Tag: Hoffnung

  • Sara — Finnland

    Sara — Finnland

    Man ist weiterhin ein handelnder Mensch, kann Entscheidungen treffen, etwas beginnen und sein Bestes tun.

    Sara ist mit einer Freundin von Finnland nach Oslo unterwegs und legt den grĂ¶ĂŸten Teil der Reise per Anhalter zurĂŒck. Erste VerĂ€nderungen des Klimas bemerkte sie ungefĂ€hr im Alter von zehn Jahren, noch bevor sie wusste, wie sie diese benennen sollte: Die Winter wirkten nasser, und zu Weihnachten lag manchmal kein Schnee. SpĂ€ter wurde der Klimawandel regelmĂ€ĂŸig in der Schule behandelt, besonders im Englisch- und Schwedischunterricht. Da Sara nicht in einer Großstadt aufwuchs und ihre Familie nur selten Nachrichten sah, kam sie zunĂ€chst weniger mit Klimabewegungen in BerĂŒhrung.

    Wenn sie sich die Zukunft vorstellt, sieht sie Menschen, die ihre Heimat verlassen mĂŒssen, weil das Leben dort unertrĂ€glich wird. Vor ihrem inneren Auge entstehen große Bewegungen von KlimaflĂŒchtlingen nach Europa, sich ausbreitende WĂŒsten, schmelzende Gletscher und immer zerstörerischere Wetterereignisse. Diese Bilder lösen Stress und ein unĂŒbersichtliches, aufgewĂŒhltes GefĂŒhl aus, zugleich aber auch eine gewisse Energie: die Frage, was getan werden muss, wenn sich die Folgen weiter verschĂ€rfen. Katastrophenbilder können ihrer Ansicht nach durch ihre stĂ€ndige Wiederholung abstumpfen. Umso wichtiger sind fĂŒr sie positive Beispiele und Orte mit gesunder, lebendiger Natur. Dort wird unmittelbar spĂŒrbar, was erhalten werden sollte. Das vermittelt ihr Frieden, Sicherheit und das GefĂŒhl, dass es weiterhin eine Zukunft gibt.

    Ich schöpfe Hoffnung daraus, dass das Leben nachwĂ€chst, sich erholt und mich ĂŒberrascht – selbst dort, wo etwas beschĂ€digt wurde, entsteht immer wieder neues Leben.

    Was mir Hoffnung macht

    Dieses Bewusstsein beeinflusst Saras Alltag. Sie vermeidet unnötige Autofahrten, fĂ€hrt per Anhalter und kauft fast nie neue Dinge. Selbst wenn sie etwas braucht, denkt sie darĂŒber nach, wer es unter welchen Bedingungen hergestellt hat. Sie möchte einen möglichst kleinen negativen Fußabdruck hinterlassen, erlebt dabei jedoch auch SchuldgefĂŒhle. Ihre Eltern teilen viele dieser Werte und ernĂ€hren sich, auch durch den Einfluss von Sara und ihrer Schwester, zunehmend vegan. Gleichzeitig waren es ihre Eltern, die ihr ursprĂŒnglich die tiefe Verbundenheit mit der Natur vermittelt haben.

    In der Schulzeit fĂŒhrten Klimafragen zu Diskussionen und Konflikten. Sara wird bisweilen noch immer wĂŒtend, versucht aber zu verstehen, von welchem Ausgangspunkt andere Menschen handeln und welcher Druck hinter Konsum oder dem Wunsch nach Zugehörigkeit stehen kann. GegenĂŒber politischem Aktivismus ist sie unsicher; ihre Haltung drĂŒckt sie momentan vor allem durch persönliche Entscheidungen aus. Sie erkennt, dass sie Verantwortung manchmal vermeidet, weiß aber zugleich, dass sie handeln, etwas beginnen und ihr Möglichstes tun kann.

    Das Vogelhausfestival ihres Onkels steht fĂŒr die Form des Engagements, die Sara ermutigt: Menschen bauen gemeinsam VogelhĂ€user, hören Musik und bringen die HĂ€user in den Wald. Verantwortung fĂŒr die Natur wird dadurch konkret, gemeinschaftlich und freudvoll. Auch die Natur selbst schenkt ihr Kraft. Ein Wald kann fĂŒr sie wie ein begehbares Kunstwerk sein. Selbst wenn ihre Gedanken schwer bleiben, kann ihr Körper die Schönheit eines Sonnenuntergangs oder einer Landschaft noch wahrnehmen. Ebenso wichtig ist ihr echte menschliche Verbundenheit.

    Ich versuche, einen möglichst kleinen negativen Fußabdruck zu hinterlassen.

    đŸ‡«đŸ‡ź Finland’s Greenhouse Gas Emissions

    Population 5.62 Million, Europe.

    Key Messages

    • Emissions: Finland emitted around 88.6 megatonnes CO2e in 2024, around 0.16% of the global total.
    • Per person: Emissions were around 15.8 tonnes per person per year, rated extremely high on a scale where any level above zero adds warming.
    • Trend: Emissions rose by around 0.093 megatonnes CO2e a year over the ten years to 2024, rather than the 4% yearly decline the world as a whole needs to achieve Net Zero in 2050 and limit warming to around 1.7 °C.
    • What drives it: CO2 made up around 86% of emissions, nitrous oxide 7.2%, methane 6.2% and F-gases 0.91%.
    • Historic responsibility: Since 1851, Finland’s emissions have produced around 8,660 megatonnes CO2e of warming impact, around 0.22% of the global total, or around 13.7 tonnes per person per year.
  • Moa — Schweden

    Moa — Schweden

    Moa Holmertz (22) –

    Moa ist 22 Jahre alt und lebt im schwedischen Örebro. UrsprĂŒnglich zog sie dorthin, um Medizin zu studieren, erkannte jedoch, dass dieser Weg nicht der richtige fĂŒr sie war. Heute beschreibt sie sich als junge Frau, die noch herauszufinden versucht, was sie mit ihrem Leben anfangen möchte. Im Moment des Interviews geht es ihr gut: Die Sonne scheint, und draußen ist es warm.

