Tag: Hoffnung

  • Emilio — Österreich

    Emilio — Österreich

    Emilio Kadet (26) –

    Emilios erstes spontanes Gefühl zur Klimakrise ist Hoffnung. Gleichzeitig entstehen Angst, Frustration, Ohnmacht, Verzweiflung und Traurigkeit, sobald er das größere Ganze betrachtet. Seine Hoffnung beruht auf der Überzeugung, dass vielen Menschen das Klima wichtig ist und daraus bereits eine starke Bewegung entstanden ist. Alltägliche Veränderungen – mehr Menschen, die mit dem Fahrrad oder dem Zug fahren – zeigen ihm, dass ein Wandel stattfindet. Er hofft außerdem, dass klimafreundliche Entscheidungen zunehmend auch wirtschaftlich attraktiver werden und die gesellschaftliche Debatte dadurch weniger verhärtet geführt wird.

    Der unaufhörliche Informationsfluss kann Emilio dennoch überfordern. Er bezeichnet sich als „Bubble Surfer“ und versucht, unterschiedliche Seiten der Berichterstattung wahrzunehmen, besonders beim Blick auf die USA. Meldungen, in denen die Klimakrise abgetan oder jegliches Handeln dagegen abgelehnt wird, empfindet er jedoch als frustrierend. Er nimmt die Nachrichten auf und versucht anschließend, sie wieder ein Stück weit wegzuschieben. Beschäftigt er sich zu intensiv mit dem Weltgeschehen, fühlt er sich ohnmächtig, verzweifelt und traurig. Apokalyptische Zukunftsbilder können ihm den Sinn nehmen und seine Handlungsfähigkeit schwächen. Deshalb ist es für ihn wichtig, mit der Gegenwart verbunden zu bleiben: Die Angst vor der Zukunft soll weder zur Resignation noch zur Gleichgültigkeit führen.

    Die Gefühlskarten spiegeln die Spannung zwischen der Zufriedenheit mit dem eigenen Handeln und der empfundenen Dringlichkeit wider. Mit der Karte „Ich mach’s“ erkennt Emilio an, dass er bereits versucht, seinen Beitrag zu leisten. In seinem persönlichen Leben und seinem unmittelbaren Umfeld ist er weitgehend zufrieden damit, wie er in Bezug auf die Umwelt handelt – auch wenn es immer noch besser gehen könnte.

    Sobald er über den eigenen Wirkungskreis hinausblickt, beginnt diese Zufriedenheit zu schwinden. Das persönliche Handeln erscheint plötzlich unzureichend, und Emilio fragt sich, ob er sich auch beruflich oder politisch stärker engagieren sollte. Er spürt deutlich, dass etwas geschehen muss, weiß aber noch nicht, welche Form sein eigener Beitrag annehmen könnte. Die Karte „Mehr“ steht dabei sowohl für Ungeduld als auch für Möglichkeiten: Es müsste viel mehr passieren, zugleich kann aber auch noch viel mehr entstehen. Dieser Gedanke gibt ihm Energie und lässt ihn eher Antrieb als Erstarrung spüren.

    Das Gespräch öffnet für Emilio neue gedankliche Türen. Er geht mit einem guten Gefühl und mit Neugier daraus hervor – und mit der Bereitschaft, weiter darüber nachzudenken, wo dieses „Mehr“ liegen könnte. Hoffnung wird für ihn vor allem dann greifbar, wenn er konkrete Veränderungen im Hier und Jetzt beobachten kann.

    Zitate

    „Hoffnung. Zumindest das, was mir am meisten Kraft gibt.“

    „Es kommt hinein, aber ich will mich eigentlich nicht zu viel mit dem ganzen Weltgeschehen beschäftigen, weil es zu viel ist.“

    „Ich möchte noch handeln können.“

    „Da geht noch mehr. Nicht sitzenbleiben und nicht stehenbleiben. Also nicht ausrasten und nicht erstarren.“

    Hoffnung

    „Mir macht Hoffnung, wenn ich sehe, dass Dinge umgesetzt werden – politisch oder auch privat –, die der Umwelt helfen. Wenn ein neuer Radlweg entsteht oder Zugnetze und Straßenbahnnetze ausgebaut werden, dann kriege ich Hoffnung, dass da im Hier und Jetzt was gemacht wird.“

  • Kerstin — Österreich

    Kerstin — Österreich

    Kerstin Klocker (26) – Zwischen Wut, Ohnmacht und Hoffnung für ihre Tochter

    Wenn Kerstin intensiv über die Klimakrise nachdenkt, empfindet sie Trauer – und noch stärker Wut auf die Menschheit. Die Veränderungen nimmt sie unmittelbar in Innsbruck wahr, das sie als Betonstadt zwischen den Alpen beschreibt. Besonders während der zunehmend heißen Sommer kann sie nicht verstehen, weshalb weiter gebaut und Boden versiegelt wird, obwohl seit Jahren über die Folgen gesprochen wird.

