Tag: Trauer

  • Kerstin — Österreich

    Kerstin — Österreich

    Kerstin Klocker (26) – Zwischen Wut, Ohnmacht und Hoffnung für ihre Tochter

    Wenn Kerstin intensiv über die Klimakrise nachdenkt, empfindet sie Trauer – und noch stärker Wut auf die Menschheit. Die Veränderungen nimmt sie unmittelbar in Innsbruck wahr, das sie als Betonstadt zwischen den Alpen beschreibt. Besonders während der zunehmend heißen Sommer kann sie nicht verstehen, weshalb weiter gebaut und Boden versiegelt wird, obwohl seit Jahren über die Folgen gesprochen wird.

    Mit ihrer Wut verbindet sich ein starkes Gefühl der Ohnmacht. Kerstin versucht, bewusst und ressourcenschonend zu leben und ihren Müll zu trennen. Gleichzeitig erlebt sie, dass es vielen Menschen in ihrem Umfeld gleichgültig zu sein scheint. Die Ohnmacht spürt sie körperlich als schweren Kloß im Bauch. Jonglieren und Radfahren helfen ihr dabei, ruhiger und entspannter zu werden und zeitweise Abstand von den belastenden Gedanken zu gewinnen.

    Seit Kerstin Mutter ist, haben ihre Trauer und ihre Ängste eine zusätzliche Dimension bekommen. Sie wünscht sich, dass ihre Tochter noch Winter, Schnee und eine schöne Natur erleben kann, so wie sie selbst es erlebt hat. Deshalb versucht sie, ihr früh zu vermitteln, sorgsam mit der Umwelt umzugehen – etwa Müll zu trennen, beim Essen bewusste Entscheidungen zu treffen und weniger mit dem Auto zu fahren. Besonders schmerzhaft ist für Kerstin die Vorstellung, dass auch der Wald verschwinden könnte, denn gerade dort sucht sie Zuflucht, wenn sie traurig ist.

    Es ist ihr wichtig, über Klimagefühle zu sprechen. Neben Krieg, Inflation und anderen Krisen scheint der Klimawandel für sie beinahe in den Hintergrund gerückt zu sein. Er werde zwar erwähnt, doch die Gefühle der Menschen würden kaum thematisiert. Wenn sichtbarer würde, wie es ihnen mit der Klimakrise tatsächlich geht, könnte das Thema wieder stärker ins Bewusstsein rücken und Menschen dazu bewegen, ihr eigenes Verhalten zu verändern.

    Trotz ihrer Angst, dass die bisherigen Anstrengungen nicht ausreichen, erkennt Kerstin auch ihren eigenen Handlungsspielraum. Sie kann ihr Umfeld nicht vollständig verändern, aber bei sich selbst beginnen. Hoffnung findet sie in ihrer Tochter und in der jüngeren Generation: Kinder seien für viele Themen offen, wüchsen teilweise bereits anders auf und zeigten, dass sich schon bei den Jüngsten viel bewegen lässt.

    Zitate

    „Wenn ich viel darüber nachdenke, werde ich traurig. Und wenn ich noch mehr darüber nachdenke, werde ich wütend auf die Menschheit.“

    „Man fühlt sich sehr machtlos. Man kann einen kleinen Beitrag leisten, aber es sind viele Menschen drumherum, denen es wurscht ist.“

    „Ich hätte gerne, dass meine Tochter auch noch den Winter, den Schnee und eine schöne Natur erleben kann.“

    „Ich kann mein Umfeld nicht ändern, aber ich kann mich selber ändern. Das habe ich in der Hand.“

    Hoffnung

    „Hoffnung macht mir meine Tochter. Ich finde, bei ganz Kleinen kann man schon ganz große Sachen bewegen.“

  • Alice — Österreich

    Alice — Österreich

    Alice Klocker (8) – Österreich

    Alice versteht unter Klimawandel, dass sich die Temperaturen durch den Einfluss der Menschen verändern. Für sie ist vor allem wichtig, dass die Welt nicht zu heiß wird. Sie beschreibt das in anschaulichen, kindlichen Bildern: Wenn die Hitze zu stark zunimmt, könnte die Welt „verbrutzeln“ – und mit ihr auch die Menschen.

    Warm zu sein, ist für Alice allerdings nicht grundsätzlich schlecht. Sie mag es, wenn es heiß genug ist, um Eis zu essen, schwimmen zu gehen und draußen zu sein. Unangenehm wird es für sie, wenn die Hitze so groß ist, dass Bewegung und Spielen nicht mehr möglich sind. Dann fühlt es sich an, als würde man schmelzen. Man wird träge, kann nur noch herumliegen und nichts mehr unternehmen. Sehr kalt soll es ebenfalls nicht werden. Ihre ideale Temperatur liegt in der Mitte, allerdings etwas mehr auf der warmen Seite.

