Tag: Überforderung

  • Emilio — Österreich

    Emilio — Österreich

    Emilio Kadet (26) –

    Emilios erstes spontanes Gefühl zur Klimakrise ist Hoffnung. Gleichzeitig entstehen Angst, Frustration, Ohnmacht, Verzweiflung und Traurigkeit, sobald er das größere Ganze betrachtet. Seine Hoffnung beruht auf der Überzeugung, dass vielen Menschen das Klima wichtig ist und daraus bereits eine starke Bewegung entstanden ist. Alltägliche Veränderungen – mehr Menschen, die mit dem Fahrrad oder dem Zug fahren – zeigen ihm, dass ein Wandel stattfindet. Er hofft außerdem, dass klimafreundliche Entscheidungen zunehmend auch wirtschaftlich attraktiver werden und die gesellschaftliche Debatte dadurch weniger verhärtet geführt wird.

    Der unaufhörliche Informationsfluss kann Emilio dennoch überfordern. Er bezeichnet sich als „Bubble Surfer“ und versucht, unterschiedliche Seiten der Berichterstattung wahrzunehmen, besonders beim Blick auf die USA. Meldungen, in denen die Klimakrise abgetan oder jegliches Handeln dagegen abgelehnt wird, empfindet er jedoch als frustrierend. Er nimmt die Nachrichten auf und versucht anschließend, sie wieder ein Stück weit wegzuschieben. Beschäftigt er sich zu intensiv mit dem Weltgeschehen, fühlt er sich ohnmächtig, verzweifelt und traurig. Apokalyptische Zukunftsbilder können ihm den Sinn nehmen und seine Handlungsfähigkeit schwächen. Deshalb ist es für ihn wichtig, mit der Gegenwart verbunden zu bleiben: Die Angst vor der Zukunft soll weder zur Resignation noch zur Gleichgültigkeit führen.

    Die Gefühlskarten spiegeln die Spannung zwischen der Zufriedenheit mit dem eigenen Handeln und der empfundenen Dringlichkeit wider. Mit der Karte „Ich mach’s“ erkennt Emilio an, dass er bereits versucht, seinen Beitrag zu leisten. In seinem persönlichen Leben und seinem unmittelbaren Umfeld ist er weitgehend zufrieden damit, wie er in Bezug auf die Umwelt handelt – auch wenn es immer noch besser gehen könnte.

    Sobald er über den eigenen Wirkungskreis hinausblickt, beginnt diese Zufriedenheit zu schwinden. Das persönliche Handeln erscheint plötzlich unzureichend, und Emilio fragt sich, ob er sich auch beruflich oder politisch stärker engagieren sollte. Er spürt deutlich, dass etwas geschehen muss, weiß aber noch nicht, welche Form sein eigener Beitrag annehmen könnte. Die Karte „Mehr“ steht dabei sowohl für Ungeduld als auch für Möglichkeiten: Es müsste viel mehr passieren, zugleich kann aber auch noch viel mehr entstehen. Dieser Gedanke gibt ihm Energie und lässt ihn eher Antrieb als Erstarrung spüren.

    Das Gespräch öffnet für Emilio neue gedankliche Türen. Er geht mit einem guten Gefühl und mit Neugier daraus hervor – und mit der Bereitschaft, weiter darüber nachzudenken, wo dieses „Mehr“ liegen könnte. Hoffnung wird für ihn vor allem dann greifbar, wenn er konkrete Veränderungen im Hier und Jetzt beobachten kann.

    Zitate

    „Hoffnung. Zumindest das, was mir am meisten Kraft gibt.“

    „Es kommt hinein, aber ich will mich eigentlich nicht zu viel mit dem ganzen Weltgeschehen beschäftigen, weil es zu viel ist.“

    „Ich möchte noch handeln können.“

    „Da geht noch mehr. Nicht sitzenbleiben und nicht stehenbleiben. Also nicht ausrasten und nicht erstarren.“

    Hoffnung

    „Mir macht Hoffnung, wenn ich sehe, dass Dinge umgesetzt werden – politisch oder auch privat –, die der Umwelt helfen. Wenn ein neuer Radlweg entsteht oder Zugnetze und Straßenbahnnetze ausgebaut werden, dann kriege ich Hoffnung, dass da im Hier und Jetzt was gemacht wird.“

  • Anneliese — Deutschland

    Anneliese — Deutschland

    Anneliese erlebt den Klimawandel als bedrückend und stressig. Besonders am Zustand des Waldes nimmt sie seine Auswirkungen wahr. Wenn sie jedoch an ihre Söhne und deren Zukunft denkt, beschäftigt sie die weltpolitische Lage mit Personen wie Trump und Putin noch stärker.

    Die Vielzahl an Krisen und beunruhigenden Nachrichten ist für sie kaum noch auszuhalten. Sie meidet die Medien zunehmend, weil sie nicht mehr versteht, was auf der Welt geschieht und was mit den Menschen los ist. Seit der Coronapandemie hat sich ihr Blick auf die Menschheit verdüstert. Manchmal wünscht sie sich, einfach fortzugehen und in einem Land zu leben, in dem es all diese Probleme nicht gibt. Zugleich weiß sie, dass ein solcher Ort nicht existiert.