    Mit ihrer Wut verbindet sich ein starkes Gefühl der Ohnmacht. Kerstin versucht, bewusst und ressourcenschonend zu leben und ihren Müll zu trennen. Gleichzeitig erlebt sie, dass es vielen Menschen in ihrem Umfeld gleichgültig zu sein scheint. Die Ohnmacht spürt sie körperlich als schweren Kloß im Bauch. Jonglieren und Radfahren helfen ihr dabei, ruhiger und entspannter zu werden und zeitweise Abstand von den belastenden Gedanken zu gewinnen.

    Seit Kerstin Mutter ist, haben ihre Trauer und ihre Ängste eine zusätzliche Dimension bekommen. Sie wünscht sich, dass ihre Tochter noch Winter, Schnee und eine schöne Natur erleben kann, so wie sie selbst es erlebt hat. Deshalb versucht sie, ihr früh zu vermitteln, sorgsam mit der Umwelt umzugehen – etwa Müll zu trennen, beim Essen bewusste Entscheidungen zu treffen und weniger mit dem Auto zu fahren. Besonders schmerzhaft ist für Kerstin die Vorstellung, dass auch der Wald verschwinden könnte, denn gerade dort sucht sie Zuflucht, wenn sie traurig ist.

    Es ist ihr wichtig, über Klimagefühle zu sprechen. Neben Krieg, Inflation und anderen Krisen scheint der Klimawandel für sie beinahe in den Hintergrund gerückt zu sein. Er werde zwar erwähnt, doch die Gefühle der Menschen würden kaum thematisiert. Wenn sichtbarer würde, wie es ihnen mit der Klimakrise tatsächlich geht, könnte das Thema wieder stärker ins Bewusstsein rücken und Menschen dazu bewegen, ihr eigenes Verhalten zu verändern.

    Trotz ihrer Angst, dass die bisherigen Anstrengungen nicht ausreichen, erkennt Kerstin auch ihren eigenen Handlungsspielraum. Sie kann ihr Umfeld nicht vollständig verändern, aber bei sich selbst beginnen. Hoffnung findet sie in ihrer Tochter und in der jüngeren Generation: Kinder seien für viele Themen offen, wüchsen teilweise bereits anders auf und zeigten, dass sich schon bei den Jüngsten viel bewegen lässt.

    Zitate

    „Wenn ich viel darüber nachdenke, werde ich traurig. Und wenn ich noch mehr darüber nachdenke, werde ich wütend auf die Menschheit.“

    „Man fühlt sich sehr machtlos. Man kann einen kleinen Beitrag leisten, aber es sind viele Menschen drumherum, denen es wurscht ist.“

    „Ich hätte gerne, dass meine Tochter auch noch den Winter, den Schnee und eine schöne Natur erleben kann.“

    „Ich kann mein Umfeld nicht ändern, aber ich kann mich selber ändern. Das habe ich in der Hand.“

    Hoffnung

    „Hoffnung macht mir meine Tochter. Ich finde, bei ganz Kleinen kann man schon ganz große Sachen bewegen.“

  • Alice — Österreich

    Alice — Österreich

    Alice Klocker (8) – Österreich

    Alice versteht unter Klimawandel, dass sich die Temperaturen durch den Einfluss der Menschen verändern. Für sie ist vor allem wichtig, dass die Welt nicht zu heiß wird. Sie beschreibt das in anschaulichen, kindlichen Bildern: Wenn die Hitze zu stark zunimmt, könnte die Welt „verbrutzeln“ – und mit ihr auch die Menschen.

    Warm zu sein, ist für Alice allerdings nicht grundsätzlich schlecht. Sie mag es, wenn es heiß genug ist, um Eis zu essen, schwimmen zu gehen und draußen zu sein. Unangenehm wird es für sie, wenn die Hitze so groß ist, dass Bewegung und Spielen nicht mehr möglich sind. Dann fühlt es sich an, als würde man schmelzen. Man wird träge, kann nur noch herumliegen und nichts mehr unternehmen. Sehr kalt soll es ebenfalls nicht werden. Ihre ideale Temperatur liegt in der Mitte, allerdings etwas mehr auf der warmen Seite.

    Alice fällt es schwer, dem Klimawandel bestimmte Gefühle zuzuordnen. Bei der Auswahl der Gefühlskarten sagt sie mehrmals, dass sie nicht weiß, welche Karte passt, und am liebsten nur fröhliche Karten nehmen würde. Gleichzeitig fragt sie sich, ob eine fröhliche Karte bedeuten würde, dass sie froh über den Klimawandel sei. Daran zeigt sich, wie schwierig und widersprüchlich die Aufgabe für sie ist. Sie weiß, was Klimawandel bedeutet, und bekommt durch ihre Familie einiges darüber mit. Intensiver beschäftigen möchte sie sich damit jedoch nicht.

