Vielleicht wäre es leichter, wenn es mir egal wäre. Aber ich muss mich kümmern, weil wir das alle müssen.

Rosku

Lohiniva

31

Finnland

Rosku ist Sound Engineer und selbstständig, stammt aus Oulu und lebt seit rund dreizehn Jahren in Helsinki. Die Arbeit mit vorwiegend finnischen Heavy-Metal-Bands bedeutet viele internationale Reisen: mehr als hundert Tage im Jahr ist Rosku unterwegs und fliegt entsprechend häufig.

Daraus entsteht ein Widerspruch, den Rosku nicht verdrängt: Die geliebte Arbeit verursacht zugleich erhebliche CO₂-Emissionen. Als Ausgleich achtet Rosku auf alltägliche Entscheidungen – wohnt in einem umweltfreundlichen Gebäude, ernährt sich vegetarisch, nutzt öffentliche Verkehrsmittel, vermeidet unnötigen Konsum und überlegt, woher Produkte kommen.

Im Moment innehalten und etwas so betrachten, wie es ist.

Spürbar wurde der Klimawandel zunächst durch Veränderungen in den eigenen Kindheitserinnerungen. Rosku wurde im November geboren und erinnert sich an Geburtstage mit Schnee. Später wurde dieser immer seltener, bis sein Ausbleiben normal erschien. Eine weitere deutliche Veränderung ist die Ausbreitung von Zecken nach Nordfinnland. Als Kind konnte Rosku sich in den Wäldern um Oulu frei bewegen. Heute gehört beim Aufenthalt in der Natur auch die Sorge vor Zecken und den von ihnen übertragenen Krankheiten dazu. Auch extreme Hitze ist körperlich erfahrbar geworden: Während einer Tournee durch Frankreich und Belgien herrschten 35 Grad, und der Teer der Straße schmolz an Roskus Schuhsohlen.

Es macht mich traurig, wenn das Gemeinwohl den Interessen Einzelner entgegensteht und sie deshalb schlechte Entscheidungen treffen.

Das Ausmaß und die Unberechenbarkeit der Krise wirken beängstigend – insbesondere die Frage, ob die Menschheit ihren natürlichen Lebensraum erhalten kann. Traurig macht Rosku, wenn politische und wirtschaftliche Interessen wissenschaftliche Tatsachen überlagern. Besonders schwierig ist es, wenn Menschen aus Sorge um ihre Existenz Entscheidungen treffen, die dem Gemeinwohl widersprechen. Rosku sieht die eigene Verantwortung, ohne zu glauben, individuelles Handeln allein könne genügen. Auf ein eigentlich gewünschtes Auto zu verzichten, fühlt sich nicht wie eine Strafe an, sondern wie ein bewusster Beitrag.

Ich habe das Gefühl, dass ich beides bin: Teil des Problems und Teil der Lösung.

Trotz der Sorgen blickt Rosku hoffnungsvoll auf Technologie, wachsendes Bewusstsein und strukturelle Veränderungen: Helsinki hat ein kohlebetriebenes Heizkraftwerk geschlossen, neue Technologien entstehen, und Chinas Emissionen könnten allmählich sinken. Doch nach jedem Fortschritt folgt erneut die Frage: „Und jetzt?“ Veränderung bleibt eine fortlaufende Aufgabe.

Wenn alles zu viel wird, kehrt Rosku zu einfachen Dingen zurück: schlafen, gut essen, sich bewegen, Freunde treffen, Kaffee trinken, Bäume, Architektur, Farben, eine schöne Tür oder eine Blume betrachten. Innezuhalten und etwas so wahrzunehmen, wie es gerade ist, schenkt neue Kraft. Eine technisch aufwendige Bühnenshow kann lange nachwirken – aber ebenso ein Samen, aus dem eine Blume wächst.

Gute Menschen machen mir Hoffnung – Menschen, die mir in die Augen schauen, lächeln und Hallo sagen; Menschen, die ohne besonderen Grund freundlich zueinander sind.