    Zitate

    „Ich weiß einfach nicht mehr, was auf der Welt passiert, was mit den Menschen los ist.“

    „Seit Corona zeigt der Mensch seine Fratze.“

    „Manchmal denke ich: Ich will da einfach raus. Aber das geht ja nicht.“

    Hoffnung

    „Ich werde schon irgendwie unbeschadet durchkommen.“

    🇩🇪 Germany’s Greenhouse Gas Emissions

    Population 84.55 Million, Europe.

    Key Messages

    • Emissions: Germany emitted around 669 megatonnes CO2e in 2024, about 1.17% of the global total.
    • Per person: Emissions were around 7.9 tonnes per person per year in 2024, rated very high on a scale where any level above zero adds warming.
    • Trend: Germany’s emissions fell by around 30 megatonnes CO2e a year, or 3.69% yearly, over the ten years to 2024-slower than the 4% yearly global decline needed for Net Zero in 2050 and around 1.7 °C warming.
    • What drives it: CO2 makes up 85% of Germany’s emissions, methane 8.3%, nitrous oxide 4.8% and F-gases 1.5%.
    • Historic responsibility: Since 1851, Germany’s emissions have produced around 112,000 megatonnes CO2e of warming impact, about 2.87% of the global total, averaging around 10.1 tonnes per person per year-rated extremely high.
  • Mathias — Deutschland

    Mathias — Deutschland

    Mathias lebt in der Nähe von Landshut, ist verheiratet, hat zwei Kinder und arbeitet als Ingenieur bei einem Automobilhersteller. Im Alltag bleibt der Klimawandel für ihn meist im Hintergrund. Wahrnehmbar wird er vor allem durch trockenere Wetterverhältnisse und das Gefühl, dass sich die Jahreszeiten verschieben. Andere, unmittelbarere Dinge bestimmen jedoch seinen Alltag. Sein Verhältnis zum Thema habe sich mit dem Alter verändert: Anders als vielleicht mit 15 oder 17 Jahren denke er heute nicht mehr täglich darüber nach, sondern sei stark in Familienleben und alltägliche Verpflichtungen eingebunden.

    Durch seine Kinder wird die Zukunft konkreter. Er wünscht sich, dass sie im Winter weiterhin Schnee erleben und mit einer ähnlichen Vielfalt von Flora und Fauna aufwachsen können wie seine Generation. Die Vorstellung, dass etwa Skifahren künftig nicht mehr selbstverständlich sein könnte, empfindet er als schade. Gleichzeitig geht er davon aus, dass sich die Gesellschaft schrittweise an Veränderungen anpassen muss, die möglicherweise zum Teil nicht mehr umkehrbar sind.

    Die Gefühlskarte „Auch das noch“ bringt seine Wahrnehmung besonders treffend zum Ausdruck. Der Alltag sei bereits voll, und die Klimakrise komme als weiteres großes Problem hinzu, ohne dass sich für den Einzelnen eine eindeutige Handlungsoption anbiete. Daraus entsteht eine gewisse Überforderung: Es fehlt eine unmittelbar sichtbare Verbindung zwischen dem eigenen Tun und einer konkreten Wirkung.

    Einen plötzlichen Zusammenbruch erwartet Mathias dennoch nicht. Er stellt sich die Veränderungen eher langsam und schleichend vor und hofft, dass sich die Menschheit an den eingeschlagenen Weg anpassen kann. Vorsichtig erwägt er, ob einzelne Entwicklungen regional auch positive Seiten haben könnten – etwa bessere Bedingungen für den Weinanbau. Seine Grundstimmung beschreibt er insgesamt als relativ neutral, begleitet von leichtem Unbehagen statt akuter Angst.

    Zugleich nimmt er wahr, dass die Klimakrise medial weniger präsent ist als noch vor einigen Jahren. Kriege, Donald Trump und andere aktuelle Themen hätten sie wieder stärker in den Hintergrund gedrängt. Zuversicht gewinnt er vor allem aus der menschlichen Anpassungsfähigkeit und technischer Erfindungskraft: Wenn Zeit und Handlungsspielraum knapper werden, könnten Menschen kreativer werden und Lösungen wie die CO₂-Abscheidung weiterentwickeln.

    Zitate

    „Der Alltag ist schon recht voll, und man ist eigentlich schon mit den normalen Dingen beschäftigt. Und dann ist eher so das Gefühl: Auch das noch.“

    „Wenn man an die Zukunft denkt, will man schon, dass die Kinder auch noch Schnee haben im Winter und so leben können wie wir – mit Flora und Fauna.“

    „Ich fürchte schon, man muss sich auf diese graduellen Veränderungen jedes Jahr ein bisschen einstellen.“

    „Man hat keine direkte Handlungsoption, wo man als Einzelner sagt: Wenn man jetzt das macht, dann passiert jenes.“

    Was macht mir Hoffnung?