    Besonders passend findet Alice die Karte mit dem Satz: „Ich will doch nur spielen.“ Diesen Wunsch verbindet sie unmittelbar mit ihrem Alltag. Wenn es draußen viel zu heiß oder zu kalt ist, können Kinder nicht mehr richtig spielen. Alice wäre lieber draußen, würde sich bewegen und Spaß haben, als über den Klimawandel nachzudenken. Ein gutes Klima bedeutet für sie, dass alltägliche Dinge weiterhin möglich bleiben: spielen, herumlaufen, schwimmen und Eis essen.

    Eine konkrete Quelle der Hoffnung nennt Alice nicht. Ihr zentraler Wunsch ist, dass die Temperaturen nicht extrem werden und sie weiterhin unbeschwert spielen und draußen sein kann.

    Ausgewählte Zitate

    „Das ist so, wenn sich die Temperaturen wegen uns verändern.“

    „Es sollte nicht zu heiß werden, weil sonst die Welt verbrutzelt.“

    „Ich will aus dem Klimawandel raus.“

    „Ich will mich doch einfach nicht damit beschäftigen.“

    „Ich will doch nur spielen.“

  • Sabine — Österreich

    Sabine — Österreich

    Sabine verbindet die Klimakrise vor allem mit Traurigkeit und Wut. Sie kann nicht nachvollziehen, warum viele Menschen weiterhin zuschauen, die Veränderungen leugnen oder das Thema verdrängen, anstatt aktiv zu werden. Wenn sie über die Entwicklungen und die Nachrichten nachdenkt, spürt sie die Belastung auch körperlich – als Unwohlsein im Bauch. Neben Wut und Traurigkeit erlebt sie Angst und ein Gefühl der Ohnmacht angesichts des hohen Tempos, mit dem die Klimakrise voranschreitet.

    Diese Gefühle führen bei Sabine jedoch nicht zum Rückzug. Sie versucht, ihnen durch konkretes Handeln zu begegnen. In ihrer Arbeit greift sie das Thema mit Kindern und Jugendlichen in der Schule auf und ermutigt sie, eigene Handlungsmöglichkeiten zu erkennen und aktiv zu werden. Auch in ihrem Alltag und ihrem persönlichen Umfeld möchte sie ihren Beitrag leisten. Besonders ärgert sie die verbreitete Haltung, als einzelne Person zu klein oder unbedeutend zu sein. Für sie kommt es auf jede und jeden an – Veränderung entsteht auch durch viele einzelne Entscheidungen und Handlungen.

    Gleichzeitig beschäftigt Sabine die Frage, was die heutige Generation ihren Kindern und den kommenden Generationen hinterlässt. Sie befürchtet, dass sich bereits angestoßene Entwicklungen kaum noch aufhalten lassen, wenn die Menschen nicht bald einsichtiger werden und ihr Verhalten verändern. Diese Vorstellung verstärkt ihre Angst und Ohnmacht.

    Hoffnung findet Sabine vor allem bei jungen Menschen. In ihrer Arbeit erlebt sie, dass Kinder und Jugendliche durchaus wahrnehmen, was geschieht, und erkennen, was sie selbst im Kleinen tun können. Sie sieht in der nächsten Generation Menschen, die notwendige Veränderungen verstehen, diese einfordern und mutig Schritte in die Zukunft setzen. Dieses Bild hilft ihr, der Ohnmacht etwas entgegenzustellen und weiterzumachen.

    Zitate

    „Viel Traurigkeit und Wut, weil ich nicht verstehe, dass Menschen immer nur zuschauen und nicht endlich aktiv werden.“

    „Ich würde sagen, es ist im Bauch einfach so ein Unwohlsein.“

    „Ihr müsst verstehen, dass es auf jede und jeden ankommt.“

    „Jeder hat es in der Hand, unsere Welt zu verändern. Jeder kann etwas leisten.“

    Hoffnung

    „Ich habe das Gefühl, dass es in der nächsten Generation einige Menschen gibt, die verstehen, was wir tun können, und das einfordern.“

  • Reinhard — Österreich

    Reinhard — Österreich

    Reinhard ist davon überzeugt, dass die heutige Klimakrise zu einem wesentlichen Teil vom Menschen verursacht wird. Natürliche Klimaveränderungen habe es zwar immer gegeben, doch Industrialisierung, weltweiter Flugverkehr, Kreuzfahrtschiffe, Autos und der Ausstoß schädlicher Gase hätten die Situation in den vergangenen 100 bis 150 Jahren grundlegend verändert. Das Abschmelzen der Gletscher ist für ihn eine sichtbare Folge davon.

