Tag: Angst

  • Emilio — Österreich

    Emilio — Österreich

    Emilio Kadet (26) –

    Emilios erstes spontanes Gefühl zur Klimakrise ist Hoffnung. Gleichzeitig entstehen Angst, Frustration, Ohnmacht, Verzweiflung und Traurigkeit, sobald er das größere Ganze betrachtet. Seine Hoffnung beruht auf der Überzeugung, dass vielen Menschen das Klima wichtig ist und daraus bereits eine starke Bewegung entstanden ist. Alltägliche Veränderungen – mehr Menschen, die mit dem Fahrrad oder dem Zug fahren – zeigen ihm, dass ein Wandel stattfindet. Er hofft außerdem, dass klimafreundliche Entscheidungen zunehmend auch wirtschaftlich attraktiver werden und die gesellschaftliche Debatte dadurch weniger verhärtet geführt wird.

    Der unaufhörliche Informationsfluss kann Emilio dennoch überfordern. Er bezeichnet sich als „Bubble Surfer“ und versucht, unterschiedliche Seiten der Berichterstattung wahrzunehmen, besonders beim Blick auf die USA. Meldungen, in denen die Klimakrise abgetan oder jegliches Handeln dagegen abgelehnt wird, empfindet er jedoch als frustrierend. Er nimmt die Nachrichten auf und versucht anschließend, sie wieder ein Stück weit wegzuschieben. Beschäftigt er sich zu intensiv mit dem Weltgeschehen, fühlt er sich ohnmächtig, verzweifelt und traurig. Apokalyptische Zukunftsbilder können ihm den Sinn nehmen und seine Handlungsfähigkeit schwächen. Deshalb ist es für ihn wichtig, mit der Gegenwart verbunden zu bleiben: Die Angst vor der Zukunft soll weder zur Resignation noch zur Gleichgültigkeit führen.

    Die Gefühlskarten spiegeln die Spannung zwischen der Zufriedenheit mit dem eigenen Handeln und der empfundenen Dringlichkeit wider. Mit der Karte „Ich mach’s“ erkennt Emilio an, dass er bereits versucht, seinen Beitrag zu leisten. In seinem persönlichen Leben und seinem unmittelbaren Umfeld ist er weitgehend zufrieden damit, wie er in Bezug auf die Umwelt handelt – auch wenn es immer noch besser gehen könnte.

    Sobald er über den eigenen Wirkungskreis hinausblickt, beginnt diese Zufriedenheit zu schwinden. Das persönliche Handeln erscheint plötzlich unzureichend, und Emilio fragt sich, ob er sich auch beruflich oder politisch stärker engagieren sollte. Er spürt deutlich, dass etwas geschehen muss, weiß aber noch nicht, welche Form sein eigener Beitrag annehmen könnte. Die Karte „Mehr“ steht dabei sowohl für Ungeduld als auch für Möglichkeiten: Es müsste viel mehr passieren, zugleich kann aber auch noch viel mehr entstehen. Dieser Gedanke gibt ihm Energie und lässt ihn eher Antrieb als Erstarrung spüren.

    Das Gespräch öffnet für Emilio neue gedankliche Türen. Er geht mit einem guten Gefühl und mit Neugier daraus hervor – und mit der Bereitschaft, weiter darüber nachzudenken, wo dieses „Mehr“ liegen könnte. Hoffnung wird für ihn vor allem dann greifbar, wenn er konkrete Veränderungen im Hier und Jetzt beobachten kann.

    Zitate

    „Hoffnung. Zumindest das, was mir am meisten Kraft gibt.“

    „Es kommt hinein, aber ich will mich eigentlich nicht zu viel mit dem ganzen Weltgeschehen beschäftigen, weil es zu viel ist.“

    „Ich möchte noch handeln können.“

    „Da geht noch mehr. Nicht sitzenbleiben und nicht stehenbleiben. Also nicht ausrasten und nicht erstarren.“

    Hoffnung

    „Mir macht Hoffnung, wenn ich sehe, dass Dinge umgesetzt werden – politisch oder auch privat –, die der Umwelt helfen. Wenn ein neuer Radlweg entsteht oder Zugnetze und Straßenbahnnetze ausgebaut werden, dann kriege ich Hoffnung, dass da im Hier und Jetzt was gemacht wird.“

  • Kerstin — Österreich

    Kerstin — Österreich

    Kerstin Klocker (26) – Zwischen Wut, Ohnmacht und Hoffnung für ihre Tochter

    Wenn Kerstin intensiv über die Klimakrise nachdenkt, empfindet sie Trauer – und noch stärker Wut auf die Menschheit. Die Veränderungen nimmt sie unmittelbar in Innsbruck wahr, das sie als Betonstadt zwischen den Alpen beschreibt. Besonders während der zunehmend heißen Sommer kann sie nicht verstehen, weshalb weiter gebaut und Boden versiegelt wird, obwohl seit Jahren über die Folgen gesprochen wird.