    Alice fällt es schwer, dem Klimawandel bestimmte Gefühle zuzuordnen. Bei der Auswahl der Gefühlskarten sagt sie mehrmals, dass sie nicht weiß, welche Karte passt, und am liebsten nur fröhliche Karten nehmen würde. Gleichzeitig fragt sie sich, ob eine fröhliche Karte bedeuten würde, dass sie froh über den Klimawandel sei. Daran zeigt sich, wie schwierig und widersprüchlich die Aufgabe für sie ist. Sie weiß, was Klimawandel bedeutet, und bekommt durch ihre Familie einiges darüber mit. Intensiver beschäftigen möchte sie sich damit jedoch nicht.

    Besonders passend findet Alice die Karte mit dem Satz: „Ich will doch nur spielen.“ Diesen Wunsch verbindet sie unmittelbar mit ihrem Alltag. Wenn es draußen viel zu heiß oder zu kalt ist, können Kinder nicht mehr richtig spielen. Alice wäre lieber draußen, würde sich bewegen und Spaß haben, als über den Klimawandel nachzudenken. Ein gutes Klima bedeutet für sie, dass alltägliche Dinge weiterhin möglich bleiben: spielen, herumlaufen, schwimmen und Eis essen.

    Eine konkrete Quelle der Hoffnung nennt Alice nicht. Ihr zentraler Wunsch ist, dass die Temperaturen nicht extrem werden und sie weiterhin unbeschwert spielen und draußen sein kann.

    Ausgewählte Zitate

    „Das ist so, wenn sich die Temperaturen wegen uns verändern.“

    „Es sollte nicht zu heiß werden, weil sonst die Welt verbrutzelt.“

    „Ich will aus dem Klimawandel raus.“

    „Ich will mich doch einfach nicht damit beschäftigen.“

    „Ich will doch nur spielen.“

  • Sabine — Österreich

    Sabine — Österreich

    Sabine verbindet die Klimakrise vor allem mit Traurigkeit und Wut. Sie kann nicht nachvollziehen, warum viele Menschen weiterhin zuschauen, die Veränderungen leugnen oder das Thema verdrängen, anstatt aktiv zu werden. Wenn sie über die Entwicklungen und die Nachrichten nachdenkt, spürt sie die Belastung auch körperlich – als Unwohlsein im Bauch. Neben Wut und Traurigkeit erlebt sie Angst und ein Gefühl der Ohnmacht angesichts des hohen Tempos, mit dem die Klimakrise voranschreitet.

    Diese Gefühle führen bei Sabine jedoch nicht zum Rückzug. Sie versucht, ihnen durch konkretes Handeln zu begegnen. In ihrer Arbeit greift sie das Thema mit Kindern und Jugendlichen in der Schule auf und ermutigt sie, eigene Handlungsmöglichkeiten zu erkennen und aktiv zu werden. Auch in ihrem Alltag und ihrem persönlichen Umfeld möchte sie ihren Beitrag leisten. Besonders ärgert sie die verbreitete Haltung, als einzelne Person zu klein oder unbedeutend zu sein. Für sie kommt es auf jede und jeden an – Veränderung entsteht auch durch viele einzelne Entscheidungen und Handlungen.

    Gleichzeitig beschäftigt Sabine die Frage, was die heutige Generation ihren Kindern und den kommenden Generationen hinterlässt. Sie befürchtet, dass sich bereits angestoßene Entwicklungen kaum noch aufhalten lassen, wenn die Menschen nicht bald einsichtiger werden und ihr Verhalten verändern. Diese Vorstellung verstärkt ihre Angst und Ohnmacht.

    Hoffnung findet Sabine vor allem bei jungen Menschen. In ihrer Arbeit erlebt sie, dass Kinder und Jugendliche durchaus wahrnehmen, was geschieht, und erkennen, was sie selbst im Kleinen tun können. Sie sieht in der nächsten Generation Menschen, die notwendige Veränderungen verstehen, diese einfordern und mutig Schritte in die Zukunft setzen. Dieses Bild hilft ihr, der Ohnmacht etwas entgegenzustellen und weiterzumachen.