    Gleichzeitig fällt es Reinhard schwer zu erkennen, was ein einzelner Mensch tatsächlich bewirken kann. Weniger Fleisch zu konsumieren, die Heizung auszutauschen oder auf ein Elektroauto umzusteigen, könne zwar etwas beitragen, doch das globale Wirtschaftssystem und die Entscheidungen von Regierungen hätten ein viel größeres Gewicht. Das hinterlässt bei ihm Ärger, Frustration und ein Gefühl der Machtlosigkeit. Veränderung hält er dann für möglich, wenn sich viele Menschen zusammenschließen – doch auch das empfindet er als schwierig.

    Es ist sehr schwierig. Ich fühle mich oft ratlos und hilflos.

    Die Menschheit hat eigentlich immer überlebt und Krisen überstanden. Die Hoffnung ist, dass man das auch übersteht.

    Das macht mir Hoffnung

    Besonders ärgert ihn, wenn Menschen den Klimawandel leugnen oder Verschwörungserzählungen folgen. In solchen Gesprächen komme irgendwann der Punkt, an dem keine sinnvolle Diskussion mehr möglich sei. Politische Entwicklungen verstärken seine Sorge. Klimakrise, Kriege und der Kampf um Rohstoffe gehören für ihn zu einer umfassenderen globalen Krise. Das Leid der Menschen im Gazastreifen und in anderen Kriegsgebieten berührt ihn stark. Am meisten belastet ihn, dieses Leid zu sehen und zugleich das Gefühl zu haben, nicht eingreifen zu können.

    Sein eigener Garten bietet ihm eine kleine, konkrete Handlungsmöglichkeit. Statt eines herkömmlichen Rasens lässt Reinhard der Natur mehr Raum und schafft Lebensraum für Insekten und Bienen. Die Zeit im Garten beruhigt und entspannt ihn. Ihm ist bewusst, dass ein Naturgarten die Klimakrise nicht lösen kann, dennoch sieht er darin einen persönlichen Beitrag.

    Trotz der langen Geschichte von Krieg und Zerstörung schöpft Reinhard etwas Hoffnung daraus, dass die Menschheit Krisen immer wieder überstanden hat. Was es aus seiner Sicht braucht, ist Einsicht: die Erkenntnis, dass der Mensch seine kurze Zeit der Existenz für anderes nutzen müsste als für Konflikte und Kriege.

    Zitate

    „Als Einzelner kann ich nicht etwas verändern. Allerdings in der Masse schon.“

    „Natürlich ärgert man sich über gewisse Entwicklungen.“

    „Mein Garten, der ist beruhigend und entspannend, und vielleicht ist das auch ein kleiner Beitrag dazu.“

    „Das Ärgste ist, dass man nichts tun kann.“

    Was mir Hoffnung macht

  • Mathias — Deutschland

    Mathias — Deutschland

    Mathias lebt in der Nähe von Landshut, ist verheiratet, hat zwei Kinder und arbeitet als Ingenieur bei einem Automobilhersteller. Im Alltag bleibt der Klimawandel für ihn meist im Hintergrund. Wahrnehmbar wird er vor allem durch trockenere Wetterverhältnisse und das Gefühl, dass sich die Jahreszeiten verschieben. Andere, unmittelbarere Dinge bestimmen jedoch seinen Alltag. Sein Verhältnis zum Thema habe sich mit dem Alter verändert: Anders als vielleicht mit 15 oder 17 Jahren denke er heute nicht mehr täglich darüber nach, sondern sei stark in Familienleben und alltägliche Verpflichtungen eingebunden.

    Durch seine Kinder wird die Zukunft konkreter. Er wünscht sich, dass sie im Winter weiterhin Schnee erleben und mit einer ähnlichen Vielfalt von Flora und Fauna aufwachsen können wie seine Generation. Die Vorstellung, dass etwa Skifahren künftig nicht mehr selbstverständlich sein könnte, empfindet er als schade. Gleichzeitig geht er davon aus, dass sich die Gesellschaft schrittweise an Veränderungen anpassen muss, die möglicherweise zum Teil nicht mehr umkehrbar sind.

    Die Gefühlskarte „Auch das noch“ bringt seine Wahrnehmung besonders treffend zum Ausdruck. Der Alltag sei bereits voll, und die Klimakrise komme als weiteres großes Problem hinzu, ohne dass sich für den Einzelnen eine eindeutige Handlungsoption anbiete. Daraus entsteht eine gewisse Überforderung: Es fehlt eine unmittelbar sichtbare Verbindung zwischen dem eigenen Tun und einer konkreten Wirkung.