    Mit ihrer Wut verbindet sich ein starkes Gefühl der Ohnmacht. Kerstin versucht, bewusst und ressourcenschonend zu leben und ihren Müll zu trennen. Gleichzeitig erlebt sie, dass es vielen Menschen in ihrem Umfeld gleichgültig zu sein scheint. Die Ohnmacht spürt sie körperlich als schweren Kloß im Bauch. Jonglieren und Radfahren helfen ihr dabei, ruhiger und entspannter zu werden und zeitweise Abstand von den belastenden Gedanken zu gewinnen.

    Seit Kerstin Mutter ist, haben ihre Trauer und ihre Ängste eine zusätzliche Dimension bekommen. Sie wünscht sich, dass ihre Tochter noch Winter, Schnee und eine schöne Natur erleben kann, so wie sie selbst es erlebt hat. Deshalb versucht sie, ihr früh zu vermitteln, sorgsam mit der Umwelt umzugehen – etwa Müll zu trennen, beim Essen bewusste Entscheidungen zu treffen und weniger mit dem Auto zu fahren. Besonders schmerzhaft ist für Kerstin die Vorstellung, dass auch der Wald verschwinden könnte, denn gerade dort sucht sie Zuflucht, wenn sie traurig ist.

    Es ist ihr wichtig, über Klimagefühle zu sprechen. Neben Krieg, Inflation und anderen Krisen scheint der Klimawandel für sie beinahe in den Hintergrund gerückt zu sein. Er werde zwar erwähnt, doch die Gefühle der Menschen würden kaum thematisiert. Wenn sichtbarer würde, wie es ihnen mit der Klimakrise tatsächlich geht, könnte das Thema wieder stärker ins Bewusstsein rücken und Menschen dazu bewegen, ihr eigenes Verhalten zu verändern.

    Trotz ihrer Angst, dass die bisherigen Anstrengungen nicht ausreichen, erkennt Kerstin auch ihren eigenen Handlungsspielraum. Sie kann ihr Umfeld nicht vollständig verändern, aber bei sich selbst beginnen. Hoffnung findet sie in ihrer Tochter und in der jüngeren Generation: Kinder seien für viele Themen offen, wüchsen teilweise bereits anders auf und zeigten, dass sich schon bei den Jüngsten viel bewegen lässt.

    Zitate

    „Wenn ich viel darüber nachdenke, werde ich traurig. Und wenn ich noch mehr darüber nachdenke, werde ich wütend auf die Menschheit.“

    „Man fühlt sich sehr machtlos. Man kann einen kleinen Beitrag leisten, aber es sind viele Menschen drumherum, denen es wurscht ist.“

    „Ich hätte gerne, dass meine Tochter auch noch den Winter, den Schnee und eine schöne Natur erleben kann.“

    „Ich kann mein Umfeld nicht ändern, aber ich kann mich selber ändern. Das habe ich in der Hand.“

    Hoffnung

    „Hoffnung macht mir meine Tochter. Ich finde, bei ganz Kleinen kann man schon ganz große Sachen bewegen.“

  • Alice — Österreich

    Alice — Österreich

    Alice Klocker (8) – Österreich

    Alice versteht unter Klimawandel, dass sich die Temperaturen durch den Einfluss der Menschen verändern. Für sie ist vor allem wichtig, dass die Welt nicht zu heiß wird. Sie beschreibt das in anschaulichen, kindlichen Bildern: Wenn die Hitze zu stark zunimmt, könnte die Welt „verbrutzeln“ – und mit ihr auch die Menschen.

    Warm zu sein, ist für Alice allerdings nicht grundsätzlich schlecht. Sie mag es, wenn es heiß genug ist, um Eis zu essen, schwimmen zu gehen und draußen zu sein. Unangenehm wird es für sie, wenn die Hitze so groß ist, dass Bewegung und Spielen nicht mehr möglich sind. Dann fühlt es sich an, als würde man schmelzen. Man wird träge, kann nur noch herumliegen und nichts mehr unternehmen. Sehr kalt soll es ebenfalls nicht werden. Ihre ideale Temperatur liegt in der Mitte, allerdings etwas mehr auf der warmen Seite.

    Alice fällt es schwer, dem Klimawandel bestimmte Gefühle zuzuordnen. Bei der Auswahl der Gefühlskarten sagt sie mehrmals, dass sie nicht weiß, welche Karte passt, und am liebsten nur fröhliche Karten nehmen würde. Gleichzeitig fragt sie sich, ob eine fröhliche Karte bedeuten würde, dass sie froh über den Klimawandel sei. Daran zeigt sich, wie schwierig und widersprüchlich die Aufgabe für sie ist. Sie weiß, was Klimawandel bedeutet, und bekommt durch ihre Familie einiges darüber mit. Intensiver beschäftigen möchte sie sich damit jedoch nicht.