    „Ich bin fest davon überzeugt, dass den Menschen immer etwas einfällt. Je höher der Druck und je knapper die Zeit wird, desto kreativer wird man vielleicht.“

  • Laura — Deutschland

    Laura — Deutschland

    Laura ist Lehrerin für Englisch und Musik am Gymnasium und erst vor Kurzem nach Landshut gezogen. Der Klimakrise begegnet sie mit gemischten Gefühlen, insbesondere mit Frustration, Skepsis und Ohnmacht. Schon während ihres Studiums versuchte sie, umweltbewusst zu leben, sich entsprechend zu ernähren und im Bioladen einzukaufen. Gleichzeitig wurde ihr zunehmend bewusst, dass das Handeln Einzelner nicht ausreicht. Die Bewältigung der Klimakrise müsste für sie ein Gemeinschaftsprojekt sein.

    Im Alltag gelingt es Laura häufig, das Thema zu verdrängen. Durch Nachrichten und wahrnehmbare Veränderungen in der Natur rückt es jedoch immer wieder in ihr Bewusstsein und wird auf Dauer schwer ausblendbar. Sie ist skeptisch, ob die Menschheit rechtzeitig entschlossen handeln wird. Zugleich traut sie Menschen grundsätzlich zu, außergewöhnliche Dinge zu erfinden, zu lernen und Lösungen zu entwickeln. Fortschritte wie der wachsende Anteil an Ökostrom in Deutschland stimmen sie etwas zuversichtlich; dennoch fürchtet sie, dass die Veränderungen zu langsam erfolgen, um eine Katastrophe zu verhindern.

    Wenn sie unmittelbar über die Krise nachdenkt, entstehen Ungeduld und Nervosität. Sie ärgert sich darüber, dass Menschen an vertrauten und bequemen Gewohnheiten festhalten, etwa beim Autofahren im ländlichen Bayern. Dabei erhebt sie sich nicht über andere: Auch bei sich selbst beobachtet sie, dass Stress zu weniger nachhaltiger Ernährung oder einer schnelleren Entscheidung für das Auto führt. Sie sieht alle in einem Strudel aus Alltag, Bequemlichkeit und festgefahrenen Strukturen.

    Mit der Karte „schwindelig“ verbindet Laura die kaum überschaubare Informationsmenge und die Schwierigkeit, einzuordnen, was tatsächlich gefährlich, skandalös oder relevant ist. Die Klimakrise desorientiert sie emotional ebenso wie auf der Ebene der Fakten. „Müde“ steht für ihre Erschöpfung angesichts der Leugnung des Klimawandels und politischer Narrative, besonders von rechten Bewegungen, die durch ständige Wiederholung normalisiert werden. Trotzdem wählte sie auch eine positivere Karte mit einem zufriedenen Menschen. Selbst wenn es möglicherweise erst eine schwere Krise braucht, um die Menschheit aufzurütteln, hält sie gemeinschaftliches Handeln für möglich. Die Corona-Krise hat ihr gezeigt, dass in Krisen auch Zusammenarbeit und gute Lösungen entstehen können.

    Zitate

    „Vor allem auch dieses Gefühl, dass man selber nur so ein Kiesel unter vielen ist.“

    „Die meiste Zeit würde ich eher sagen, man verdrängt es recht gut.“

    „Ich wünschte mir, ich könnte da optimistischer sein.“

    „Es geht nicht alles schnell genug, die Menschen kommen nicht schnell genug in die Gänge.“

    „Also dieses Gefühl der Ohnmacht, das Gefühl, man weiß gar nicht, wo einem der Kopf steht.“

    “Mehr Mut zum Wandel.”

    Was macht dir Hoffnung?

    „Ich glaube, die Menschen haben das Handwerkszeug. Und ich glaube, dass wir Krisen überstehen können.“

    🇩🇪 Germany’s Greenhouse Gas Emissions

    Population 84.55 Million, Europe.

    Key Messages

    • Emissions: Germany emitted around 669 megatonnes CO2e in 2024, about 1.17% of the global total.
    • Per person: Emissions were around 7.9 tonnes per person per year in 2024, rated very high on a scale where any level above zero adds warming.
    • Trend: Germany’s emissions fell by around 30 megatonnes CO2e a year, or 3.69% yearly, over the ten years to 2024-slower than the 4% yearly global decline needed for Net Zero in 2050 and around 1.7 °C warming.
    • What drives it: CO2 makes up 85% of Germany’s emissions, methane 8.3%, nitrous oxide 4.8% and F-gases 1.5%.
    • Historic responsibility: Since 1851, Germany’s emissions have produced around 112,000 megatonnes CO2e of warming impact, about 2.87% of the global total, averaging around 10.1 tonnes per person per year-rated extremely high.
  • Paul — Polen

    Paul — Polen

    Paul erlebt den Klimawandel weniger als eine plötzliche Erkenntnis denn als etwas, das allmählich Teil seines alltäglichen Bewusstseins geworden ist. Einen bestimmten Moment, in dem ihm die Realität des Klimawandels erstmals bewusst wurde, kann er nicht benennen; seine Sorge entwickelte sich vielmehr organisch. Besonders beunruhigt ihn die gesellschaftliche Richtung. Er beobachtet, wie stark sich Menschen auf Geld, Unternehmen, Konsum und gesellschaftlichen Status konzentrieren, während die möglichen Folgen ihres Handelns zu wenig Beachtung finden. Sein stärkstes Klimagefühl ist Angst – das Gefühl, dass die Entwicklung nicht in die richtige Richtung geht und viele Menschen den Ernst der Lage weiterhin nicht wahrnehmen.