    Einen plötzlichen Zusammenbruch erwartet Mathias dennoch nicht. Er stellt sich die Veränderungen eher langsam und schleichend vor und hofft, dass sich die Menschheit an den eingeschlagenen Weg anpassen kann. Vorsichtig erwägt er, ob einzelne Entwicklungen regional auch positive Seiten haben könnten – etwa bessere Bedingungen für den Weinanbau. Seine Grundstimmung beschreibt er insgesamt als relativ neutral, begleitet von leichtem Unbehagen statt akuter Angst.

    Zugleich nimmt er wahr, dass die Klimakrise medial weniger präsent ist als noch vor einigen Jahren. Kriege, Donald Trump und andere aktuelle Themen hätten sie wieder stärker in den Hintergrund gedrängt. Zuversicht gewinnt er vor allem aus der menschlichen Anpassungsfähigkeit und technischer Erfindungskraft: Wenn Zeit und Handlungsspielraum knapper werden, könnten Menschen kreativer werden und Lösungen wie die CO₂-Abscheidung weiterentwickeln.

    Zitate

    „Der Alltag ist schon recht voll, und man ist eigentlich schon mit den normalen Dingen beschäftigt. Und dann ist eher so das Gefühl: Auch das noch.“

    „Wenn man an die Zukunft denkt, will man schon, dass die Kinder auch noch Schnee haben im Winter und so leben können wie wir – mit Flora und Fauna.“

    „Ich fürchte schon, man muss sich auf diese graduellen Veränderungen jedes Jahr ein bisschen einstellen.“

    „Man hat keine direkte Handlungsoption, wo man als Einzelner sagt: Wenn man jetzt das macht, dann passiert jenes.“

    Was macht mir Hoffnung?

    „Ich bin fest davon überzeugt, dass den Menschen immer etwas einfällt. Je höher der Druck und je knapper die Zeit wird, desto kreativer wird man vielleicht.“

  • Anton — Deutschland

    Anton — Deutschland

    Anton ist Architekt und vor Kurzem nach Landshut gezogen. Für ihn ist „Klimakrise“ der treffendere Begriff. Emotional verbindet er damit vor allem Angst, Anspannung und ungute Gefühle. Diese sind nicht ständig präsent, kehren jedoch immer wieder zurück, besonders wenn Berichte über mögliche zukünftige Entwicklungen zu nahe an ihn herankommen. Um Abstand zu gewinnen, hat Anton seinen Medienkonsum bewusst reduziert. Er versucht, körperlich und mental fit zu bleiben, auf sich Acht zu geben und die Krise nicht so nah an sich heranzulassen, dass sie ihn zu sehr herunterzieht.

    Gleichzeitig haben klimabewusstere Entscheidungen auch positive Erfahrungen in seinen Alltag gebracht. Anton hat das Reisen mit der Bahn für sich entdeckt, insbesondere Nachtzüge, aber auch Bikepacking. Dabei erlebt er diese Möglichkeiten nicht nur als Ersatz für Flugreisen, sondern als eigenständige und bereichernde Formen des Reisens. Auch in seinem Berufsfeld nimmt er wahr, dass neue Ansätze erforscht werden und Fortschritte entstehen. Solche Entwicklungen können kurzzeitig Optimismus auslösen: das Gefühl, dass Veränderung doch möglich ist.

    Die ausgewählten Karten spiegeln ein Spannungsfeld zwischen Angst, Resignation und Zuversicht wider. Anton wählt zunächst ein zitterndes, verängstigtes Gesicht, weil ihn das, was auf die Menschen zukommen könnte, gruselt. Er verbindet damit Anspannung und die beunruhigenden Dinge, die er liest und hört. Eine zweite Karte steht für eine eher hinnehmende Haltung: Manchmal bleibt nur der Gedanke, dass es nun einmal so ist und man irgendwie hindurchmuss. Die letzte, bejahende Karte verkörpert dagegen jenen Optimismus, der entsteht, wenn Anton positive Nachrichten wahrnimmt, nachhaltige Reiseformen erlebt oder Innovationen in der Architektur sieht.

    Dieser Optimismus gerät jedoch leicht aus dem Blick. Für Anton überwiegt insgesamt der Eindruck negativer Entwicklungen, auch weil verständlicherweise häufiger über Bedrohungen und Krisen berichtet wird. Seine Hoffnung beruht weniger auf einer schnellen Lösung als auf einer langfristigen Betrachtung der Menschheitsgeschichte. Er vertraut darauf, dass Menschen aus großen Krisen immer wieder gelernt haben – auch wenn der Weg dadurch zunächst sehr schwer sein kann.

    Zitate

    Ich verbinde mit der Klimakrise Angst und eher ungute Gefühle.

    Ich versuche, nicht mehr ganz so viele Medien zu konsumieren wie früher, um ein bisschen Abstand zu gewinnen.