    Zitate

    „Viel Traurigkeit und Wut, weil ich nicht verstehe, dass Menschen immer nur zuschauen und nicht endlich aktiv werden.“

    „Ich würde sagen, es ist im Bauch einfach so ein Unwohlsein.“

    „Ihr müsst verstehen, dass es auf jede und jeden ankommt.“

    „Jeder hat es in der Hand, unsere Welt zu verändern. Jeder kann etwas leisten.“

    Hoffnung

    „Ich habe das Gefühl, dass es in der nächsten Generation einige Menschen gibt, die verstehen, was wir tun können, und das einfordern.“

  • Mathias — Deutschland

    Mathias — Deutschland

    Mathias lebt in der Nähe von Landshut, ist verheiratet, hat zwei Kinder und arbeitet als Ingenieur bei einem Automobilhersteller. Im Alltag bleibt der Klimawandel für ihn meist im Hintergrund. Wahrnehmbar wird er vor allem durch trockenere Wetterverhältnisse und das Gefühl, dass sich die Jahreszeiten verschieben. Andere, unmittelbarere Dinge bestimmen jedoch seinen Alltag. Sein Verhältnis zum Thema habe sich mit dem Alter verändert: Anders als vielleicht mit 15 oder 17 Jahren denke er heute nicht mehr täglich darüber nach, sondern sei stark in Familienleben und alltägliche Verpflichtungen eingebunden.

    Durch seine Kinder wird die Zukunft konkreter. Er wünscht sich, dass sie im Winter weiterhin Schnee erleben und mit einer ähnlichen Vielfalt von Flora und Fauna aufwachsen können wie seine Generation. Die Vorstellung, dass etwa Skifahren künftig nicht mehr selbstverständlich sein könnte, empfindet er als schade. Gleichzeitig geht er davon aus, dass sich die Gesellschaft schrittweise an Veränderungen anpassen muss, die möglicherweise zum Teil nicht mehr umkehrbar sind.

    Die Gefühlskarte „Auch das noch“ bringt seine Wahrnehmung besonders treffend zum Ausdruck. Der Alltag sei bereits voll, und die Klimakrise komme als weiteres großes Problem hinzu, ohne dass sich für den Einzelnen eine eindeutige Handlungsoption anbiete. Daraus entsteht eine gewisse Überforderung: Es fehlt eine unmittelbar sichtbare Verbindung zwischen dem eigenen Tun und einer konkreten Wirkung.

    Einen plötzlichen Zusammenbruch erwartet Mathias dennoch nicht. Er stellt sich die Veränderungen eher langsam und schleichend vor und hofft, dass sich die Menschheit an den eingeschlagenen Weg anpassen kann. Vorsichtig erwägt er, ob einzelne Entwicklungen regional auch positive Seiten haben könnten – etwa bessere Bedingungen für den Weinanbau. Seine Grundstimmung beschreibt er insgesamt als relativ neutral, begleitet von leichtem Unbehagen statt akuter Angst.

    Zugleich nimmt er wahr, dass die Klimakrise medial weniger präsent ist als noch vor einigen Jahren. Kriege, Donald Trump und andere aktuelle Themen hätten sie wieder stärker in den Hintergrund gedrängt. Zuversicht gewinnt er vor allem aus der menschlichen Anpassungsfähigkeit und technischer Erfindungskraft: Wenn Zeit und Handlungsspielraum knapper werden, könnten Menschen kreativer werden und Lösungen wie die CO₂-Abscheidung weiterentwickeln.

    Zitate

    „Der Alltag ist schon recht voll, und man ist eigentlich schon mit den normalen Dingen beschäftigt. Und dann ist eher so das Gefühl: Auch das noch.“

    „Wenn man an die Zukunft denkt, will man schon, dass die Kinder auch noch Schnee haben im Winter und so leben können wie wir – mit Flora und Fauna.“

    „Ich fürchte schon, man muss sich auf diese graduellen Veränderungen jedes Jahr ein bisschen einstellen.“

    „Man hat keine direkte Handlungsoption, wo man als Einzelner sagt: Wenn man jetzt das macht, dann passiert jenes.“

    Was macht mir Hoffnung?

    „Ich bin fest davon überzeugt, dass den Menschen immer etwas einfällt. Je höher der Druck und je knapper die Zeit wird, desto kreativer wird man vielleicht.“

  • Marcella – Polen

    Marcella – Polen

    Marcella erlebt den Klimawandel vor allem durch das zunehmend unberechenbare Wetter. Am Tag des Interviews wirken sich die Kälte und das trübe Wetter unmittelbar auf ihre Stimmung und ihre Energie aus: Sie fühlt sich schlecht, ist müde und würde am liebsten schlafen. Für sie zeigt sich die klimatische Veränderung besonders darin, dass die vertrauten Jahreszeiten verschwinden. Die Winter bringen nicht mehr den anhaltenden Frost, der früher Insekten und Schädlinge eindämmte, während selbst Frühling und Sommer ungewöhnlich kalt bleiben. Diesen Verlust der jahreszeitlichen Verlässlichkeit empfindet sie als beunruhigend.

    Es ist die Angst davor, was morgen, in einer Woche oder in einem Jahr kommen wird.

