschrieben werden. Unter Freunden hilft Humor: Das regenreiche Westfrankreich könne in zwanzig Jahren zur französischen Riviera werden.

Gwenaëlle ist sich ihres Privilegs bewusst. Als weiße Frau in einem wohlhabenden Land erwartet sie, weniger gefährdet zu sein als Menschen mit geringeren Mitteln. Weniger Fleisch und Waren von weit her zu kaufen, Rad zu fahren und Flüge zu vermeiden, erscheint ihr als winziger Beitrag. Vielleicht verringert er eher ihr Schuldgefühl, als die Krise zu verändern. Zugleich bereitet ihr diese Lebensweise Freude.

Bei der Kartenwahl stand „bald“ dafür, wie schnell sich die Bedingungen verschärfen könnten. „Beängstigend“ spiegelte ihre Sorge vor dem Zusammenbruch der Biodiversität, der ihr noch mehr Angst macht als der Klimawandel. Die Karte mit einer Katze und einem Herzen öffnete eine andere Richtung: Gwenaëlle vertraut stärker auf das Leben als auf Technologie. Leben und Liebe gehören für sie zusammen; Liebe könne zwischen Menschen und durch alles Lebendige einen Weg finden. Dieses Vertrauen besteht neben Angst und Unsicherheit.

Hoffnung: „Hoffnung geben mir die Menschen. Ich glaube, dass sich immer mehr von uns engagieren werden – und dass eine neue Generation Veränderungen mitgestalten wird.“