    Ich habe die Zugreisen total für mich entdeckt – zum Beispiel Nachtzüge oder Bikepacking, die ganz andere Formen des Reisens ermöglichen.“

    Manchmal merkt man, dass in der Architektur neue Sachen erforscht werden oder es Fortschritte in verschiedenen Bereichen gibt. Dann hat man das Gefühl: Ja, geht doch.

    Hoffnung

    Mir macht Hoffnung, dass der Mensch aus großen Krisen immer wieder gelernt hat und es langfristig meistens bergauf geht – auch wenn es mittelfristig oft scheiße ist.

    Mir macht Hoffnung, dass der Mensch aus großen Krisen immer wieder gelernt hat und es langfristig meistens bergauf geht – auch wenn es mittelfristig oft scheiße ist.

    Das macht mir Hoffnung

    🇩🇪 Germany’s Greenhouse Gas Emissions

    Population 84.55 Million, Europe.

    Key Messages

    • Emissions: Germany emitted around 669 megatonnes CO2e in 2024, about 1.17% of the global total.
    • Per person: Emissions were around 7.9 tonnes per person per year in 2024, rated very high on a scale where any level above zero adds warming.
    • Trend: Germany’s emissions fell by around 30 megatonnes CO2e a year, or 3.69% yearly, over the ten years to 2024-slower than the 4% yearly global decline needed for Net Zero in 2050 and around 1.7 °C warming.
    • What drives it: CO2 makes up 85% of Germany’s emissions, methane 8.3%, nitrous oxide 4.8% and F-gases 1.5%.
    • Historic responsibility: Since 1851, Germany’s emissions have produced around 112,000 megatonnes CO2e of warming impact, about 2.87% of the global total, averaging around 10.1 tonnes per person per year-rated extremely high.
  • Laura — Deutschland

    Laura — Deutschland

    Laura ist Lehrerin für Englisch und Musik am Gymnasium und erst vor Kurzem nach Landshut gezogen. Der Klimakrise begegnet sie mit gemischten Gefühlen, insbesondere mit Frustration, Skepsis und Ohnmacht. Schon während ihres Studiums versuchte sie, umweltbewusst zu leben, sich entsprechend zu ernähren und im Bioladen einzukaufen. Gleichzeitig wurde ihr zunehmend bewusst, dass das Handeln Einzelner nicht ausreicht. Die Bewältigung der Klimakrise müsste für sie ein Gemeinschaftsprojekt sein.

    Im Alltag gelingt es Laura häufig, das Thema zu verdrängen. Durch Nachrichten und wahrnehmbare Veränderungen in der Natur rückt es jedoch immer wieder in ihr Bewusstsein und wird auf Dauer schwer ausblendbar. Sie ist skeptisch, ob die Menschheit rechtzeitig entschlossen handeln wird. Zugleich traut sie Menschen grundsätzlich zu, außergewöhnliche Dinge zu erfinden, zu lernen und Lösungen zu entwickeln. Fortschritte wie der wachsende Anteil an Ökostrom in Deutschland stimmen sie etwas zuversichtlich; dennoch fürchtet sie, dass die Veränderungen zu langsam erfolgen, um eine Katastrophe zu verhindern.

    Wenn sie unmittelbar über die Krise nachdenkt, entstehen Ungeduld und Nervosität. Sie ärgert sich darüber, dass Menschen an vertrauten und bequemen Gewohnheiten festhalten, etwa beim Autofahren im ländlichen Bayern. Dabei erhebt sie sich nicht über andere: Auch bei sich selbst beobachtet sie, dass Stress zu weniger nachhaltiger Ernährung oder einer schnelleren Entscheidung für das Auto führt. Sie sieht alle in einem Strudel aus Alltag, Bequemlichkeit und festgefahrenen Strukturen.

    Mit der Karte „schwindelig“ verbindet Laura die kaum überschaubare Informationsmenge und die Schwierigkeit, einzuordnen, was tatsächlich gefährlich, skandalös oder relevant ist. Die Klimakrise desorientiert sie emotional ebenso wie auf der Ebene der Fakten. „Müde“ steht für ihre Erschöpfung angesichts der Leugnung des Klimawandels und politischer Narrative, besonders von rechten Bewegungen, die durch ständige Wiederholung normalisiert werden. Trotzdem wählte sie auch eine positivere Karte mit einem zufriedenen Menschen. Selbst wenn es möglicherweise erst eine schwere Krise braucht, um die Menschheit aufzurütteln, hält sie gemeinschaftliches Handeln für möglich. Die Corona-Krise hat ihr gezeigt, dass in Krisen auch Zusammenarbeit und gute Lösungen entstehen können.