    Ich mache mir Sorgen, dass die Menschen dem Klimawandel keine Aufmerksamkeit schenken.

    Wenn diese Angst aufkommt, versucht Paul meist, sich abzulenken und zu beruhigen. Eine feste Strategie hat er nicht. Werden die Gefühle jedoch zu überwältigend, helfen ihm Atemübungen. Auch Meditation und eine Achtsamkeits-App haben ihn zeitweise unterstützt. Diese Übungen lösen die zugrunde liegende Sorge nicht auf, geben ihm aber eine Möglichkeit, mit belastenden Emotionen umzugehen, ohne vollständig von ihnen eingenommen zu werden.

    Wenn es zu überwältigend wird, versuche ich es mit Atemübungen.

    Was macht mir Hoffnung?

    Die Menschen, denen ich begegne, geben mir Hoffnung, dass wir nicht verloren sind – und dass es vielleicht mit jeder nächsten Generation besser wird.

    Die drei von Paul gewählten Karten – „Let’s go“, „Always me“ und „Everything is fine“ – ergeben für ihn eine chronologische Geschichte. „Always me“ steht für die Erfahrung, schwierige Erlebnisse aus seiner Vergangenheit selbst aufarbeiten zu müssen. Seit zwei oder drei Jahren geht er zur Therapie und stellt sich diesen Erfahrungen, auch wenn diese Arbeit nicht leicht ist. „Everything is fine“ beschreibt den Gegensatz zwischen seinem Auftreten nach außen und den Gefühlen, die er in sich trägt.

    „Let’s go“ steht für Bewegung und die Möglichkeit eines Neuanfangs. Paul überlegt, seine erschöpfende Homeoffice-Arbeit in der IT aufzugeben und in den Betrieb des Partners seiner Mutter einzusteigen. Dort könnte er etwas mitgestalten, auf das er unmittelbar Einfluss hat. Diese berufliche Veränderung verbindet er auch mit Verantwortung für das Klima: Er könnte mitentscheiden, welche Materialien verwendet werden, mit wem das Unternehmen zusammenarbeitet und ob diese Geschäftspartner verantwortungsvoll handeln. Ihm geht es nicht darum, ein Imperium aufzubauen, sondern etwas zu schaffen, das funktioniert, Freude macht und ein stabiles Leben ermöglicht.

    Hoffnung findet Paul vor allem in den Menschen, denen er heute begegnet. Ihre Intelligenz, ihre Werte und ihre Entscheidungen bilden einen Gegenpol zu seinem früheren sozialen Umfeld. Sie zeigen ihm, dass die Menschheit vielleicht noch nicht verloren ist und sich mit jeder neuen Generation etwas zum Besseren verändern kann.

    Ich versuche, zu lächeln, mit anderen Menschen in Ordnung zu sein und nicht zu viele Gefühle zu zeigen. Aber in mir kocht alles.

    🇵🇱 Poland’s Greenhouse Gas Emissions

    Population 38.54 Million, Europe.

    Key Messages

    • Emissions: Poland emitted around 337 megatonnes CO2e in 2024, or 0.59% of the global total.
    • Per person: In 2024, Poland emitted around 8.7 tonnes per person per year, rated very high on a scale where any level above zero adds warming.
    • Trend: Poland’s emissions fell by around 1.1% a year over the ten years to 2024, slower than the 4% yearly decline the world as a whole needs to achieve Net Zero in 2050 and limit warming to around 1.7 °C.
    • What drives it: CO2 made up around 78% of emissions, methane 13%, nitrous oxide 8% and F-gases 1.7%.
    • Historic responsibility: Since 1851, Poland’s emissions have produced around 41,100 megatonnes CO2e of warming impact, 1.05% of the global total, averaging around 8.5 tonnes per person per year and rated very high.
  • Anastasya — Ukraine

    Anastasya — Ukraine

    Anastasya erlebt den Klimawandel als etwas Seltsames, Beunruhigendes und Widersprüchliches. Sie beschreibt sich als „aufgeregt“, doch diese Aufregung ist eng mit Unsicherheit und Machtlosigkeit verbunden: Einerseits glaubt sie, etwas verändern zu können, andererseits empfindet sie diese Veränderung als außerhalb ihrer persönlichen Möglichkeiten. Diese Spannung zwischen eigener Verantwortung und begrenztem Einfluss zieht sich durch ihre Gedanken.

    Zum ersten Mal begegnete ihr das Thema in der Schule, in Texten, die im Englischunterricht verwendet wurden. Es weckte ihr Interesse, und sie begann, selbstständig im Internet nach weiteren Informationen zu suchen. Heute ist der Klimawandel für sie nicht mehr abstrakt. Eines der stärksten Bilder, das vor ihrem inneren Auge erscheint, sind tote Fische. Dieses Bild verbindet sich mit Stress und dem Gefühl, keinen ausreichenden Einfluss auf die Entwicklung zu haben.