    Besonders passend findet Alice die Karte mit dem Satz: „Ich will doch nur spielen.“ Diesen Wunsch verbindet sie unmittelbar mit ihrem Alltag. Wenn es draußen viel zu heiß oder zu kalt ist, können Kinder nicht mehr richtig spielen. Alice wäre lieber draußen, würde sich bewegen und Spaß haben, als über den Klimawandel nachzudenken. Ein gutes Klima bedeutet für sie, dass alltägliche Dinge weiterhin möglich bleiben: spielen, herumlaufen, schwimmen und Eis essen.

    Eine konkrete Quelle der Hoffnung nennt Alice nicht. Ihr zentraler Wunsch ist, dass die Temperaturen nicht extrem werden und sie weiterhin unbeschwert spielen und draußen sein kann.

    Ausgewählte Zitate

    „Das ist so, wenn sich die Temperaturen wegen uns verändern.“

    „Es sollte nicht zu heiß werden, weil sonst die Welt verbrutzelt.“

    „Ich will aus dem Klimawandel raus.“

    „Ich will mich doch einfach nicht damit beschäftigen.“

    „Ich will doch nur spielen.“

  • Sabine — Österreich

    Sabine — Österreich

    Sabine verbindet die Klimakrise vor allem mit Traurigkeit und Wut. Sie kann nicht nachvollziehen, warum viele Menschen weiterhin zuschauen, die Veränderungen leugnen oder das Thema verdrängen, anstatt aktiv zu werden. Wenn sie über die Entwicklungen und die Nachrichten nachdenkt, spürt sie die Belastung auch körperlich – als Unwohlsein im Bauch. Neben Wut und Traurigkeit erlebt sie Angst und ein Gefühl der Ohnmacht angesichts des hohen Tempos, mit dem die Klimakrise voranschreitet.

    Diese Gefühle führen bei Sabine jedoch nicht zum Rückzug. Sie versucht, ihnen durch konkretes Handeln zu begegnen. In ihrer Arbeit greift sie das Thema mit Kindern und Jugendlichen in der Schule auf und ermutigt sie, eigene Handlungsmöglichkeiten zu erkennen und aktiv zu werden. Auch in ihrem Alltag und ihrem persönlichen Umfeld möchte sie ihren Beitrag leisten. Besonders ärgert sie die verbreitete Haltung, als einzelne Person zu klein oder unbedeutend zu sein. Für sie kommt es auf jede und jeden an – Veränderung entsteht auch durch viele einzelne Entscheidungen und Handlungen.

    Gleichzeitig beschäftigt Sabine die Frage, was die heutige Generation ihren Kindern und den kommenden Generationen hinterlässt. Sie befürchtet, dass sich bereits angestoßene Entwicklungen kaum noch aufhalten lassen, wenn die Menschen nicht bald einsichtiger werden und ihr Verhalten verändern. Diese Vorstellung verstärkt ihre Angst und Ohnmacht.

    Hoffnung findet Sabine vor allem bei jungen Menschen. In ihrer Arbeit erlebt sie, dass Kinder und Jugendliche durchaus wahrnehmen, was geschieht, und erkennen, was sie selbst im Kleinen tun können. Sie sieht in der nächsten Generation Menschen, die notwendige Veränderungen verstehen, diese einfordern und mutig Schritte in die Zukunft setzen. Dieses Bild hilft ihr, der Ohnmacht etwas entgegenzustellen und weiterzumachen.

    Zitate

    „Viel Traurigkeit und Wut, weil ich nicht verstehe, dass Menschen immer nur zuschauen und nicht endlich aktiv werden.“

    „Ich würde sagen, es ist im Bauch einfach so ein Unwohlsein.“

    „Ihr müsst verstehen, dass es auf jede und jeden ankommt.“

    „Jeder hat es in der Hand, unsere Welt zu verändern. Jeder kann etwas leisten.“

    Hoffnung

    „Ich habe das Gefühl, dass es in der nächsten Generation einige Menschen gibt, die verstehen, was wir tun können, und das einfordern.“

  • Jule — Deutschland

    Jule — Deutschland

    Jule ist Mutter von zwei Kindern, wird bald heiraten und arbeitet als pädagogische Leitung in einem Gehörlosenverband. Sie reist gerne und macht Yoga, auch wenn ihr Familienalltag momentan nur wenig Zeit für ihre vielen Interessen lässt.