    Ihre Kindheitserinnerungen bilden einen deutlichen Kontrast zur Gegenwart. Marcella erinnert sich an schneereiche, frostige Winter und schöne, warme Sommer. Die klar voneinander unterscheidbaren Jahreszeiten vermittelten Vertrautheit und Beständigkeit. Der Rückblick löst deshalb vor allem Sehnsucht aus: Sie vermisst das Klima ihrer Kindheit und die Sicherheit, die mit seinem regelmäßigen Rhythmus verbunden war.

    Wenn sie an die Zukunft denkt, steht die Angst im Vordergrund. Überschwemmungen, Hurrikane und andere extreme Wetterereignisse scheinen häufiger zu werden und lassen die Zukunft immer weniger vorhersehbar erscheinen. Ihre Sorge bezieht sich nicht nur auf eine ferne Zukunft, sondern auf die unmittelbare Ungewissheit darüber, was morgen, in einer Woche oder in einem Jahr geschehen könnte.

    Wir haben keinen richtigen Winter mehr, der all die Insekten und alles andere durch den Frost eindämmt.

    Ich hoffe, dass ich im Ruhestand reisen, die Welt entdecken und das Leben genießen kann.

    Trotz dieser Ängste richtet Marcella ihre persönliche Hoffnung auf ein erfülltes zukünftiges Leben. Sie freut sich auf den Ruhestand als eine Zeit, in der sie reisen, die Welt entdecken und das Leben genießen kann. Ihre Hoffnung liegt in der Möglichkeit, trotz der klimatischen Unsicherheit weiterhin Schönheit, Freiheit und Neugier zu erleben.

    Damals hatten wir noch richtige Winter. Es gab viel Schnee und es war frostig. Das vermisse ich.

    🇵🇱 Poland’s Greenhouse Gas Emissions

    Population 38.54 Million, Europe.

    Key Messages

    • Emissions: Poland emitted around 337 megatonnes CO2e in 2024, or 0.59% of the global total.
    • Per person: In 2024, Poland emitted around 8.7 tonnes per person per year, rated very high on a scale where any level above zero adds warming.
    • Trend: Poland’s emissions fell by around 1.1% a year over the ten years to 2024, slower than the 4% yearly decline the world as a whole needs to achieve Net Zero in 2050 and limit warming to around 1.7 °C.
    • What drives it: CO2 made up around 78% of emissions, methane 13%, nitrous oxide 8% and F-gases 1.7%.
    • Historic responsibility: Since 1851, Poland’s emissions have produced around 41,100 megatonnes CO2e of warming impact, 1.05% of the global total, averaging around 8.5 tonnes per person per year and rated very high.
  • Rasa — Litauen

    Rasa — Litauen

    Litauen ist Rasas Zuhause. Sie hat ihr ganzes Leben dort verbracht, fühlt sich ihrer Stadt verbunden und beschreibt ihr gegenwärtiges Leben als emotionale Mischung: „Ein wenig traurig. Ein wenig schwer. Ein wenig glücklich. Von allem etwas.“ Im Mittelpunkt steht ihr kleiner Sohn Dominikas: „Er ist mein Ein und Alles. Er ist mein Leben.“

    Vor ungefähr fünf Jahren nahm Rasa den Klimawandel erstmals deutlich wahr – nicht durch Bücher oder Zeitungen, sondern durch das, was sie unmittelbar um sich herum beobachten konnte: „Er ist hier.“ Für sie zeigen vor allem die verschobenen Jahreszeiten, dass sich etwas verändert. Der Sommer beginnt zu ungewöhnlichen Zeiten, die Kälte hält länger an und die Menschen tragen noch Jacken, obwohl es längst warm sein sollte. Diese Veränderungen bleiben für sie nicht abstrakt. Sie beeinflussen ihrer Ansicht nach sowohl die Natur als auch die Menschen – psychisch und körperlich: „Alles verändert sich. Nicht nur das Klima – die Menschen, die Gefühle, einfach alles.“

    Emotional verbindet Rasa diese Entwicklung vor allem mit Unbehagen und Traurigkeit. Über die Zukunft ihres Sohnes nachzudenken fällt ihr schwer; sie versucht, nicht zu weit vorauszublicken. Gleichzeitig möchte sie sich nicht von der Negativität beherrschen lassen. Positiv zu bleiben erscheint ihr notwendig, weil es ihrer Wahrnehmung nach bereits sehr viele negative Menschen und Stimmungen in der Welt gibt.