    Ihr Bewusstsein fĂŒr den Klimawandel ist eng mit den VerĂ€nderungen der schwedischen Jahreszeiten verbunden. Sie erinnert sich an den letzten wirklichen Vargavinter – einen „Wolfswinter“ mit anhaltendem Schnee und großer KĂ€lte – um das Jahr 2012. Seither seien die Winter deutlich milder und unbestĂ€ndiger geworden: Der Schnee bleibt oft nur einige Wochen liegen, bevor er schmilzt, und die Temperaturen wechseln fortwĂ€hrend zwischen KĂ€lte und WĂ€rme. Auch die Sommer sind unberechenbarer geworden und schwanken zwischen Hitze, Regen und kĂŒhleren Phasen.

    Das erste Bild, das Moa mit dem Klimawandel verbindet, ist Feuer: brennende WĂ€lder, Rauch am Himmel und Tiere, die um ihr Leben fliehen. FĂŒr sie gleicht diese Szenerie einer Hölle, die bereits hier und jetzt existiert. Dabei empfindet sie weniger Angst oder Trauer als vielmehr Wut. Sie Ă€rgert sich darĂŒber, dass die Verantwortung in der Klimabildung vor allem dem einzelnen Menschen ĂŒbertragen wird – durch Recycling oder die Wahl anderer Verkehrsmittel –, wĂ€hrend mĂ€chtige Konzerne und wohlhabende EntscheidungstrĂ€ger ihrer wesentlich grĂ¶ĂŸeren Verantwortung nicht gerecht werden. Wenn Menschen ĂŒber die notwendigen Mittel verfĂŒgen, kann sie nicht verstehen, weshalb sie diese nicht fĂŒr das Richtige einsetzen.

    Ein anderes Bild macht sie unmittelbar traurig: ein EisbĂ€r auf einer winzigen Eisscholle. Moa spricht voller Bewunderung ĂŒber seine GrĂ¶ĂŸe, StĂ€rke und Schönheit. Gerade deshalb berĂŒhrt sie seine Hilflosigkeit: Selbst ein so mĂ€chtiges Tier kann sich nicht gegen den Klimawandel und den Verlust seines Lebensraums wehren.

    Gleichzeitig beobachtet Moa eine zunehmende Abstumpfung durch die stĂ€ndige Wiederholung negativer Nachrichten. Irgendwann, sagt sie, hören Menschen auf zu reagieren; jede neue Katastrophe klingt wie dasselbe Lied in Endlosschleife. Deshalb wĂŒnscht sie sich mehr Berichte ĂŒber Lösungen, Erfindungen und Tierpopulationen, die sich wieder erholen. Positive Nachrichten helfen ihr, sich zu entspannen, und erinnern sie daran, dass weiterhin Menschen Gutes bewirken. Dennoch sollen die schwierigen RealitĂ€ten nicht verschwiegen werden. Die Welt ist weder nur schwarz noch weiß – notwendig ist ein differenziertes Bild, in dem Fortschritte ebenso vorkommen wie Krisen.

    Ihr Partner ist fĂŒr Moa ein sicherer Ort, an dem sie ihrer Wut und ihrem Frust Raum geben kann. Auch die hoffnungsvolle Haltung ihres Vaters stĂ€rkt sie. Ihre abschließende Botschaft ist zugleich ermutigend und fordernd: Haltet den Kopf oben – aber wenn ihr die Möglichkeit habt, etwas Gutes zu tun, dann tut es.

    Zitate

    „Ich glaube, die Hölle ist ein Ort genau hier und jetzt.“

    „Wenn du die Möglichkeit hast, das Richtige zu tun – warum entscheidest du dich dann nicht dafĂŒr?“

    „Es ist so groß und stark, aber selbst dieses Tier kann nicht gegen den Klimawandel kĂ€mpfen.“

    „Die Menschen verdienen es, auch gute Dinge zu sehen.“

    „Selbst wenn es stockfinster ist, gibt es noch einige Lichtstrahlen.“

    “Nicht alles ist schlecht – selbst in tiefster Dunkelheit gibt es einige Lichtblicke.”

    Was mir Hoffnung macht

    „Mir macht Hoffnung, dass Menschen weiterhin lernen, kĂ€mpfen und sich informieren – und dass sie bereit sind, auf die eine oder andere Weise etwas zum Positiven zu verĂ€ndern.“

  • Tore — Norwegen

    Tore — Norwegen

    Tore Magnussen (65) –

    Tore lebt in Norwegen und ist heute im Ruhestand. Zuvor arbeitete er als Schlosser und Zimmermann sowie zwanzig Jahre lang bei den norwegischen StreitkrĂ€ften. Der Klimawandel wurde fĂŒr ihn nicht durch ein einzelnes dramatisches Ereignis sichtbar. Er zeigte sich schleichend in den VerĂ€nderungen jener Landschaft, die Tore seit seiner Kindheit kennt. Besonders wĂ€hrend der vergangenen zehn Jahre beobachtete er zunehmend unbestĂ€ndiges Wetter, VerĂ€nderungen des Meereises und das Verschwinden verlĂ€sslicher Winter. In manchen Jahren liegen viel Schnee und dickes Eis, in anderen beinahe gar keines. Diese Unberechenbarkeit steht in deutlichem Gegensatz zu den stabilen Jahreszeiten seiner Jugend.