    Der Klimawandel ist für Jule schwer zu greifen. Am deutlichsten begegnet er ihr in alltäglichen Entscheidungen und den Diskussionen darüber. Ein Beispiel ist das Fliegen: Ihr sind die Auswirkungen bewusst, doch eine Zugreise ist häufig erheblich teurer – besonders für eine Familie. Dadurch gerät sie zwischen persönliche Wünsche, finanzielle Möglichkeiten und ein wachsendes schlechtes Gewissen. Dass die klimafreundlichere Möglichkeit oft die weniger leistbare ist, empfindet sie als falsch.

    Man hat schon ein schlechtes Gewissen mittlerweile.

    Unmittelbarer nimmt sie die Veränderungen durch das Verschwinden der Winter wahr, die sie aus ihrer Kindheit kennt. In Rosenheim spielte sie in großen Schneebergen und baute Iglus. Heute rieselt es manchmal nur noch ein wenig. Das prägt auch die Diskussionen in ihrer Familie über Skifahren und künstliche Beschneiung. Jule versteht die Kritik, doch das Skifahren gehört für sie zu ihrer Kindheit und zu der Region, in der sie aufgewachsen ist. Sie möchte, dass ihre Kinder es lernen, solange es noch möglich ist, und eigene Erinnerungen daran entwickeln können.

    Obwohl ihr die Zukunft Sorgen bereitet, möchte Jule nicht, dass diese Unsicherheit bereits die Gegenwart ihrer Kinder bestimmt. Sie werden sich zwangsläufig auf veränderte Bedingungen einstellen müssen. Die Angst davor soll sie jedoch nicht daran hindern, jetzt eine schöne Kindheit zu erleben.

    Die ständige Flut negativer Nachrichten macht Jule wütend und frustriert sie – besonders wenn ihr politische Entscheidungen unlogisch erscheinen und die eigenen Einflussmöglichkeiten begrenzt wirken. Deshalb schränkt sie ihren Medienkonsum bewusst ein und informiert sich gezielt. Ihre knappe Zeit und Energie investiert sie lieber in ihre Kinder und in ein stabiles Familienleben.

    Ihre Karten spiegeln diese Spannung wider. „Ups“ steht für Momente, in denen ihr plötzlich die Klimawirkung von etwas bewusst wird, das sie gerne tut. „Gruselig“ sind die möglichen Entwicklungen, besonders mit Blick auf ihre Kinder und spätere Generationen. Mit „nicht so schlimm“ versucht sie zugleich darauf zu vertrauen, dass Menschen umdenken und andere Wege finden werden.

    Mir geht es darum, dass meine Kinder eine schöne Kindheit haben – jetzt und nicht erst in zehn Jahren.

    Hoffnung macht mir, dass man sich ein Umfeld aufbaut, in dem es einem gut geht, egal was passiert – mit seinen Menschen, seiner Familie. In einem Wort: Liebe.

    Was macht mir Hoffnung?

    🇩🇪 Germany’s Greenhouse Gas Emissions

    Population 84.55 Million, Europe.

    Key Messages

    • Emissions: Germany emitted around 669 megatonnes CO2e in 2024, about 1.17% of the global total.
    • Per person: Emissions were around 7.9 tonnes per person per year in 2024, rated very high on a scale where any level above zero adds warming.
    • Trend: Germany’s emissions fell by around 30 megatonnes CO2e a year, or 3.69% yearly, over the ten years to 2024-slower than the 4% yearly global decline needed for Net Zero in 2050 and around 1.7 °C warming.
    • What drives it: CO2 makes up 85% of Germany’s emissions, methane 8.3%, nitrous oxide 4.8% and F-gases 1.5%.
    • Historic responsibility: Since 1851, Germany’s emissions have produced around 112,000 megatonnes CO2e of warming impact, about 2.87% of the global total, averaging around 10.1 tonnes per person per year-rated extremely high.
  • Anton — Deutschland

    Anton — Deutschland

    Anton ist Architekt und vor Kurzem nach Landshut gezogen. Für ihn ist „Klimakrise“ der treffendere Begriff. Emotional verbindet er damit vor allem Angst, Anspannung und ungute Gefühle. Diese sind nicht ständig präsent, kehren jedoch immer wieder zurück, besonders wenn Berichte über mögliche zukünftige Entwicklungen zu nahe an ihn herankommen. Um Abstand zu gewinnen, hat Anton seinen Medienkonsum bewusst reduziert. Er versucht, körperlich und mental fit zu bleiben, auf sich Acht zu geben und die Krise nicht so nah an sich heranzulassen, dass sie ihn zu sehr herunterzieht.

    Gleichzeitig haben klimabewusstere Entscheidungen auch positive Erfahrungen in seinen Alltag gebracht. Anton hat das Reisen mit der Bahn für sich entdeckt, insbesondere Nachtzüge, aber auch Bikepacking. Dabei erlebt er diese Möglichkeiten nicht nur als Ersatz für Flugreisen, sondern als eigenständige und bereichernde Formen des Reisens. Auch in seinem Berufsfeld nimmt er wahr, dass neue Ansätze erforscht werden und Fortschritte entstehen. Solche Entwicklungen können kurzzeitig Optimismus auslösen: das Gefühl, dass Veränderung doch möglich ist.