    Auch ihre Gefühlskarten spiegeln diese Spannung wider. Eine Karte steht dafür, dass die Situation „nicht lustig“ ist: Wenn sich das Klima weiter verändert, könnten vertraute Sommer und warmes Wetter verloren gehen. Eine andere Karte eröffnet eine leichtere, hoffnungsvollere Möglichkeit – eine Welt, in der die Menschen mehr Verständnis zeigen, keinen Plastikmüll mehr in die Natur werfen und dadurch gemeinsam glücklicher sein können. Die leere Karte wird für Rasa zu einer Art Joker: Situationen und Gefühle können sich verändern. Wenn alles schlecht ist, sind die Menschen traurig; scheint die Sonne, können sie wieder lächeln. Doch dafür muss auch etwas getan werden: „Wir tun nichts dafür, dass es öfter besser als schlechter wird.“

    Rasa sieht durchaus Menschen, die versuchen, ihr Verhalten zu ändern – aber noch sind es nicht genug. Müll wird nicht konsequent getrennt, und als Gesellschaft unternehmen wir zu wenig. Vollkommen hoffnungslos ist die Lage für sie dennoch nicht. Veränderung bleibt möglich, wenn mehr Menschen mitmachen und wir lernen, das Gute zu genießen, ohne die notwendigen Schritte zu verdrängen.

    „Ein wenig traurig. Ein wenig schwer. Ein wenig glücklich. Von allem etwas.“

    „Alles verändert sich. Nicht nur das Klima – die Menschen, die Gefühle, einfach alles.“

    „Der Klimawandel ist hier.“

    „Mein Kind ist mein Ein und Alles. Er ist mein Leben.“

    „Einige Menschen versuchen, es besser zu machen, aber es reicht noch nicht.“

    Vielleicht gibt mir die Hoffnung selbst Hoffnung. Wir brauchen mehr davon – das ist sicher.

  • Virge — Estland

    Virge — Estland

    Virge Connery (42) –

    Virge wurde in Estland geboren und lebte dort bis zu ihrem zwanzigsten Lebensjahr, bevor sie nach Irland zog. Als Psychologin und grundsätzlich optimistischer Mensch begegnet sie dem Klimawandel eher mit Unsicherheit als mit ständiger Angst. Besonders bei ihren Besuchen in Estland nimmt sie Veränderungen wahr: Nach dem Tallinn-Marathon im September 2019 konnte sie noch schwimmen gehen – etwas, das in ihrer Kindheit undenkbar gewesen wäre. Die Wärme fühlte sich angenehm an, zugleich aber auch irritierend: „Etwas stimmt nicht. Das ist nicht normal.“

    Ihr vorherrschendes Gefühl ist Unsicherheit, weil die Zukunft abstrakt bleibt und sich nur schwer beweisen lässt. Eine Freundin, die Gletscher und abgelegene Regionen im Abstand weniger Jahre besuchte, erzählte ihr von unglaublichen Veränderungen und davon, dass es für wirksames Handeln bereits viel zu spät sei. Das macht Virge traurig – vor allem, weil der Klimawandel für sie nicht isoliert betrachtet werden kann. Mit dem Klima verändern sich auch Kulturen, Lebensgrundlagen, Fischerei, Ernährung und wirtschaftliche Strukturen.

    Gleichzeitig sträubt sich etwas in ihr dagegen, zu glauben, dass die Folgen wirklich so schwerwiegend oder unmittelbar eintreten werden. Sie hofft, dass noch mehr Zeit bleibt. Wahrscheinlichkeiten sind keine Gewissheiten, und ihr Optimismus lässt sie daran glauben, dass die Menschheit vielleicht Glück haben könnte. Das Thema bleibt in ihrem Hinterkopf, doch sie möchte sich nicht jeden Tag über etwas aufregen, das sich ihrer Kontrolle zu entziehen scheint.

    Virge hinterfragt, weshalb so viel Verantwortung auf individuelle Gesten gelegt wird, obwohl Regierungen und große Konzerne viel größeren Einfluss haben. Wiederholte Warnungen können wie Predigten wirken, wenn Menschen ständig hören, was sie längst wissen, ohne zu erfahren, was tatsächlich etwas verändern würde. Sichtbare Folgen – etwa schmelzende Gletscher – könnten die abstrakte Krise ihrer Ansicht nach greifbarer machen als Zahlen allein.

    Ihre Gefühlskarten spiegeln diese Ambivalenz wider. „Oops“ steht dafür, dass die Menschheit die Natur bei ihrer Entwicklung unbeabsichtigt geschädigt hat. „Müde“ beschreibt ihre Erschöpfung angesichts einer sich wiederholenden, einseitigen Klimakommunikation. „Alles ist in Ordnung – noch“ verkörpert die beruhigende Hoffnung, dass das Schlimmste nicht unmittelbar bevorsteht.