    Diese VerĂ€nderungen machen Tore traurig. Regierungen sprechen zwar davon, das Klima zu schĂŒtzen, und fĂŒhren Umweltvorschriften ein, untergraben diese BemĂŒhungen jedoch hĂ€ufig durch ihre eigenen Entscheidungen. Dieser Widerspruch vermittelt ihm das GefĂŒhl, der Kampf könnte bereits verloren sein. Berichte ĂŒber extreme Hitze in Frankreich und Spanien sowie ĂŒber die wachsende Zahl von WaldbrĂ€nden verstĂ€rken seine Sorge.

    Gleichzeitig glaubt Tore, dass die stĂ€ndige Konzentration auf Katastrophen die Menschen emotional ĂŒberfordern kann. Er erinnert an die erfolgreiche Regeneration des MjĂžsa-Sees. Seine ZuflĂŒsse waren frĂŒher durch Phosphate belastet, sind heute aber wieder sauber. FĂŒr Tore beweist dies, dass geschĂ€digte Ökosysteme sich erholen können. Über solche Erfolge werde jedoch viel seltener berichtet als ĂŒber negative Entwicklungen. Dadurch wĂŒrden die Menschen zunehmend negativ aufgeladen und könnten aus dem Blick verlieren, was gemeinsames Handeln bewirken kann.

    Die von Tore ausgewĂ€hlten GefĂŒhlskarten bringen sowohl seine Sehnsucht als auch seine Frustration zum Ausdruck. Liebe steht fĂŒr WĂ€rme, Zusammenhalt und die FĂ€higkeit, gemeinsam etwas Positives zu tun. Menschen können auf ihn zunĂ€chst kalt und distanziert wirken, sodass selbst dort Einsamkeit entsteht, wo sich nach einem wirklichen Kontakt große Herzlichkeit zeigen kann. Seine zweite Karte steht fĂŒr mehr positives Handeln zugunsten der Umwelt und fĂŒr persönliche Verantwortung. Zu oft erwarteten Menschen VerĂ€nderungen von allen anderen, nĂ€hmen sich selbst davon jedoch aus.

    Seine stĂ€rkste Wut richtet sich gegen Gier und die Zerstörung, die sie verursacht. Der abgeholzte Wald in seiner NĂ€he sieht fĂŒr ihn aus, als wĂ€re dort eine Bombe explodiert. Geld, Macht und Tyrannei bedrohen aus seiner Sicht sowohl die Natur als auch den menschlichen Zusammenhalt. Dennoch erkennt Tore Hoffnung in den jĂŒngeren Generationen: Sie wachsen mit einem stĂ€rkeren Umweltbewusstsein auf und scheinen eher bereit, Verantwortung zu ĂŒbernehmen. Angesichts der politischen Entwicklungen bleibt diese Hoffnung fragil. Trotzdem vertraut er darauf, dass Menschen aus ihren Entscheidungen lernen und ihre Richtung wieder Ă€ndern können.

    Zitate

    • „Als ich aufgewachsen bin, war es nicht so. Die Winter waren fast immer gleich. Heute ist es kein richtiger Winter mehr.“
    • „Die Zeitungen wollen ĂŒber das Negative schreiben, negativ, negativ. Dadurch werden wir negativ aufgeladen.“
    • „Es geht um Liebe und vielleicht um Zusammenhalt, damit wir positive Dinge tun können.“
    • „Wir denken immer, alle anderen seien verantwortlich – nur ich nicht. Das ist ein großes Problem.“
    • „Die Welt wird durch Gier, Macht und Tyrannei vollstĂ€ndig zerstört.“

    Was macht mir Hoffnung?

    „Hoffnung geben mir die jungen Menschen, die heute heranwachsen. Sie sind umweltbewusster, und viele von ihnen ĂŒbernehmen mehr Verantwortung.“

  • Julia — DĂ€nemark

    Julia — DĂ€nemark

    Julia (45) – arbeitet in DĂ€nemark im Bereich Meeresplastik. Als ausgebildete Geografin beschĂ€ftigte sie sich zuvor mit dem Klimawandel, indem sie fĂŒr Unternehmen und das dĂ€nische Energieministerium CO₂-Berechnungen erstellte. Diese TĂ€tigkeit blieb jedoch abstrakt: „Es waren nur Computer und Zahlen.“ Heute kann sie das Problem beim Sammeln von Plastik an StrĂ€nden, beim Recycling in der Werkstatt und in der Bildungsarbeit unmittelbar sehen und berĂŒhren. Ihre tĂ€gliche Arbeit ist konkret und sinnvoll, auch wenn sie sich nicht als große VerĂ€nderin der Welt betrachtet: „Es fĂŒhlt sich sinnvoll an.“

    „Meine Hoffnung ist, dass wir uns wieder stĂ€rker mit der Erde, dem Meer und den natĂŒrlichen Systemen verbinden – denn wenn wir ihr Leiden wirklich sehen, werden wir besser auf unseren Planeten achten.“

    FĂŒr Julia ist die Klimakrise unĂŒbersehbar gegenwĂ€rtig – in Überschwemmungen, BrĂ€nden, auf Feldern und sogar in den eigenen GĂ€rten. „Ich habe keine schönen Bilder im Kopf. Es ist einfach offensichtlich, dass es außer Kontrolle gerĂ€t.“ Ihre tiefste Angst verbindet sich mit ihrem dreijĂ€hrigen Sohn und der Frage, in welcher Welt er mit zwanzig leben wird. Obwohl er vermutlich in der relativen Sicherheit DĂ€nemarks aufwachsen kann, bleibt in einer global verbundenen Welt kein Land unberĂŒhrt. „Ich habe wirklich Angst. Wie wird dieser Ort sein, wenn er zwanzig ist?“ Sicherheit bewahrt Menschen weder davor, das weltweite Leid wahrzunehmen, noch vor dem GefĂŒhl, dass große Entwicklungen nicht mehr kontrollierbar sind.