    Die ausgewählten Karten spiegeln ein Spannungsfeld zwischen Angst, Resignation und Zuversicht wider. Anton wählt zunächst ein zitterndes, verängstigtes Gesicht, weil ihn das, was auf die Menschen zukommen könnte, gruselt. Er verbindet damit Anspannung und die beunruhigenden Dinge, die er liest und hört. Eine zweite Karte steht für eine eher hinnehmende Haltung: Manchmal bleibt nur der Gedanke, dass es nun einmal so ist und man irgendwie hindurchmuss. Die letzte, bejahende Karte verkörpert dagegen jenen Optimismus, der entsteht, wenn Anton positive Nachrichten wahrnimmt, nachhaltige Reiseformen erlebt oder Innovationen in der Architektur sieht.

    Dieser Optimismus gerät jedoch leicht aus dem Blick. Für Anton überwiegt insgesamt der Eindruck negativer Entwicklungen, auch weil verständlicherweise häufiger über Bedrohungen und Krisen berichtet wird. Seine Hoffnung beruht weniger auf einer schnellen Lösung als auf einer langfristigen Betrachtung der Menschheitsgeschichte. Er vertraut darauf, dass Menschen aus großen Krisen immer wieder gelernt haben – auch wenn der Weg dadurch zunächst sehr schwer sein kann.

    Zitate

    Ich verbinde mit der Klimakrise Angst und eher ungute Gefühle.

    Ich versuche, nicht mehr ganz so viele Medien zu konsumieren wie früher, um ein bisschen Abstand zu gewinnen.

    Ich habe die Zugreisen total für mich entdeckt – zum Beispiel Nachtzüge oder Bikepacking, die ganz andere Formen des Reisens ermöglichen.“

    Manchmal merkt man, dass in der Architektur neue Sachen erforscht werden oder es Fortschritte in verschiedenen Bereichen gibt. Dann hat man das Gefühl: Ja, geht doch.

    Hoffnung

    Mir macht Hoffnung, dass der Mensch aus großen Krisen immer wieder gelernt hat und es langfristig meistens bergauf geht – auch wenn es mittelfristig oft scheiße ist.

    Mir macht Hoffnung, dass der Mensch aus großen Krisen immer wieder gelernt hat und es langfristig meistens bergauf geht – auch wenn es mittelfristig oft scheiße ist.

    Das macht mir Hoffnung

    🇩🇪 Germany’s Greenhouse Gas Emissions

    Population 84.55 Million, Europe.

    Key Messages

    • Emissions: Germany emitted around 669 megatonnes CO2e in 2024, about 1.17% of the global total.
    • Per person: Emissions were around 7.9 tonnes per person per year in 2024, rated very high on a scale where any level above zero adds warming.
    • Trend: Germany’s emissions fell by around 30 megatonnes CO2e a year, or 3.69% yearly, over the ten years to 2024-slower than the 4% yearly global decline needed for Net Zero in 2050 and around 1.7 °C warming.
    • What drives it: CO2 makes up 85% of Germany’s emissions, methane 8.3%, nitrous oxide 4.8% and F-gases 1.5%.
    • Historic responsibility: Since 1851, Germany’s emissions have produced around 112,000 megatonnes CO2e of warming impact, about 2.87% of the global total, averaging around 10.1 tonnes per person per year-rated extremely high.
  • Adelá — Tschechien

    Adelá — Tschechien

    Adelá studiert im Master NGOs und Zivilgesellschaft in Prag und hat zuvor Internationale Beziehungen und Journalismus studiert. Der Klimawandel wirkt auf sie beängstigend, wurde für sie jedoch erst zu einem unmittelbareren Thema, als ihre Schwester vegan wurde und mit ihr über die ökologischen Folgen der Fleisch- und Milchindustrie sprach. Seitdem beschäftigt sie sich bewusster mit Konsum, Ernährung und den politischen Entscheidungen rund um die Klimakrise.

    Ihre Sorge wird durch die politische Situation in Tschechien verstärkt. Sie findet es frustrierend, dass Parteien, die Umweltmaßnahmen ablehnen, auch von jungen Menschen gewählt werden. Zugleich kann sich eine Stimme für jene Partei, die ihre Werte am besten vertritt, wegen deren geringer Zustimmung wirkungslos anfühlen. Wirtschaftlicher Druck, Kriege und steigende Lebensmittelpreise verleiten viele Menschen dazu, die Vergangenheit zu idealisieren und Veränderungen abzulehnen. Der Klimawandel wird bestritten, obwohl Adelá seine Auswirkungen wahrnimmt: In ihrem Heimatdorf gehörten Snowboarden und Eislaufen auf dem Fluss früher selbstverständlich zum Winter; heute fehlt häufig selbst natürlicher Schnee.