    Ich weiß nicht, was mit dieser Welt geschehen wird, und das finde ich unheimlich.

    Die Welt ist so seltsam. Ich glaube, ich kann sie verändern, und zugleich habe ich das Gefühl, dass es nicht in meiner Macht liegt, das zu verändern.

    Auch die veränderten Sommer sind Teil ihres Alltags geworden. In ihrer Kindheit bedeutete der Sommer für sie Ruhe und Sicherheit; sie hatte das Gefühl, dass alles in Ordnung sein würde. Heute hält sie die starke Hitze tagsüber meist im Haus. Sie geht nur früh am Morgen oder am Abend hinaus. Diese Veränderungen wirken sich deutlich auf sie aus – und ihrer Wahrnehmung nach ebenso auf ihre Freund:innen, ihre Eltern und andere Menschen in ihrem Umfeld.

    Der Planet braucht meine Unterstützung.

    Am unmittelbarsten fühlt sie sich mit der Karte „creepy“ verbunden. Sie steht für ihre Angst vor einer unvorhersehbaren Zukunft und dafür, nicht zu wissen, was mit der Welt geschehen wird. Das Gefühl zeigt sich auch körperlich als Kribbeln in ihren Händen. Eine zweite Karte wirft die Frage auf: „Muss ich etwas verändern?“ Darin liegt ihr Bewusstsein, dass der Planet Unterstützung braucht, zugleich aber auch ihre Unsicherheit darüber, was sie selbst tatsächlich bewirken kann.

    Auf die Frage nach Hoffnung nennt Anastasya keine konkrete Hoffnungsquelle. Stattdessen betont sie erneut die Bedeutung des Themas und ihr Gefühl, nicht über genügend Wissen oder Kompetenz zu verfügen, um es in einem globaleren Zusammenhang beurteilen zu können.

    Ich glaube, das Thema ist sehr wichtig. Gleichzeitig habe ich das Gefühl, nicht genügend Kompetenz zu besitzen, um darüber in einem globaleren Zusammenhang nachzudenken.

  • Sara — Finnland

    Sara — Finnland

    Man ist weiterhin ein handelnder Mensch, kann Entscheidungen treffen, etwas beginnen und sein Bestes tun.

    Sara ist mit einer Freundin von Finnland nach Oslo unterwegs und legt den größten Teil der Reise per Anhalter zurück. Erste Veränderungen des Klimas bemerkte sie ungefähr im Alter von zehn Jahren, noch bevor sie wusste, wie sie diese benennen sollte: Die Winter wirkten nasser, und zu Weihnachten lag manchmal kein Schnee. Später wurde der Klimawandel regelmäßig in der Schule behandelt, besonders im Englisch- und Schwedischunterricht. Da Sara nicht in einer Großstadt aufwuchs und ihre Familie nur selten Nachrichten sah, kam sie zunächst weniger mit Klimabewegungen in Berührung.

    Wenn sie sich die Zukunft vorstellt, sieht sie Menschen, die ihre Heimat verlassen müssen, weil das Leben dort unerträglich wird. Vor ihrem inneren Auge entstehen große Bewegungen von Klimaflüchtlingen nach Europa, sich ausbreitende Wüsten, schmelzende Gletscher und immer zerstörerischere Wetterereignisse. Diese Bilder lösen Stress und ein unübersichtliches, aufgewühltes Gefühl aus, zugleich aber auch eine gewisse Energie: die Frage, was getan werden muss, wenn sich die Folgen weiter verschärfen. Katastrophenbilder können ihrer Ansicht nach durch ihre ständige Wiederholung abstumpfen. Umso wichtiger sind für sie positive Beispiele und Orte mit gesunder, lebendiger Natur. Dort wird unmittelbar spürbar, was erhalten werden sollte. Das vermittelt ihr Frieden, Sicherheit und das Gefühl, dass es weiterhin eine Zukunft gibt.

    Ich schöpfe Hoffnung daraus, dass das Leben nachwächst, sich erholt und mich überrascht – selbst dort, wo etwas beschädigt wurde, entsteht immer wieder neues Leben.

    Was mir Hoffnung macht

    Dieses Bewusstsein beeinflusst Saras Alltag. Sie vermeidet unnötige Autofahrten, fährt per Anhalter und kauft fast nie neue Dinge. Selbst wenn sie etwas braucht, denkt sie darüber nach, wer es unter welchen Bedingungen hergestellt hat. Sie möchte einen möglichst kleinen negativen Fußabdruck hinterlassen, erlebt dabei jedoch auch Schuldgefühle. Ihre Eltern teilen viele dieser Werte und ernähren sich, auch durch den Einfluss von Sara und ihrer Schwester, zunehmend vegan. Gleichzeitig waren es ihre Eltern, die ihr ursprünglich die tiefe Verbundenheit mit der Natur vermittelt haben.