    „Es sind nicht die Kinder oder Jugendlichen, die die Welt kaputtgemacht haben.“

    In ihrer Arbeit mit Schulkindern erlebt Julia, dass VerĂ€nderung möglich ist. Zugleich zeigt sich darin eine grundlegende Ungerechtigkeit: Die Erwachsenen haben konsumiert und sind gereist, wĂ€hrend junge Menschen nun verzichten und eine Welt reparieren sollen, die sie nicht zerstört haben. Julia glaubt, dass die meisten Menschen fĂŒreinander und fĂŒr den Planeten sorgen wollen. Nachhaltige Entscheidungen werden ihnen jedoch unnötig schwer gemacht. Selbst mit ihrem Wissen ĂŒber Kreislaufwirtschaft kann sie kaum einkaufen, ohne Plastik mit nach Hause zu bringen. Sorge allein reicht nicht – es braucht Bedingungen, unter denen Menschen ihren Überzeugungen leichter entsprechend handeln können.

    „Es sollte fĂŒr uns einfach leichter sein, entsprechend unserer Sorgen zu handeln.“

    Ihre drei GefĂŒhlskarten machen ihre innere Spannung sichtbar. Die erste ist ein Hilferuf: Die Menschheit weiß, dass ihre Lebensweise BiodiversitĂ€t, Meere und Klima schĂ€digt, und macht dennoch beinahe unverĂ€ndert weiter. „Manchmal möchte ich einfach ‚Hilfe!‘ schreien und vor diesem ganzen Scheiß davonlaufen.“ Die zweite steht fĂŒr RĂŒckzug. Weil Julia die wissenschaftlichen Folgen kennt und weiß, wie sich Entwicklungen gegenseitig beschleunigen, wird das Ausmaß zeitweise unertrĂ€glich: „Manchmal möchte ich einfach nicht darĂŒber reden.“ Die dritte Karte zeigt einen glĂŒcklichen, liebenden Menschen. Der Zerstörung des Klimas und der menschlichen Gewalt in Gaza, der Ukraine, im Sudan und anderswo stellt sie ihr unmittelbares Leben gegenĂŒber: Familie, Freundschaften, Sicherheit, schöne Natur, das Meer und das Surfen. „Die meisten Menschen wollen freundlich zueinander sein und sich um den Planeten kĂŒmmern.“ Liebe, Gemeinschaft und das offene Sprechen ĂŒber Gedanken und GefĂŒhle schaffen Verbindung – und ermutigen auch andere, ihre Stimme zu erheben.

    đŸ‡©đŸ‡° Denmark’s Greenhouse Gas Emissions

    Population 5.98 Million, Europe.

    Key Messages

    • Emissions: Denmark emitted around 46.1 megatonnes CO2e in 2024, about 0.08% of the global total.
    • Per person: That was around 7.7 tonnes per person per year, rated very high on a scale where any level above zero adds warming.
    • Trend: Emissions fell by around 1.11 megatonnes CO2e a year, or 2.21% yearly, over the ten years to 2024-slower than the 4% yearly decline needed globally.
    • What drives it: Fossil and land-use CO2 made up around 67.3% of emissions, methane 22%, nitrous oxide 10.2% and F-gases 0.6%.
    • Historic responsibility: Since 1851, Denmark’s emissions have produced around 7,020 megatonnes CO2e of warming impact, about 0.18% of the global total, or around 10.8 tonnes per person per year.
  • Jens — DĂ€nemark

    Jens — DĂ€nemark

    Jens Lund (65) – stammt aus einer dĂ€nischen Bauernfamilie, die den Hof bereits in sechster Generation bewirtschaftet. Als er jung war, wurde kaum ĂŒber den Klimawandel gesprochen. Über die Medien rĂŒckte das Thema allmĂ€hlich in sein Bewusstsein, wirklich greifbar wurde es fĂŒr ihn aber erst vor ungefĂ€hr zehn Jahren: Trockene Sommer wechselten sich mit ungewöhnlich heftigen RegenfĂ€llen ab, Felder wurden ĂŒberflutet und Ernten beschĂ€digt. Anfangs schob Jens das Thema eher beiseite. Die Landwirtschaft war von Produktion, Wachstum und Gewinn geprĂ€gt, wĂ€hrend Umweltauflagen hĂ€ufig wie einseitige VorwĂŒrfe gegen die Bauern wirkten. Mit zunehmendem Alter wandelte sich diese Abwehr jedoch in Sorge und Selbstreflexion.

    Jens belastet nicht nur der Klimawandel selbst, sondern auch die konfrontative Art, in der gesellschaftlich darĂŒber gesprochen wird. Bauern beschuldigen die StĂ€dte, Menschen in den StĂ€dten die Landwirtschaft, und Staaten zeigen aufeinander, anstatt gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Solche Konflikte hat er selbst innerhalb seiner erweiterten Familie erlebt. Pauschale Anschuldigungen gegen die Landwirtschaft machen ihn wĂŒtend. Dennoch versucht er, diplomatisch zu bleiben, die landwirtschaftlichen RealitĂ€ten zu erklĂ€ren und einen gemeinsamen Weg zu finden.

    Was können wir alle zusammen tun, um etwas an der Klimasituation zu verÀndern?

    Ich finde Hoffnung in der nĂ€chsten Generation, weil sie bewusster ist und mehr Ideen dafĂŒr hat, wie wir etwas verĂ€ndern und besser leben können.