    Zitate

    „Vor allem auch dieses Gefühl, dass man selber nur so ein Kiesel unter vielen ist.“

    „Die meiste Zeit würde ich eher sagen, man verdrängt es recht gut.“

    „Ich wünschte mir, ich könnte da optimistischer sein.“

    „Es geht nicht alles schnell genug, die Menschen kommen nicht schnell genug in die Gänge.“

    „Also dieses Gefühl der Ohnmacht, das Gefühl, man weiß gar nicht, wo einem der Kopf steht.“

    “Mehr Mut zum Wandel.”

    Was macht dir Hoffnung?

    „Ich glaube, die Menschen haben das Handwerkszeug. Und ich glaube, dass wir Krisen überstehen können.“

    🇩🇪 Germany’s Greenhouse Gas Emissions

    Population 84.55 Million, Europe.

    Key Messages

    • Emissions: Germany emitted around 669 megatonnes CO2e in 2024, about 1.17% of the global total.
    • Per person: Emissions were around 7.9 tonnes per person per year in 2024, rated very high on a scale where any level above zero adds warming.
    • Trend: Germany’s emissions fell by around 30 megatonnes CO2e a year, or 3.69% yearly, over the ten years to 2024-slower than the 4% yearly global decline needed for Net Zero in 2050 and around 1.7 °C warming.
    • What drives it: CO2 makes up 85% of Germany’s emissions, methane 8.3%, nitrous oxide 4.8% and F-gases 1.5%.
    • Historic responsibility: Since 1851, Germany’s emissions have produced around 112,000 megatonnes CO2e of warming impact, about 2.87% of the global total, averaging around 10.1 tonnes per person per year-rated extremely high.
  • Adelá — Tschechien

    Adelá — Tschechien

    Adelá studiert im Master NGOs und Zivilgesellschaft in Prag und hat zuvor Internationale Beziehungen und Journalismus studiert. Der Klimawandel wirkt auf sie beängstigend, wurde für sie jedoch erst zu einem unmittelbareren Thema, als ihre Schwester vegan wurde und mit ihr über die ökologischen Folgen der Fleisch- und Milchindustrie sprach. Seitdem beschäftigt sie sich bewusster mit Konsum, Ernährung und den politischen Entscheidungen rund um die Klimakrise.

    Ihre Sorge wird durch die politische Situation in Tschechien verstärkt. Sie findet es frustrierend, dass Parteien, die Umweltmaßnahmen ablehnen, auch von jungen Menschen gewählt werden. Zugleich kann sich eine Stimme für jene Partei, die ihre Werte am besten vertritt, wegen deren geringer Zustimmung wirkungslos anfühlen. Wirtschaftlicher Druck, Kriege und steigende Lebensmittelpreise verleiten viele Menschen dazu, die Vergangenheit zu idealisieren und Veränderungen abzulehnen. Der Klimawandel wird bestritten, obwohl Adelá seine Auswirkungen wahrnimmt: In ihrem Heimatdorf gehörten Snowboarden und Eislaufen auf dem Fluss früher selbstverständlich zum Winter; heute fehlt häufig selbst natürlicher Schnee.

    Der Klimawandel ist für uns alle irgendwie beängstigend.

    Vielleicht sind es die Menschen, mit denen ich mich umgebe – sie sind sich sehr bewusst, was sie tun und welche Auswirkungen ihr Handeln hat. Vielleicht könnte unsere Generation die Hoffnung sein.

    Was macht dir Hoffnung?

    Beim Blick in die Zukunft empfindet Adelá Angst, bleibt aber grundsätzlich optimistisch. Sie hofft, dass die Menschen die Krise anerkennen und die Bemühungen der Europäischen Union unterstützen werden. Gleichzeitig nimmt sie wachsenden Widerstand und eine zunehmend östlich orientierte politische Stimmung in Tschechien wahr.

    Die Karten spiegeln diese emotionale Spannung. Ein positives Bild verbindet sie mit Prags Secondhandläden und Märkten. Eine weitere Karte steht dafür, dass umweltbewusste Menschen häufig als verrückt oder heuchlerisch abgewertet werden, sobald sie nicht vollkommen konsequent handeln. Die letzte Karte verkörpert Verwirrung und schwankende Hoffnung: Politische Rückschritte entmutigen sie, dennoch könnte sich die Entwicklung wieder zum Positiven wenden.

    Manchmal denken Menschen, sie müssten alles zu hundert Prozent richtig machen. Aber das können wir nicht alle.

    Im Alltag meidet Adelá Fast Fashion wie Shein, kauft möglichst gebraucht, sammelt Müll in der Natur auf und achtet auf die Folgen ihres Handelns. Als Studentin kann sie sich lokale Lebensmittel jedoch nicht immer leisten. Sie lehnt den Anspruch vollkommener Konsequenz ab und hält auch realistische Teilschritte für wertvoll. Bewusste Gespräche über Klimagefühle – besonders in Schulen – könnten Menschen zum Innehalten und Nachdenken bringen, ohne die gesellschaftlichen Gräben durch Wut weiter zu vertiefen.