    In der Schulzeit führten Klimafragen zu Diskussionen und Konflikten. Sara wird bisweilen noch immer wütend, versucht aber zu verstehen, von welchem Ausgangspunkt andere Menschen handeln und welcher Druck hinter Konsum oder dem Wunsch nach Zugehörigkeit stehen kann. Gegenüber politischem Aktivismus ist sie unsicher; ihre Haltung drückt sie momentan vor allem durch persönliche Entscheidungen aus. Sie erkennt, dass sie Verantwortung manchmal vermeidet, weiß aber zugleich, dass sie handeln, etwas beginnen und ihr Möglichstes tun kann.

    Das Vogelhausfestival ihres Onkels steht für die Form des Engagements, die Sara ermutigt: Menschen bauen gemeinsam Vogelhäuser, hören Musik und bringen die Häuser in den Wald. Verantwortung für die Natur wird dadurch konkret, gemeinschaftlich und freudvoll. Auch die Natur selbst schenkt ihr Kraft. Ein Wald kann für sie wie ein begehbares Kunstwerk sein. Selbst wenn ihre Gedanken schwer bleiben, kann ihr Körper die Schönheit eines Sonnenuntergangs oder einer Landschaft noch wahrnehmen. Ebenso wichtig ist ihr echte menschliche Verbundenheit.

    Ich versuche, einen möglichst kleinen negativen Fußabdruck zu hinterlassen.

    🇫🇮 Finland’s Greenhouse Gas Emissions

    Population 5.62 Million, Europe.

    Key Messages

    • Emissions: Finland emitted around 88.6 megatonnes CO2e in 2024, around 0.16% of the global total.
    • Per person: Emissions were around 15.8 tonnes per person per year, rated extremely high on a scale where any level above zero adds warming.
    • Trend: Emissions rose by around 0.093 megatonnes CO2e a year over the ten years to 2024, rather than the 4% yearly decline the world as a whole needs to achieve Net Zero in 2050 and limit warming to around 1.7 °C.
    • What drives it: CO2 made up around 86% of emissions, nitrous oxide 7.2%, methane 6.2% and F-gases 0.91%.
    • Historic responsibility: Since 1851, Finland’s emissions have produced around 8,660 megatonnes CO2e of warming impact, around 0.22% of the global total, or around 13.7 tonnes per person per year.
  • Moa — Schweden

    Moa — Schweden

    Moa Holmertz (22) –

    Moa ist 22 Jahre alt und lebt im schwedischen Örebro. Ursprünglich zog sie dorthin, um Medizin zu studieren, erkannte jedoch, dass dieser Weg nicht der richtige für sie war. Heute beschreibt sie sich als junge Frau, die noch herauszufinden versucht, was sie mit ihrem Leben anfangen möchte. Im Moment des Interviews geht es ihr gut: Die Sonne scheint, und draußen ist es warm.

    Ihr Bewusstsein für den Klimawandel ist eng mit den Veränderungen der schwedischen Jahreszeiten verbunden. Sie erinnert sich an den letzten wirklichen Vargavinter – einen „Wolfswinter“ mit anhaltendem Schnee und großer Kälte – um das Jahr 2012. Seither seien die Winter deutlich milder und unbeständiger geworden: Der Schnee bleibt oft nur einige Wochen liegen, bevor er schmilzt, und die Temperaturen wechseln fortwährend zwischen Kälte und Wärme. Auch die Sommer sind unberechenbarer geworden und schwanken zwischen Hitze, Regen und kühleren Phasen.

    Das erste Bild, das Moa mit dem Klimawandel verbindet, ist Feuer: brennende Wälder, Rauch am Himmel und Tiere, die um ihr Leben fliehen. Für sie gleicht diese Szenerie einer Hölle, die bereits hier und jetzt existiert. Dabei empfindet sie weniger Angst oder Trauer als vielmehr Wut. Sie ärgert sich darüber, dass die Verantwortung in der Klimabildung vor allem dem einzelnen Menschen übertragen wird – durch Recycling oder die Wahl anderer Verkehrsmittel –, während mächtige Konzerne und wohlhabende Entscheidungsträger ihrer wesentlich größeren Verantwortung nicht gerecht werden. Wenn Menschen über die notwendigen Mittel verfügen, kann sie nicht verstehen, weshalb sie diese nicht für das Richtige einsetzen.

    Ein anderes Bild macht sie unmittelbar traurig: ein Eisbär auf einer winzigen Eisscholle. Moa spricht voller Bewunderung über seine Größe, Stärke und Schönheit. Gerade deshalb berührt sie seine Hilflosigkeit: Selbst ein so mächtiges Tier kann sich nicht gegen den Klimawandel und den Verlust seines Lebensraums wehren.

    Gleichzeitig beobachtet Moa eine zunehmende Abstumpfung durch die ständige Wiederholung negativer Nachrichten. Irgendwann, sagt sie, hören Menschen auf zu reagieren; jede neue Katastrophe klingt wie dasselbe Lied in Endlosschleife. Deshalb wünscht sie sich mehr Berichte über Lösungen, Erfindungen und Tierpopulationen, die sich wieder erholen. Positive Nachrichten helfen ihr, sich zu entspannen, und erinnern sie daran, dass weiterhin Menschen Gutes bewirken. Dennoch sollen die schwierigen Realitäten nicht verschwiegen werden. Die Welt ist weder nur schwarz noch weiß – notwendig ist ein differenziertes Bild, in dem Fortschritte ebenso vorkommen wie Krisen.