    Das macht mir Hoffnung

    Technologie könnte helfen, aber sie wird unsere Seelen nicht retten.

    Auf dem eigenen Hof ist aus seiner Sorge konkretes Handeln geworden. Die Familie installierte Solaranlagen und ein Windrad, begann Elektrofahrzeuge zu nutzen, verringerte die Ammoniakemissionen aus der GĂŒlle, legte BlĂŒhstreifen an und wandelte manche FlĂ€chen in biologische Landwirtschaft und Wald um. Auch die Produktion wird schrittweise reduziert. Das gibt Jens ein besseres GefĂŒhl, weil er in seinem unmittelbaren Umfeld etwas bewirken kann. Gleichzeitig weiß er, dass eine ökologische Umstellung Geld kostet und landwirtschaftliche Betriebe nicht von heute auf morgen verĂ€ndert werden können. Besonders kritisch sieht er die dĂ€nische Überproduktion und den Export von Lebensmitteln um die halbe Welt.

    Durch Verwandte und Reisen nach Honduras hat Jens die zerstörerischen Folgen des Bergbaus, des Bananenanbaus und des ungeschĂŒtzten Pestizideinsatzes unmittelbar gesehen. Darin zeigt sich fĂŒr ihn die Doppelmoral wohlhabender LĂ€nder, die Umweltzerstörung auslagern und anschließend anderen Staaten VorwĂŒrfe machen. Technologie kann seiner Ansicht nach zur VerĂ€nderung beitragen. Er misstraut jedoch Lösungen, die als revolutionĂ€r vermarktet werden, obwohl ihre tatsĂ€chliche Wirkung noch sehr gering ist.

    Sorgen macht ihm auch die Welt, die seine drei Kinder ĂŒbernehmen: eine von Stress und Technologie geprĂ€gte Gesellschaft, in der viele Menschen nicht mehr mithalten können. Seine Karten bilden einen Weg durch diese GefĂŒhle. Und jetzt? steht fĂŒr die Unsicherheit darĂŒber, wie die Natur auf menschliche Eingriffe reagieren wird. Großartig drĂŒckt seine Erleichterung darĂŒber aus, dass das Wissen wĂ€chst und VerĂ€nderung begonnen hat. Endlich beschreibt die Genugtuung, selbst Verantwortung zu ĂŒbernehmen und den Hof in seiner heutigen Form nicht an die nĂ€chste Generation weiterzugeben. Das offene GesprĂ€ch hilft Jens, weiterzudenken und nicht einfach wieder in alte Gewohnheiten zurĂŒckzufallen.

    „Es ist großartig, dass wir uns auf den Weg der VerĂ€nderung gemacht haben.“

    „Wenn man mit Menschen ĂŒber solche Dinge spricht, bewirkt man eine VerĂ€nderung.“

    đŸ‡©đŸ‡° Denmark’s Greenhouse Gas Emissions

    Population 5.98 Million, Europe.

    Key Messages

    • Emissions: Denmark emitted around 46.1 megatonnes CO2e in 2024, about 0.08% of the global total.
    • Per person: That was around 7.7 tonnes per person per year, rated very high on a scale where any level above zero adds warming.
    • Trend: Emissions fell by around 1.11 megatonnes CO2e a year, or 2.21% yearly, over the ten years to 2024-slower than the 4% yearly decline needed globally.
    • What drives it: Fossil and land-use CO2 made up around 67.3% of emissions, methane 22%, nitrous oxide 10.2% and F-gases 0.6%.
    • Historic responsibility: Since 1851, Denmark’s emissions have produced around 7,020 megatonnes CO2e of warming impact, about 0.18% of the global total, or around 10.8 tonnes per person per year.
  • Dirk — Niederlande

    Dirk — Niederlande

    Dirk (24) – Dirks Beziehung zur Klimakrise ist davon geprĂ€gt, dass er in Mexiko aufgewachsen ist, an vielen Orten gelebt hat und erlebt, wie ungleich Belastungen und Verantwortung verteilt sind. In Mexiko wurde der Klimawandel durch heißere Sommer, kĂ€ltere Winter, ausbleibende Regenzeiten und Warnungen der Behörden greifbar. Überschwemmungen nahe Maastricht und Temperaturen von 35 bis 40 Grad zeigten ihm spĂ€ter, dass auch Europa auf wachsende Extreme nicht vorbereitet ist. Was ihn ĂŒberfordert, ist die Kette, die Klima, Abfall, Armut, Ungleichheit und Politik verbindet.

    „Es kann sehr frustrierend sein, so viel in Lateinamerika geschehen zu sehen, wĂ€hrend man hier ein nahezu perfektes Leben fĂŒhrt.“

    Dirk frustrieren kurzlebige Reaktionen. Öffentliche Aufmerksamkeit steigt wie ein Trend auf und verschwindet wieder; Regierungen fĂŒhren Maßnahmen ein, doch die nĂ€chste Ă€ndert erneut die Richtung. Ihm fehlen KontinuitĂ€t und eine stabile Grundlage fĂŒr VerĂ€nderung. Seine Frustration lĂ€hmt ihn jedoch nicht, sondern treibt ihn an. Er möchte Kraft und Einfluss aufbauen, spĂ€ter nach Mexiko zurĂŒckkehren und strukturelle Verbesserungen anstoßen – von saubereren Straßen bis zu besseren Abfallsystemen.