    Zitate

    • „Etwas geschieht. Etwas ist anders.“
    • „Das Klima verändert sich, Kulturen verändern sich, die Gewohnheiten der Menschen verändern sich. Alles hängt zusammen.“
    • „Warum sollte ich mich über etwas aufregen, wenn ich nichts dagegen tun kann?“
    • „Es ist kein Dialog. Ihr redet auf uns als Kollektiv ein.“
    • „Den Menschen die tatsächlichen Veränderungen zu zeigen, wäre vielleicht der bessere Ansatz.“

    Was mir Hoffnung macht

    „Ich glaube an die Menschheit und an das Gute im Menschen. Wir sind klug und intelligent – wir werden eine Lösung finden.“

  • Rosku — Finnland

    Rosku — Finnland

    Rosku ist Sound Engineer und selbstständig, stammt aus Oulu und lebt seit rund dreizehn Jahren in Helsinki. Die Arbeit mit vorwiegend finnischen Heavy-Metal-Bands bedeutet viele internationale Reisen: Mehr als hundert Tage im Jahr ist Rosku unterwegs und fliegt entsprechend häufig. Daraus entsteht ein Widerspruch, den Rosku nicht verdrängt: Die geliebte Arbeit verursacht zugleich erhebliche CO₂-Emissionen. Als Ausgleich achtet Rosku auf alltägliche Entscheidungen – wohnt in einem umweltfreundlichen Gebäude, ernährt sich vegetarisch, nutzt öffentliche Verkehrsmittel, vermeidet unnötigen Konsum und überlegt, woher Produkte kommen.

    Spürbar wurde der Klimawandel zunächst durch Veränderungen in den eigenen Kindheitserinnerungen. Rosku wurde im November geboren und erinnert sich an Geburtstage mit Schnee. Später wurde dieser immer seltener, bis sein Ausbleiben normal erschien. Eine weitere deutliche Veränderung ist die Ausbreitung von Zecken nach Nordfinnland. Als Kind konnte Rosku sich in den Wäldern um Oulu frei bewegen. Heute gehört beim Aufenthalt in der Natur auch die Sorge vor Zecken und den von ihnen übertragenen Krankheiten dazu. Auch extreme Hitze ist körperlich erfahrbar geworden: Während einer Tournee durch Frankreich und Belgien herrschten 35 Grad, und der Teer der Straße schmolz an Roskus Schuhsohlen.

    Vielleicht wäre es leichter, wenn es mir egal wäre. Aber ich muss mich kümmern, weil wir das alle müssen.

    Ich habe das Gefühl, dass ich beides bin: Teil des Problems und Teil der Lösung.

    Es macht mich traurig, wenn das Gemeinwohl den Interessen Einzelner entgegensteht und sie deshalb schlechte Entscheidungen treffen.

    Im Moment innehalten und etwas so betrachten, wie es ist.

    Das Ausmaß und die Unberechenbarkeit der Krise wirken beängstigend – insbesondere die Frage, ob die Menschheit ihren natürlichen Lebensraum erhalten kann. Traurig macht Rosku, wenn politische und wirtschaftliche Interessen wissenschaftliche Tatsachen überlagern. Besonders schwierig ist es, wenn Menschen aus Sorge um ihre Existenz Entscheidungen treffen, die dem Gemeinwohl widersprechen. Rosku sieht die eigene Verantwortung, ohne zu glauben, individuelles Handeln allein könne genügen. Auf ein eigentlich gewünschtes Auto zu verzichten, fühlt sich nicht wie eine Strafe an, sondern wie ein bewusster Beitrag.

    Trotz der Sorgen blickt Rosku hoffnungsvoll auf Technologie, wachsendes Bewusstsein und strukturelle Veränderungen: Helsinki hat ein kohlebetriebenes Heizkraftwerk geschlossen, neue Technologien entstehen, und Chinas Emissionen könnten allmählich sinken. Doch nach jedem Fortschritt folgt erneut die Frage: „Und jetzt?“ Veränderung bleibt eine fortlaufende Aufgabe.

    Wenn alles zu viel wird, kehrt Rosku zu einfachen Dingen zurück: schlafen, gut essen, sich bewegen, Freunde treffen, Kaffee trinken, Bäume, Architektur, Farben, eine schöne Tür oder eine Blume betrachten. Innezuhalten und etwas so wahrzunehmen, wie es gerade ist, schenkt neue Kraft. Eine technisch aufwendige Bühnenshow kann lange nachwirken – aber ebenso ein Samen, aus dem eine Blume wächst.

    Gute Menschen machen mir Hoffnung – Menschen, die mir in die Augen schauen, lächeln und Hallo sagen; Menschen, die ohne besonderen Grund freundlich zueinander sind.

    Was mir Hoffnung macht

    🇫🇮 Finland’s Greenhouse Gas Emissions

    Population 5.62 Million, Europe.