    Ihr Partner ist für Moa ein sicherer Ort, an dem sie ihrer Wut und ihrem Frust Raum geben kann. Auch die hoffnungsvolle Haltung ihres Vaters stärkt sie. Ihre abschließende Botschaft ist zugleich ermutigend und fordernd: Haltet den Kopf oben – aber wenn ihr die Möglichkeit habt, etwas Gutes zu tun, dann tut es.

    Zitate

    „Ich glaube, die Hölle ist ein Ort genau hier und jetzt.“

    „Wenn du die Möglichkeit hast, das Richtige zu tun – warum entscheidest du dich dann nicht dafür?“

    „Es ist so groß und stark, aber selbst dieses Tier kann nicht gegen den Klimawandel kämpfen.“

    „Die Menschen verdienen es, auch gute Dinge zu sehen.“

    „Selbst wenn es stockfinster ist, gibt es noch einige Lichtstrahlen.“

    “Nicht alles ist schlecht – selbst in tiefster Dunkelheit gibt es einige Lichtblicke.”

    Was mir Hoffnung macht

    „Mir macht Hoffnung, dass Menschen weiterhin lernen, kämpfen und sich informieren – und dass sie bereit sind, auf die eine oder andere Weise etwas zum Positiven zu verändern.“

  • Julia — Dänemark

    Julia — Dänemark

    Julia (45) – arbeitet in Dänemark im Bereich Meeresplastik. Als ausgebildete Geografin beschäftigte sie sich zuvor mit dem Klimawandel, indem sie für Unternehmen und das dänische Energieministerium CO₂-Berechnungen erstellte. Diese Tätigkeit blieb jedoch abstrakt: „Es waren nur Computer und Zahlen.“ Heute kann sie das Problem beim Sammeln von Plastik an Stränden, beim Recycling in der Werkstatt und in der Bildungsarbeit unmittelbar sehen und berühren. Ihre tägliche Arbeit ist konkret und sinnvoll, auch wenn sie sich nicht als große Veränderin der Welt betrachtet: „Es fühlt sich sinnvoll an.“

    „Meine Hoffnung ist, dass wir uns wieder stärker mit der Erde, dem Meer und den natürlichen Systemen verbinden – denn wenn wir ihr Leiden wirklich sehen, werden wir besser auf unseren Planeten achten.“

    Für Julia ist die Klimakrise unübersehbar gegenwärtig – in Überschwemmungen, Bränden, auf Feldern und sogar in den eigenen Gärten. „Ich habe keine schönen Bilder im Kopf. Es ist einfach offensichtlich, dass es außer Kontrolle gerät.“ Ihre tiefste Angst verbindet sich mit ihrem dreijährigen Sohn und der Frage, in welcher Welt er mit zwanzig leben wird. Obwohl er vermutlich in der relativen Sicherheit Dänemarks aufwachsen kann, bleibt in einer global verbundenen Welt kein Land unberührt. „Ich habe wirklich Angst. Wie wird dieser Ort sein, wenn er zwanzig ist?“ Sicherheit bewahrt Menschen weder davor, das weltweite Leid wahrzunehmen, noch vor dem Gefühl, dass große Entwicklungen nicht mehr kontrollierbar sind.

    „Es sind nicht die Kinder oder Jugendlichen, die die Welt kaputtgemacht haben.“

    In ihrer Arbeit mit Schulkindern erlebt Julia, dass Veränderung möglich ist. Zugleich zeigt sich darin eine grundlegende Ungerechtigkeit: Die Erwachsenen haben konsumiert und sind gereist, während junge Menschen nun verzichten und eine Welt reparieren sollen, die sie nicht zerstört haben. Julia glaubt, dass die meisten Menschen füreinander und für den Planeten sorgen wollen. Nachhaltige Entscheidungen werden ihnen jedoch unnötig schwer gemacht. Selbst mit ihrem Wissen über Kreislaufwirtschaft kann sie kaum einkaufen, ohne Plastik mit nach Hause zu bringen. Sorge allein reicht nicht – es braucht Bedingungen, unter denen Menschen ihren Überzeugungen leichter entsprechend handeln können.

    „Es sollte für uns einfach leichter sein, entsprechend unserer Sorgen zu handeln.“

    Ihre drei Gefühlskarten machen ihre innere Spannung sichtbar. Die erste ist ein Hilferuf: Die Menschheit weiß, dass ihre Lebensweise Biodiversität, Meere und Klima schädigt, und macht dennoch beinahe unverändert weiter. „Manchmal möchte ich einfach ‚Hilfe!‘ schreien und vor diesem ganzen Scheiß davonlaufen.“ Die zweite steht für Rückzug. Weil Julia die wissenschaftlichen Folgen kennt und weiß, wie sich Entwicklungen gegenseitig beschleunigen, wird das Ausmaß zeitweise unerträglich: „Manchmal möchte ich einfach nicht darüber reden.“ Die dritte Karte zeigt einen glücklichen, liebenden Menschen. Der Zerstörung des Klimas und der menschlichen Gewalt in Gaza, der Ukraine, im Sudan und anderswo stellt sie ihr unmittelbares Leben gegenüber: Familie, Freundschaften, Sicherheit, schöne Natur, das Meer und das Surfen. „Die meisten Menschen wollen freundlich zueinander sein und sich um den Planeten kümmern.“ Liebe, Gemeinschaft und das offene Sprechen über Gedanken und Gefühle schaffen Verbindung – und ermutigen auch andere, ihre Stimme zu erheben.