    Im Alltag beginnt er mit dem, was in seiner Reichweite liegt: Radfahren, MĂŒlltrennung, recycelte Produkte, weniger Einwegmaterialien und GesprĂ€che, die Kund:innen zu bewussterem Handeln anregen. Ökologische Haltungen helfen ihm auch, Grenzen in Beziehungen zu ziehen. Wenn Menschen wissentlich Ressourcen verschwenden oder Abfall zurĂŒcklassen, geht er auf Abstand. „Jede Kleinigkeit wird sich zu etwas GrĂ¶ĂŸerem summieren.“

    Seine drei Karten – „MĂŒde“, „Nicht mit mir“ und „Warum nicht?“ – beschreiben wiederkehrende Bewegungen in seinem Leben. „MĂŒde“ steht fĂŒr die Erschöpfung, um Gehör zu kĂ€mpfen. Still zu werden und zurĂŒckzutreten, schĂŒtzt seine Energie: „Man muss auch fĂŒr sich selbst sorgen.“ „Nicht mit mir“ bezeichnet seine Grenze gegenĂŒber rĂŒcksichtslosem Verhalten. „Warum nicht?“ öffnet den Weg: weniger zerdenken, dem ersten Impuls vertrauen, umkehren, die Flasche aufheben und handeln. Gemeinsam fĂŒhren die Karten von Erschöpfung ĂŒber Selbstschutz zu neuer Offenheit.

    Anderen zu helfen und ihre Freude zu sehen, schenkt Dirk Frieden und wirkt heilsam. Er spricht offen ĂŒber schwere persönliche Krisen, AbhĂ€ngigkeit, Rehabilitation und eine lange Zeit, in der er nicht weiterleben wollte. Achtsamkeit und die Arbeit mit dem eigenen Geist halfen ihm, neu anzufangen. In den letzten zwei Jahren habe er das Überleben in ein Leben verwandelt, das er heute als wertvoll empfindet und behalten möchte. Bevor er die Welt verĂ€ndert, will er sich selbst und sein Handeln bewusst wahrnehmen. Was die Menschheit am meisten braucht, ist fĂŒr ihn Selbstwahrnehmung: jeden Schritt zu prĂŒfen und seine Wirkung auf das Ganze zu erkennen.

    “Jede Kleinigkeit trĂ€gt am Ende zu etwas GrĂ¶ĂŸerem bei.”

    Hoffnung: „Mir gibt Hoffnung, dass ich dem nĂ€herkomme, was ich tun möchte – und dass ich mein Leben in etwas Wertvolles verwandelt habe, das ich behalten will.“

  • Patricia — Belgien

    Patricia — Belgien

    Patricia Lopez (25) – ist mit einem Umweltbewusstsein aufgewachsen, das fĂŒr sie von Anfang an praktisch und unmittelbar war. Vor allem ihr Vater lebte ihr dieses Bewusstsein vor: Wenn die Familie an StrĂ€nden oder in Parks unterwegs war, sammelte er herumliegenden MĂŒll auf – auch wenn es nicht ihr eigener war. So lernte Patricia schon frĂŒh, auf ihre Umgebung zu achten. Verantwortung fĂŒr die Umwelt begegnete ihr nicht zuerst als abstraktes Konzept, sondern in einfachen Handlungen: wahrzunehmen, was andere zurĂŒcklassen, und sich darum zu kĂŒmmern.

    Wenn Patricia an den Klimawandel denkt, sieht sie einen EisbĂ€ren allein auf einer kleinen Eisscholle, umgeben von Wasser. Das Bild steht fĂŒr sie dafĂŒr, dass der Lebensraum eines Tieres auseinanderbricht: „Man hat das GefĂŒhl, dass der Ort, an den sie gehören, auseinanderfĂ€llt.“ Darin liegen Einsamkeit und Hilflosigkeit, aber auch menschliche Verantwortung. Tiere und Natur leiden unter VerĂ€nderungen, die sie selbst nicht beeinflussen können, wĂ€hrend der Mensch einen großen Teil der Verantwortung dafĂŒr trĂ€gt.

    In ihrem Freundes- und Familienkreis erlebt Patricia nur selten grundsĂ€tzliche Meinungsverschiedenheiten ĂŒber den Klimawandel. Die meisten erkennen an, dass er real ist und etwas getan werden muss. WidersprĂŒche zeigen sich eher zwischen gemeinsamen Überzeugungen und dem individuellen Handeln: „Wir sind uns alle einig, dass der Klimawandel real ist, aber was wir dagegen tun, geschieht auf sehr unterschiedlichen Ebenen.“ Menschen zu begegnen, die die Krise nicht anerkennen wollen, löst in ihr Überraschung, EnttĂ€uschung und manchmal auch Wut aus. Weil die Klimakrise alle betrifft, kann eine solche GleichgĂŒltigkeit sehr entmutigend wirken.

    Gleichzeitig verbindet Patricia Klimaschutz mit starken Erfahrungen von Gemeinschaft. Sie erinnert sich an Fridays-for-Future-Demonstrationen und an das GefĂŒhl, mit vielen Menschen aus demselben Grund zusammenzukommen: „Wir sind alle gemeinsam hier.“ Auch im Alltag nimmt sie positive VerĂ€nderungen wahr. Veganes Essen und pflanzliche Alternativen sind heute wesentlich leichter zugĂ€nglich. Dadurch wird gesellschaftlicher Wandel sichtbar und erfahrbar.

    Die drei von ihr gewĂ€hlten Karten – „mehr“, „ja“ und „Hilfe“ – bringen Dringlichkeit und Möglichkeit zusammen. „Mehr“ bedeutet mehr Handeln, mehr Menschen, denen das Thema wichtig ist, mehr politische Maßnahmen und Gesetze. Vor allem braucht es fĂŒr Patricia mehr VerstĂ€ndnis, Gemeinschaft und Menschlichkeit: nicht nur fĂŒr sich selbst zu leben, sondern auch fĂŒr andere Sorge zu tragen. „Ja“ steht fĂŒr die bestĂ€rkende Energie gemeinschaftlichen Handelns. „Hilfe“ verweist auf Tiere und Natur, die fĂŒr sie „um Hilfe schreien“ und auf den Schutz durch Menschen angewiesen sind.