    Key Messages

    • Emissions: Finland emitted around 88.6 megatonnes CO2e in 2024, around 0.16% of the global total.
    • Per person: Emissions were around 15.8 tonnes per person per year, rated extremely high on a scale where any level above zero adds warming.
    • Trend: Emissions rose by around 0.093 megatonnes CO2e a year over the ten years to 2024, rather than the 4% yearly decline the world as a whole needs to achieve Net Zero in 2050 and limit warming to around 1.7 °C.
    • What drives it: CO2 made up around 86% of emissions, nitrous oxide 7.2%, methane 6.2% and F-gases 0.91%.
    • Historic responsibility: Since 1851, Finland’s emissions have produced around 8,660 megatonnes CO2e of warming impact, around 0.22% of the global total, or around 13.7 tonnes per person per year.
  • Moa — Schweden

    Moa — Schweden

    Moa Holmertz (22) –

    Moa ist 22 Jahre alt und lebt im schwedischen Örebro. Ursprünglich zog sie dorthin, um Medizin zu studieren, erkannte jedoch, dass dieser Weg nicht der richtige für sie war. Heute beschreibt sie sich als junge Frau, die noch herauszufinden versucht, was sie mit ihrem Leben anfangen möchte. Im Moment des Interviews geht es ihr gut: Die Sonne scheint, und draußen ist es warm.

    Ihr Bewusstsein für den Klimawandel ist eng mit den Veränderungen der schwedischen Jahreszeiten verbunden. Sie erinnert sich an den letzten wirklichen Vargavinter – einen „Wolfswinter“ mit anhaltendem Schnee und großer Kälte – um das Jahr 2012. Seither seien die Winter deutlich milder und unbeständiger geworden: Der Schnee bleibt oft nur einige Wochen liegen, bevor er schmilzt, und die Temperaturen wechseln fortwährend zwischen Kälte und Wärme. Auch die Sommer sind unberechenbarer geworden und schwanken zwischen Hitze, Regen und kühleren Phasen.

    Das erste Bild, das Moa mit dem Klimawandel verbindet, ist Feuer: brennende Wälder, Rauch am Himmel und Tiere, die um ihr Leben fliehen. Für sie gleicht diese Szenerie einer Hölle, die bereits hier und jetzt existiert. Dabei empfindet sie weniger Angst oder Trauer als vielmehr Wut. Sie ärgert sich darüber, dass die Verantwortung in der Klimabildung vor allem dem einzelnen Menschen übertragen wird – durch Recycling oder die Wahl anderer Verkehrsmittel –, während mächtige Konzerne und wohlhabende Entscheidungsträger ihrer wesentlich größeren Verantwortung nicht gerecht werden. Wenn Menschen über die notwendigen Mittel verfügen, kann sie nicht verstehen, weshalb sie diese nicht für das Richtige einsetzen.

    Ein anderes Bild macht sie unmittelbar traurig: ein Eisbär auf einer winzigen Eisscholle. Moa spricht voller Bewunderung über seine Größe, Stärke und Schönheit. Gerade deshalb berührt sie seine Hilflosigkeit: Selbst ein so mächtiges Tier kann sich nicht gegen den Klimawandel und den Verlust seines Lebensraums wehren.

    Gleichzeitig beobachtet Moa eine zunehmende Abstumpfung durch die ständige Wiederholung negativer Nachrichten. Irgendwann, sagt sie, hören Menschen auf zu reagieren; jede neue Katastrophe klingt wie dasselbe Lied in Endlosschleife. Deshalb wünscht sie sich mehr Berichte über Lösungen, Erfindungen und Tierpopulationen, die sich wieder erholen. Positive Nachrichten helfen ihr, sich zu entspannen, und erinnern sie daran, dass weiterhin Menschen Gutes bewirken. Dennoch sollen die schwierigen Realitäten nicht verschwiegen werden. Die Welt ist weder nur schwarz noch weiß – notwendig ist ein differenziertes Bild, in dem Fortschritte ebenso vorkommen wie Krisen.

    Ihr Partner ist für Moa ein sicherer Ort, an dem sie ihrer Wut und ihrem Frust Raum geben kann. Auch die hoffnungsvolle Haltung ihres Vaters stärkt sie. Ihre abschließende Botschaft ist zugleich ermutigend und fordernd: Haltet den Kopf oben – aber wenn ihr die Möglichkeit habt, etwas Gutes zu tun, dann tut es.

    Zitate

    „Ich glaube, die Hölle ist ein Ort genau hier und jetzt.“

    „Wenn du die Möglichkeit hast, das Richtige zu tun – warum entscheidest du dich dann nicht dafür?“

    „Es ist so groß und stark, aber selbst dieses Tier kann nicht gegen den Klimawandel kämpfen.“

    „Die Menschen verdienen es, auch gute Dinge zu sehen.“

    „Selbst wenn es stockfinster ist, gibt es noch einige Lichtstrahlen.“

    “Nicht alles ist schlecht – selbst in tiefster Dunkelheit gibt es einige Lichtblicke.”