    🇩🇰 Denmark’s Greenhouse Gas Emissions

    Population 5.98 Million, Europe.

    Key Messages

    • Emissions: Denmark emitted around 46.1 megatonnes CO2e in 2024, about 0.08% of the global total.
    • Per person: That was around 7.7 tonnes per person per year, rated very high on a scale where any level above zero adds warming.
    • Trend: Emissions fell by around 1.11 megatonnes CO2e a year, or 2.21% yearly, over the ten years to 2024-slower than the 4% yearly decline needed globally.
    • What drives it: Fossil and land-use CO2 made up around 67.3% of emissions, methane 22%, nitrous oxide 10.2% and F-gases 0.6%.
    • Historic responsibility: Since 1851, Denmark’s emissions have produced around 7,020 megatonnes CO2e of warming impact, about 0.18% of the global total, or around 10.8 tonnes per person per year.
  • Dirk — Niederlande

    Dirk — Niederlande

    Dirk (24) – Dirks Beziehung zur Klimakrise ist davon geprägt, dass er in Mexiko aufgewachsen ist, an vielen Orten gelebt hat und erlebt, wie ungleich Belastungen und Verantwortung verteilt sind. In Mexiko wurde der Klimawandel durch heißere Sommer, kältere Winter, ausbleibende Regenzeiten und Warnungen der Behörden greifbar. Überschwemmungen nahe Maastricht und Temperaturen von 35 bis 40 Grad zeigten ihm später, dass auch Europa auf wachsende Extreme nicht vorbereitet ist. Was ihn überfordert, ist die Kette, die Klima, Abfall, Armut, Ungleichheit und Politik verbindet.

    „Es kann sehr frustrierend sein, so viel in Lateinamerika geschehen zu sehen, während man hier ein nahezu perfektes Leben führt.“

    Dirk frustrieren kurzlebige Reaktionen. Öffentliche Aufmerksamkeit steigt wie ein Trend auf und verschwindet wieder; Regierungen führen Maßnahmen ein, doch die nächste ändert erneut die Richtung. Ihm fehlen Kontinuität und eine stabile Grundlage für Veränderung. Seine Frustration lähmt ihn jedoch nicht, sondern treibt ihn an. Er möchte Kraft und Einfluss aufbauen, später nach Mexiko zurückkehren und strukturelle Verbesserungen anstoßen – von saubereren Straßen bis zu besseren Abfallsystemen.

    Im Alltag beginnt er mit dem, was in seiner Reichweite liegt: Radfahren, Mülltrennung, recycelte Produkte, weniger Einwegmaterialien und Gespräche, die Kund:innen zu bewussterem Handeln anregen. Ökologische Haltungen helfen ihm auch, Grenzen in Beziehungen zu ziehen. Wenn Menschen wissentlich Ressourcen verschwenden oder Abfall zurücklassen, geht er auf Abstand. „Jede Kleinigkeit wird sich zu etwas Größerem summieren.“

    Seine drei Karten – „Müde“, „Nicht mit mir“ und „Warum nicht?“ – beschreiben wiederkehrende Bewegungen in seinem Leben. „Müde“ steht für die Erschöpfung, um Gehör zu kämpfen. Still zu werden und zurückzutreten, schützt seine Energie: „Man muss auch für sich selbst sorgen.“ „Nicht mit mir“ bezeichnet seine Grenze gegenüber rücksichtslosem Verhalten. „Warum nicht?“ öffnet den Weg: weniger zerdenken, dem ersten Impuls vertrauen, umkehren, die Flasche aufheben und handeln. Gemeinsam führen die Karten von Erschöpfung über Selbstschutz zu neuer Offenheit.

    Anderen zu helfen und ihre Freude zu sehen, schenkt Dirk Frieden und wirkt heilsam. Er spricht offen über schwere persönliche Krisen, Abhängigkeit, Rehabilitation und eine lange Zeit, in der er nicht weiterleben wollte. Achtsamkeit und die Arbeit mit dem eigenen Geist halfen ihm, neu anzufangen. In den letzten zwei Jahren habe er das Überleben in ein Leben verwandelt, das er heute als wertvoll empfindet und behalten möchte. Bevor er die Welt verändert, will er sich selbst und sein Handeln bewusst wahrnehmen. Was die Menschheit am meisten braucht, ist für ihn Selbstwahrnehmung: jeden Schritt zu prüfen und seine Wirkung auf das Ganze zu erkennen.

    “Jede Kleinigkeit trägt am Ende zu etwas Größerem bei.”

    Hoffnung: „Mir gibt Hoffnung, dass ich dem näherkomme, was ich tun möchte – und dass ich mein Leben in etwas Wertvolles verwandelt habe, das ich behalten will.“