    „Wir brauchen mehr Handeln, mehr Menschen, denen es wichtig ist, und mehr Gesetze.“

    „Man lebt nicht nur fĂŒr sich selbst, sondern auch fĂŒr alle anderen.“

    „Wir brauchen mehr Gemeinschaftssinn und mehr Menschlichkeit.“

    Was mir Hoffnung macht:
    „Ich sehe immer mehr GesprĂ€che, engagierte Aktivistinnen und Aktivisten und wirklichen Fortschritt. Auch wenn die Bewegung in Wellen verlĂ€uft, glaube ich, dass sie wieder stĂ€rker werden und weitere VerĂ€nderungen bewirken wird.”

  • Mathieu — Luxemburg

    Mathieu — Luxemburg

    Mathieu Servanton (39) – ist ein französischer Geschichts-, Geografie- und Geopolitiklehrer, der seit zehn Jahren in Luxemburg lebt und arbeitet. Er ist verheiratet und hat zwei kleine Kinder. Der Klimawandel ist ein wichtiger Teil seines Unterrichts. Als Jugendlicher hielt er ökologische Fragen jedoch im Vergleich zu sozialer Ungleichheit, Rassismus oder Feminismus beinahe fĂŒr bedeutungslos: „FĂŒr mich war die ökologische Frage fast wie ein Witz.“ Seine Haltung verĂ€nderte sich allmĂ€hlich durch seine LektĂŒre, die Nachrichten und die Auseinandersetzung mit wissenschaftlichen Daten, steigenden Temperaturen sowie immer hĂ€ufigeren WaldbrĂ€nden und StĂŒrmen.

    Mathieu beobachtet, dass sich das Interesse seiner SchĂŒlerinnen und SchĂŒler verĂ€ndert hat. Rund um Fridays for Future im Jahr 2019 wirkten viele motivierter. Heute sind einige sehr sensibilisiert, wĂ€hrend andere nichts mehr davon hören wollen. Er beschreibt dies als eine Form der VerdrĂ€ngung: Sie wissen, dass etwas Bedrohliches geschieht, doch das Thema erscheint ihnen möglicherweise zu ĂŒberwĂ€ltigend, zu oft wiederholt oder zu weit entfernt. Ihr geringes politisches Interesse macht ihn traurig, zumal er selbst als Jugendlicher politisch aktiv war und Gesellschaft verĂ€ndern wollte. Gleichzeitig versteht er, dass viele vor allem die Schule schaffen und ihren Platz im Leben finden möchten.

    In seiner Familie und im Freundeskreis wird kaum ĂŒber die Klimakrise gesprochen. Mathieu vermutet, dass dieses Schweigen auch mit ihrer gewaltigen Dimension und dem daraus entstehenden GefĂŒhl der Ohnmacht zusammenhĂ€ngt: „Ich glaube, wir mĂŒssen die Gesellschaft verĂ€ndern. Aber wie verĂ€ndert man eine Gesellschaft?“ Individuelles Handeln allein reicht fĂŒr ihn nicht aus. Grundlegende VerĂ€nderungen mĂŒssen durch Regierungen, Parteien, Gewerkschaften und internationale Institutionen – insbesondere die EuropĂ€ische Union – organisiert werden.

    Am meisten beunruhigt ihn der wachsende Widerstand gegen ökologische Maßnahmen. Rechtsextreme Bewegungen nutzen aus seiner Sicht die Angst der Menschen, vertraute Gewohnheiten und Lebensweisen zu verlieren, um notwendige VerĂ€nderungen zu verhindern. Die Klimakrise ist fĂŒr ihn deshalb untrennbar mit dem politischen Ringen um die zukĂŒnftige Gesellschaft verbunden.

    Der Gedanke an die Zukunft seiner Kinder konfrontiert Mathieu mit seiner eigenen Unsicherheit. Sich trotz der Krise fĂŒr Kinder zu entscheiden, ist fĂŒr ihn ein Ausdruck des Vertrauens in die Menschheit: „Wenn wir beschließen, keine Kinder mehr zu bekommen, ist das so, als wĂŒrden wir unseren Glauben an die Menschheit aufgeben.“ Seine Hoffnung ist vorsichtig, nicht naiv. Als Historiker weiß er, dass Menschen immer wieder verheerende Zeiten durchlebt und es dennoch geschafft haben, sich zu organisieren, einander zu unterstĂŒtzen und etwas Besseres aufzubauen. Auch seine ausgewĂ€hlten GefĂŒhlskarten spiegeln diese Überzeugung wider: Die Menschheit muss um Hilfe rufen, erkennen, dass niemand allein handeln kann, und die Gesellschaft gemeinsam verĂ€ndern.

    Emotionale Zitate

    • „Etwas Schlimmes geschieht, aber wir wollen nicht darĂŒber sprechen.“
    • „Mich macht das ziemlich traurig.“
    • „Ich glaube, wir mĂŒssen die Gesellschaft verĂ€ndern. Aber wie verĂ€ndert man eine Gesellschaft?“
    • „Als Einzelne fĂ€llt es uns sehr schwer, darĂŒber zu sprechen – und daran zu glauben, dass wir etwas bewirken können.“
    • „Im Moment habe ich wirklich Angst vor dem, was in Europa geschehen könnte.“
    • „Wenn wir beschließen, keine Kinder mehr zu bekommen, ist das so, als wĂŒrden wir unseren Glauben an die Menschheit aufgeben.“
    • „Wir sollten versuchen, uns zu organisieren und einander zu helfen – als gesamte Menschheit.“
    • „Vielleicht bist du positiver, als du denkst.“ – „Ja, vielleicht.“
    • FĂŒr mich ist es ziemlich traurig zu sehen, wie wenig sich manche jungen Menschen damit auseinandersetzen wollen.