  • Maksym — Tschechien

    Maksym — Tschechien

    Maksym Kintor (20) – Tschechische Republik

    Maksym reagiert auf den Gedanken an den Klimawandel zunächst mit Angst. Er verbindet ihn vor allem mit negativen Entwicklungen und der Möglichkeit, dass seine Folgen das Leben der Menschen eines Tages massiv beeinträchtigen werden. Dabei denkt er an schmelzendes Eis, knapper werdende Ressourcen, steigende Preise und sogar an Überschwemmungen. Obwohl er nicht genau weiß, was die Zukunft bringen wird, ist er davon überzeugt, dass der Klimawandel real ist und sich die Situation verschlechtert.

    Etwa mit sechzehn begann er, sich bewusster mit dem Thema auseinanderzusetzen. In dieser Zeit dachte er auch intensiver über die Gesellschaft, seine Beziehungen zu anderen Menschen und seinen eigenen Platz in der Welt nach. Ihm wurde klar, dass persönliche Handlungen eine Bedeutung haben und er mit den ihm zur Verfügung stehenden Möglichkeiten etwas beitragen möchte. Er begann, Plastik, Papier und Glas zu trennen, und versucht heute, beim Einkaufen unnötige Verpackungen zu vermeiden. Wie viel diese Handlungen tatsächlich bewirken, kann er nicht einschätzen. Dennoch ist es ihm wichtig, sich zu beteiligen und seinen eigenen Beitrag zu leisten.

    Damit verbunden ist eine zunehmende Unabhängigkeit von den Meinungen anderer. Maksym ist stolz darauf, nach seinen eigenen Überzeugungen zu handeln, selbst wenn Menschen in seinem Umfeld anderer Ansicht sind. Sein Vater sieht beispielsweise keinen Sinn in der Mülltrennung und argumentiert, der Abfall lande am Ende ohnehin am selben Ort. Maksym hält trotzdem daran fest, weil er glaubt, dass es helfen könnte. Gleichzeitig kann ihn das Ausmaß der Krise verängstigen: Milliarden von Menschen stehen einem einzelnen Menschen gegenüber, der nicht alles verändern kann.

    Arbeit, Sport, Treffen mit Freunden und Familie sowie andere alltägliche Verpflichtungen richten seine Aufmerksamkeit meist auf das unmittelbar vor ihm Liegende. Dadurch denkt er nicht ständig über globale Probleme nach und schützt sich davor, zu tief in Angst oder Verzweiflung zu geraten. Mit nahestehenden Menschen spricht er kaum über den Klimawandel. Da er in einem eher konservativen Umfeld aufgewachsen ist, in dem Menschen ihre Meinungen und Gefühle häufig für sich behalten, hat auch er sich daran gewöhnt, solche Gedanken nicht auszusprechen.

    Die ausgewählten Gefühlskarten spiegelten diese innere Spannung wider. „Ich bin stolz“ stand für seine Entscheidung, den eigenen Überzeugungen zu folgen. Eine weitere Karte drückte sein Bedürfnis aus, angesichts der unkontrollierbaren Entwicklungen nicht depressiv zu werden. „Ich war es nicht“ verwies auf die beruhigende Gewissheit, zumindest selbst zu versuchen, den eigenen Anteil am Problem zu verringern. Andere Menschen direkt mit ihrem Verhalten zu konfrontieren, vermeidet Maksym aus Angst vor aggressiven Reaktionen; als Aktivisten betrachtet er sich nicht. Das offene Gespräch während des Interviews ließ ihn dennoch leichter, positiver und weniger belastet zurück. Mehr Offenheit, Gemeinschaft und der Mut, persönliche Meinungen und Gefühle auszudrücken, könnten aus seiner Sicht dabei helfen, der Krise gemeinsam zu begegnen.

    Zitate

    „Alles, was ich tue, ist von Bedeutung. Deshalb möchte ich die Dinge besser machen und etwas Positives bewirken.“

    „Ich glaube, dass es helfen kann, wenn ich den Müll trenne.“

    „Ich bin stolz darauf, diese Haltung entwickelt zu haben: Ich werde tun, was ich für richtig halte.“

    Ich bin stolz darauf, dass ich zu der Überzeugung gelangt bin: Ich werde tun, was ich für richtig halte.

    „Ich habe Angst, laut auszusprechen, was ich wirklich denke.“

    Was mir Hoffnung macht

    „Ich glaube noch immer an die Menschen. Die richtigen Menschen für mein Umfeld auswählen zu können – das gibt mir Hoffnung.“