    Der Klimawandel ist für uns alle irgendwie beängstigend.

    Vielleicht sind es die Menschen, mit denen ich mich umgebe – sie sind sich sehr bewusst, was sie tun und welche Auswirkungen ihr Handeln hat. Vielleicht könnte unsere Generation die Hoffnung sein.

    Was macht dir Hoffnung?

    Beim Blick in die Zukunft empfindet Adelá Angst, bleibt aber grundsätzlich optimistisch. Sie hofft, dass die Menschen die Krise anerkennen und die Bemühungen der Europäischen Union unterstützen werden. Gleichzeitig nimmt sie wachsenden Widerstand und eine zunehmend östlich orientierte politische Stimmung in Tschechien wahr.

    Die Karten spiegeln diese emotionale Spannung. Ein positives Bild verbindet sie mit Prags Secondhandläden und Märkten. Eine weitere Karte steht dafür, dass umweltbewusste Menschen häufig als verrückt oder heuchlerisch abgewertet werden, sobald sie nicht vollkommen konsequent handeln. Die letzte Karte verkörpert Verwirrung und schwankende Hoffnung: Politische Rückschritte entmutigen sie, dennoch könnte sich die Entwicklung wieder zum Positiven wenden.

    Manchmal denken Menschen, sie müssten alles zu hundert Prozent richtig machen. Aber das können wir nicht alle.

    Im Alltag meidet Adelá Fast Fashion wie Shein, kauft möglichst gebraucht, sammelt Müll in der Natur auf und achtet auf die Folgen ihres Handelns. Als Studentin kann sie sich lokale Lebensmittel jedoch nicht immer leisten. Sie lehnt den Anspruch vollkommener Konsequenz ab und hält auch realistische Teilschritte für wertvoll. Bewusste Gespräche über Klimagefühle – besonders in Schulen – könnten Menschen zum Innehalten und Nachdenken bringen, ohne die gesellschaftlichen Gräben durch Wut weiter zu vertiefen.

  • Maksym — Tschechien

    Maksym — Tschechien

    Maksym Kintor (20) – Tschechische Republik

    Maksym reagiert auf den Gedanken an den Klimawandel zunächst mit Angst. Er verbindet ihn vor allem mit negativen Entwicklungen und der Möglichkeit, dass seine Folgen das Leben der Menschen eines Tages massiv beeinträchtigen werden. Dabei denkt er an schmelzendes Eis, knapper werdende Ressourcen, steigende Preise und sogar an Überschwemmungen. Obwohl er nicht genau weiß, was die Zukunft bringen wird, ist er davon überzeugt, dass der Klimawandel real ist und sich die Situation verschlechtert.

    Etwa mit sechzehn begann er, sich bewusster mit dem Thema auseinanderzusetzen. In dieser Zeit dachte er auch intensiver über die Gesellschaft, seine Beziehungen zu anderen Menschen und seinen eigenen Platz in der Welt nach. Ihm wurde klar, dass persönliche Handlungen eine Bedeutung haben und er mit den ihm zur Verfügung stehenden Möglichkeiten etwas beitragen möchte. Er begann, Plastik, Papier und Glas zu trennen, und versucht heute, beim Einkaufen unnötige Verpackungen zu vermeiden. Wie viel diese Handlungen tatsächlich bewirken, kann er nicht einschätzen. Dennoch ist es ihm wichtig, sich zu beteiligen und seinen eigenen Beitrag zu leisten.

    Damit verbunden ist eine zunehmende Unabhängigkeit von den Meinungen anderer. Maksym ist stolz darauf, nach seinen eigenen Überzeugungen zu handeln, selbst wenn Menschen in seinem Umfeld anderer Ansicht sind. Sein Vater sieht beispielsweise keinen Sinn in der Mülltrennung und argumentiert, der Abfall lande am Ende ohnehin am selben Ort. Maksym hält trotzdem daran fest, weil er glaubt, dass es helfen könnte. Gleichzeitig kann ihn das Ausmaß der Krise verängstigen: Milliarden von Menschen stehen einem einzelnen Menschen gegenüber, der nicht alles verändern kann.

    Arbeit, Sport, Treffen mit Freunden und Familie sowie andere alltägliche Verpflichtungen richten seine Aufmerksamkeit meist auf das unmittelbar vor ihm Liegende. Dadurch denkt er nicht ständig über globale Probleme nach und schützt sich davor, zu tief in Angst oder Verzweiflung zu geraten. Mit nahestehenden Menschen spricht er kaum über den Klimawandel. Da er in einem eher konservativen Umfeld aufgewachsen ist, in dem Menschen ihre Meinungen und Gefühle häufig für sich behalten, hat auch er sich daran gewöhnt, solche Gedanken nicht auszusprechen.