    Was mir Hoffnung macht

    „Die Geschichte macht mir Hoffnung: Selbst in den schwierigsten Zeiten haben es gute Menschen geschafft, sich zu organisieren, einander zu unterstĂŒtzen und etwas Besseres entstehen zu lassen.“

  • Michael — Österreich

    Michael — Österreich

    Michael Mathis (48) – begegnet der Klimakrise mit einer Mischung aus Pessimismus, Frustration, Dankbarkeit und bewusster Zuversicht. Besonders belastet ihn die Haltung, man könne einfach weitermachen wie bisher: konsumieren, fliegen und ausbauen, ohne darĂŒber nachzudenken, was fĂŒr die Menschen nach uns ĂŒbrig bleibt. Als Vater empfindet er dabei eine klare Verantwortung: „Ich will, dass meine Kinder eine Zukunft haben.“

    Sein Bewusstsein fĂŒr die Klimakrise verĂ€nderte sich Mitte zwanzig. Nach seinem Musikstudium und seiner TĂ€tigkeit als Lehrer machte Michael den Hubschrauberschein, weil er als Rettungspilot arbeiten wollte. Durch das Fliegen und den Blick auf die Landschaft wurde ihm der Einfluss des Menschen immer bewusster. FĂŒr ihn lautet die entscheidende Frage nicht, ob die Erde ĂŒberleben wird – sie wird sich verĂ€ndern und anpassen –, sondern ob Menschen auf ihr weiterhin gut leben können.

    Heute kann Michael als GeschĂ€ftsfĂŒhrer des Österreichischen Alpenvereins in Vorarlberg seine Sorgen in konkretes Handeln ĂŒbersetzen. Er beschĂ€ftigt sich mit nachhaltig betriebenen SchutzhĂŒtten, regionalen Lebensmitteln, erneuerbarer Energie und verantwortungsvollem Abfallmanagement. Gleichzeitig sieht er klare Grenzen fĂŒr das weitere Wachstum des Tourismus. Noch mehr Seilbahnen und kĂŒnstliche Attraktionen in Bergen zu errichten, in denen zunehmend der Schnee fehlt, erscheint ihm kurzsichtig und widersinnig. Hier werden seine Frustration und Verzweiflung besonders spĂŒrbar: Es bewegt sich etwas, aber viel zu langsam, wĂ€hrend wirtschaftliche Interessen weiterhin dominieren.

    Seine Sorgen reichen weit ĂŒber die Alpen hinaus. Steigende Temperaturen, zunehmend unbewohnbare Regionen und die daraus entstehenden Fluchtbewegungen ergeben ein Zukunftsbild, das fĂŒr ihn kaum zu fassen ist. Dennoch möchte er sich nicht von der GrĂ¶ĂŸe und KomplexitĂ€t der Krise lĂ€hmen lassen: „Wenn du da zu sehr hineindenkst, wirst du narrisch, weil du einfach keine Antwort auf deine Fragen hast.“ Deshalb konzentriert er sich auf das, was sich im eigenen Umfeld und im eigenen Leben verĂ€ndern lĂ€sst.

    Kraft findet Michael in der Natur. Nach der Arbeit legt er Handy und Computer weg und geht hinaus. Beim Gehen oder Radfahren spĂŒrt er Luft, Sonne, KĂ€lte, WĂ€rme und Wind – und damit sich selbst und den Planeten. Nachhaltigkeit bedeutet fĂŒr ihn keinen Verzicht. Regional einzukaufen, Rad zu fahren und weniger zu konsumieren, macht sein Leben erfĂŒllter: „Mein Leben ist schöner, wenn ich so lebe.“

    Andere Menschen bekehren zu wollen, hat Michael aufgegeben. Er möchte Alternativen vorleben und beharrlich bleiben. Panik lĂ€hmt seiner Ansicht nach, statt VerĂ€nderung auszulösen. Menschen brauchen ein positives Zukunftsbild und das GefĂŒhl, selbst etwas bewirken zu können. Seine grĂ¶ĂŸte Zuversicht schöpft er aus der Jugend, aus der Umweltbildung an Schulen und aus den vielen Vereinen, Unternehmen und Einzelpersonen, die bereits handeln. Trotz aller Verzweiflung sieht er eine wachsende Mehrheit, die versteht, mitdenkt und etwas verĂ€ndern möchte.

    AusgewÀhlte Zitate

    „Ich will, dass meine Kinder eine Zukunft haben.“

    „Mit der Erde geht es schon irgendwie weiter – aber vielleicht ohne Menschheit.“

    „Man muss einfach nur nicht aufhören. Man muss dranbleiben.“

    „Wenn man sich selber spĂŒrt, dann hat man schon richtig viel gewonnen.“

    „Du spĂŒrst den Planeten, das Wetter, die Temperatur und den Wind – du spĂŒrst alles.“

    „Panik bringt keine VerĂ€nderung. Wenn man Panik macht, machen die Leute komplett zu.“

    „Man muss den Leuten Hoffnung geben. Man muss ihnen eine positive Zukunft vor Augen halten.“

    „Mein Leben ist schöner, wenn ich so lebe.“

    Was mir Hoffnung macht

    „Mir macht Hoffnung, dass die Jugend umdenkt und dass Schulen, Vereine, Unternehmen und viele einzelne Menschen bereits handeln. Ich glaube, wir brauchen ein positives Bild der Zukunft – denn aus Hoffnung kann Handlung entstehen.“