    Was mir Hoffnung macht

    „Mir macht Hoffnung, dass Menschen weiterhin lernen, kämpfen und sich informieren – und dass sie bereit sind, auf die eine oder andere Weise etwas zum Positiven zu verändern.“

  • Tore — Norwegen

    Tore — Norwegen

    Tore Magnussen (65) –

    Tore lebt in Norwegen und ist heute im Ruhestand. Zuvor arbeitete er als Schlosser und Zimmermann sowie zwanzig Jahre lang bei den norwegischen Streitkräften. Der Klimawandel wurde für ihn nicht durch ein einzelnes dramatisches Ereignis sichtbar. Er zeigte sich schleichend in den Veränderungen jener Landschaft, die Tore seit seiner Kindheit kennt. Besonders während der vergangenen zehn Jahre beobachtete er zunehmend unbeständiges Wetter, Veränderungen des Meereises und das Verschwinden verlässlicher Winter. In manchen Jahren liegen viel Schnee und dickes Eis, in anderen beinahe gar keines. Diese Unberechenbarkeit steht in deutlichem Gegensatz zu den stabilen Jahreszeiten seiner Jugend.

    Diese Veränderungen machen Tore traurig. Regierungen sprechen zwar davon, das Klima zu schützen, und führen Umweltvorschriften ein, untergraben diese Bemühungen jedoch häufig durch ihre eigenen Entscheidungen. Dieser Widerspruch vermittelt ihm das Gefühl, der Kampf könnte bereits verloren sein. Berichte über extreme Hitze in Frankreich und Spanien sowie über die wachsende Zahl von Waldbränden verstärken seine Sorge.

    Gleichzeitig glaubt Tore, dass die ständige Konzentration auf Katastrophen die Menschen emotional überfordern kann. Er erinnert an die erfolgreiche Regeneration des Mjøsa-Sees. Seine Zuflüsse waren früher durch Phosphate belastet, sind heute aber wieder sauber. Für Tore beweist dies, dass geschädigte Ökosysteme sich erholen können. Über solche Erfolge werde jedoch viel seltener berichtet als über negative Entwicklungen. Dadurch würden die Menschen zunehmend negativ aufgeladen und könnten aus dem Blick verlieren, was gemeinsames Handeln bewirken kann.

    Die von Tore ausgewählten Gefühlskarten bringen sowohl seine Sehnsucht als auch seine Frustration zum Ausdruck. Liebe steht für Wärme, Zusammenhalt und die Fähigkeit, gemeinsam etwas Positives zu tun. Menschen können auf ihn zunächst kalt und distanziert wirken, sodass selbst dort Einsamkeit entsteht, wo sich nach einem wirklichen Kontakt große Herzlichkeit zeigen kann. Seine zweite Karte steht für mehr positives Handeln zugunsten der Umwelt und für persönliche Verantwortung. Zu oft erwarteten Menschen Veränderungen von allen anderen, nähmen sich selbst davon jedoch aus.

    Seine stärkste Wut richtet sich gegen Gier und die Zerstörung, die sie verursacht. Der abgeholzte Wald in seiner Nähe sieht für ihn aus, als wäre dort eine Bombe explodiert. Geld, Macht und Tyrannei bedrohen aus seiner Sicht sowohl die Natur als auch den menschlichen Zusammenhalt. Dennoch erkennt Tore Hoffnung in den jüngeren Generationen: Sie wachsen mit einem stärkeren Umweltbewusstsein auf und scheinen eher bereit, Verantwortung zu übernehmen. Angesichts der politischen Entwicklungen bleibt diese Hoffnung fragil. Trotzdem vertraut er darauf, dass Menschen aus ihren Entscheidungen lernen und ihre Richtung wieder ändern können.

    Zitate

    • „Als ich aufgewachsen bin, war es nicht so. Die Winter waren fast immer gleich. Heute ist es kein richtiger Winter mehr.“
    • „Die Zeitungen wollen über das Negative schreiben, negativ, negativ. Dadurch werden wir negativ aufgeladen.“
    • „Es geht um Liebe und vielleicht um Zusammenhalt, damit wir positive Dinge tun können.“
    • „Wir denken immer, alle anderen seien verantwortlich – nur ich nicht. Das ist ein großes Problem.“
    • „Die Welt wird durch Gier, Macht und Tyrannei vollständig zerstört.“

    Was macht mir Hoffnung?

    „Hoffnung geben mir die jungen Menschen, die heute heranwachsen. Sie sind umweltbewusster, und viele von ihnen übernehmen mehr Verantwortung.“