    Die ausgewählten Gefühlskarten spiegelten diese innere Spannung wider. „Ich bin stolz“ stand für seine Entscheidung, den eigenen Überzeugungen zu folgen. Eine weitere Karte drückte sein Bedürfnis aus, angesichts der unkontrollierbaren Entwicklungen nicht depressiv zu werden. „Ich war es nicht“ verwies auf die beruhigende Gewissheit, zumindest selbst zu versuchen, den eigenen Anteil am Problem zu verringern. Andere Menschen direkt mit ihrem Verhalten zu konfrontieren, vermeidet Maksym aus Angst vor aggressiven Reaktionen; als Aktivisten betrachtet er sich nicht. Das offene Gespräch während des Interviews ließ ihn dennoch leichter, positiver und weniger belastet zurück. Mehr Offenheit, Gemeinschaft und der Mut, persönliche Meinungen und Gefühle auszudrücken, könnten aus seiner Sicht dabei helfen, der Krise gemeinsam zu begegnen.

    Zitate

    „Alles, was ich tue, ist von Bedeutung. Deshalb möchte ich die Dinge besser machen und etwas Positives bewirken.“

    „Ich glaube, dass es helfen kann, wenn ich den Müll trenne.“

    „Ich bin stolz darauf, diese Haltung entwickelt zu haben: Ich werde tun, was ich für richtig halte.“

    Ich bin stolz darauf, dass ich zu der Überzeugung gelangt bin: Ich werde tun, was ich für richtig halte.

    „Ich habe Angst, laut auszusprechen, was ich wirklich denke.“

    Was mir Hoffnung macht

    „Ich glaube noch immer an die Menschen. Die richtigen Menschen für mein Umfeld auswählen zu können – das gibt mir Hoffnung.“

  • Paul — Polen

    Paul — Polen

    Paul erlebt den Klimawandel weniger als eine plötzliche Erkenntnis denn als etwas, das allmählich Teil seines alltäglichen Bewusstseins geworden ist. Einen bestimmten Moment, in dem ihm die Realität des Klimawandels erstmals bewusst wurde, kann er nicht benennen; seine Sorge entwickelte sich vielmehr organisch. Besonders beunruhigt ihn die gesellschaftliche Richtung. Er beobachtet, wie stark sich Menschen auf Geld, Unternehmen, Konsum und gesellschaftlichen Status konzentrieren, während die möglichen Folgen ihres Handelns zu wenig Beachtung finden. Sein stärkstes Klimagefühl ist Angst – das Gefühl, dass die Entwicklung nicht in die richtige Richtung geht und viele Menschen den Ernst der Lage weiterhin nicht wahrnehmen.

    Ich mache mir Sorgen, dass die Menschen dem Klimawandel keine Aufmerksamkeit schenken.

    Wenn diese Angst aufkommt, versucht Paul meist, sich abzulenken und zu beruhigen. Eine feste Strategie hat er nicht. Werden die Gefühle jedoch zu überwältigend, helfen ihm Atemübungen. Auch Meditation und eine Achtsamkeits-App haben ihn zeitweise unterstützt. Diese Übungen lösen die zugrunde liegende Sorge nicht auf, geben ihm aber eine Möglichkeit, mit belastenden Emotionen umzugehen, ohne vollständig von ihnen eingenommen zu werden.

    Wenn es zu überwältigend wird, versuche ich es mit Atemübungen.

    Was macht mir Hoffnung?

    Die Menschen, denen ich begegne, geben mir Hoffnung, dass wir nicht verloren sind – und dass es vielleicht mit jeder nächsten Generation besser wird.

    Die drei von Paul gewählten Karten – „Let’s go“, „Always me“ und „Everything is fine“ – ergeben für ihn eine chronologische Geschichte. „Always me“ steht für die Erfahrung, schwierige Erlebnisse aus seiner Vergangenheit selbst aufarbeiten zu müssen. Seit zwei oder drei Jahren geht er zur Therapie und stellt sich diesen Erfahrungen, auch wenn diese Arbeit nicht leicht ist. „Everything is fine“ beschreibt den Gegensatz zwischen seinem Auftreten nach außen und den Gefühlen, die er in sich trägt.

    „Let’s go“ steht für Bewegung und die Möglichkeit eines Neuanfangs. Paul überlegt, seine erschöpfende Homeoffice-Arbeit in der IT aufzugeben und in den Betrieb des Partners seiner Mutter einzusteigen. Dort könnte er etwas mitgestalten, auf das er unmittelbar Einfluss hat. Diese berufliche Veränderung verbindet er auch mit Verantwortung für das Klima: Er könnte mitentscheiden, welche Materialien verwendet werden, mit wem das Unternehmen zusammenarbeitet und ob diese Geschäftspartner verantwortungsvoll handeln. Ihm geht es nicht darum, ein Imperium aufzubauen, sondern etwas zu schaffen, das funktioniert, Freude macht und ein stabiles Leben ermöglicht.

    Hoffnung findet Paul vor allem in den Menschen, denen er heute begegnet. Ihre Intelligenz, ihre Werte und ihre Entscheidungen bilden einen Gegenpol zu seinem früheren sozialen Umfeld. Sie zeigen ihm, dass die Menschheit vielleicht noch nicht verloren ist und sich mit jeder neuen Generation etwas zum Besseren verändern kann.

    Ich versuche, zu lächeln, mit anderen Menschen in Ordnung zu sein und nicht zu viele Gefühle zu zeigen. Aber in mir kocht alles.

    🇵🇱 Poland’s Greenhouse Gas Emissions

    Population 38.54 Million, Europe.

    Key Messages

    • Emissions: Poland emitted around 337 megatonnes CO2e in 2024, or 0.59% of the global total.
    • Per person: In 2024, Poland emitted around 8.7 tonnes per person per year, rated very high on a scale where any level above zero adds warming.
    • Trend: Poland’s emissions fell by around 1.1% a year over the ten years to 2024, slower than the 4% yearly decline the world as a whole needs to achieve Net Zero in 2050 and limit warming to around 1.7 °C.
    • What drives it: CO2 made up around 78% of emissions, methane 13%, nitrous oxide 8% and F-gases 1.7%.
    • Historic responsibility: Since 1851, Poland’s emissions have produced around 41,100 megatonnes CO2e of warming impact, 1.05% of the global total, averaging around 8.5 tonnes per person per year and rated very high.
  • Anastasya — Ukraine

    Anastasya — Ukraine

    Anastasya erlebt den Klimawandel als etwas Seltsames, Beunruhigendes und Widersprüchliches. Sie beschreibt sich als „aufgeregt“, doch diese Aufregung ist eng mit Unsicherheit und Machtlosigkeit verbunden: Einerseits glaubt sie, etwas verändern zu können, andererseits empfindet sie diese Veränderung als außerhalb ihrer persönlichen Möglichkeiten. Diese Spannung zwischen eigener Verantwortung und begrenztem Einfluss zieht sich durch ihre Gedanken.

    Zum ersten Mal begegnete ihr das Thema in der Schule, in Texten, die im Englischunterricht verwendet wurden. Es weckte ihr Interesse, und sie begann, selbstständig im Internet nach weiteren Informationen zu suchen. Heute ist der Klimawandel für sie nicht mehr abstrakt. Eines der stärksten Bilder, das vor ihrem inneren Auge erscheint, sind tote Fische. Dieses Bild verbindet sich mit Stress und dem Gefühl, keinen ausreichenden Einfluss auf die Entwicklung zu haben.

    Ich weiß nicht, was mit dieser Welt geschehen wird, und das finde ich unheimlich.

    Die Welt ist so seltsam. Ich glaube, ich kann sie verändern, und zugleich habe ich das Gefühl, dass es nicht in meiner Macht liegt, das zu verändern.

    Auch die veränderten Sommer sind Teil ihres Alltags geworden. In ihrer Kindheit bedeutete der Sommer für sie Ruhe und Sicherheit; sie hatte das Gefühl, dass alles in Ordnung sein würde. Heute hält sie die starke Hitze tagsüber meist im Haus. Sie geht nur früh am Morgen oder am Abend hinaus. Diese Veränderungen wirken sich deutlich auf sie aus – und ihrer Wahrnehmung nach ebenso auf ihre Freund:innen, ihre Eltern und andere Menschen in ihrem Umfeld.

    Der Planet braucht meine Unterstützung.

    Am unmittelbarsten fühlt sie sich mit der Karte „creepy“ verbunden. Sie steht für ihre Angst vor einer unvorhersehbaren Zukunft und dafür, nicht zu wissen, was mit der Welt geschehen wird. Das Gefühl zeigt sich auch körperlich als Kribbeln in ihren Händen. Eine zweite Karte wirft die Frage auf: „Muss ich etwas verändern?“ Darin liegt ihr Bewusstsein, dass der Planet Unterstützung braucht, zugleich aber auch ihre Unsicherheit darüber, was sie selbst tatsächlich bewirken kann.

    Auf die Frage nach Hoffnung nennt Anastasya keine konkrete Hoffnungsquelle. Stattdessen betont sie erneut die Bedeutung des Themas und ihr Gefühl, nicht über genügend Wissen oder Kompetenz zu verfügen, um es in einem globaleren Zusammenhang beurteilen zu können.

    Ich glaube, das Thema ist sehr wichtig. Gleichzeitig habe ich das Gefühl, nicht genügend Kompetenz zu besitzen, um darüber in einem globaleren Zusammenhang nachzudenken.