Tag: Generationen

  • Kerstin — Österreich

    Kerstin — Österreich

    Kerstin Klocker (26) – Zwischen Wut, Ohnmacht und Hoffnung für ihre Tochter

    Wenn Kerstin intensiv über die Klimakrise nachdenkt, empfindet sie Trauer – und noch stärker Wut auf die Menschheit. Die Veränderungen nimmt sie unmittelbar in Innsbruck wahr, das sie als Betonstadt zwischen den Alpen beschreibt. Besonders während der zunehmend heißen Sommer kann sie nicht verstehen, weshalb weiter gebaut und Boden versiegelt wird, obwohl seit Jahren über die Folgen gesprochen wird.

    Mit ihrer Wut verbindet sich ein starkes Gefühl der Ohnmacht. Kerstin versucht, bewusst und ressourcenschonend zu leben und ihren Müll zu trennen. Gleichzeitig erlebt sie, dass es vielen Menschen in ihrem Umfeld gleichgültig zu sein scheint. Die Ohnmacht spürt sie körperlich als schweren Kloß im Bauch. Jonglieren und Radfahren helfen ihr dabei, ruhiger und entspannter zu werden und zeitweise Abstand von den belastenden Gedanken zu gewinnen.

    Seit Kerstin Mutter ist, haben ihre Trauer und ihre Ängste eine zusätzliche Dimension bekommen. Sie wünscht sich, dass ihre Tochter noch Winter, Schnee und eine schöne Natur erleben kann, so wie sie selbst es erlebt hat. Deshalb versucht sie, ihr früh zu vermitteln, sorgsam mit der Umwelt umzugehen – etwa Müll zu trennen, beim Essen bewusste Entscheidungen zu treffen und weniger mit dem Auto zu fahren. Besonders schmerzhaft ist für Kerstin die Vorstellung, dass auch der Wald verschwinden könnte, denn gerade dort sucht sie Zuflucht, wenn sie traurig ist.

    Es ist ihr wichtig, über Klimagefühle zu sprechen. Neben Krieg, Inflation und anderen Krisen scheint der Klimawandel für sie beinahe in den Hintergrund gerückt zu sein. Er werde zwar erwähnt, doch die Gefühle der Menschen würden kaum thematisiert. Wenn sichtbarer würde, wie es ihnen mit der Klimakrise tatsächlich geht, könnte das Thema wieder stärker ins Bewusstsein rücken und Menschen dazu bewegen, ihr eigenes Verhalten zu verändern.

    Trotz ihrer Angst, dass die bisherigen Anstrengungen nicht ausreichen, erkennt Kerstin auch ihren eigenen Handlungsspielraum. Sie kann ihr Umfeld nicht vollständig verändern, aber bei sich selbst beginnen. Hoffnung findet sie in ihrer Tochter und in der jüngeren Generation: Kinder seien für viele Themen offen, wüchsen teilweise bereits anders auf und zeigten, dass sich schon bei den Jüngsten viel bewegen lässt.

    Zitate

    „Wenn ich viel darüber nachdenke, werde ich traurig. Und wenn ich noch mehr darüber nachdenke, werde ich wütend auf die Menschheit.“

    „Man fühlt sich sehr machtlos. Man kann einen kleinen Beitrag leisten, aber es sind viele Menschen drumherum, denen es wurscht ist.“

    „Ich hätte gerne, dass meine Tochter auch noch den Winter, den Schnee und eine schöne Natur erleben kann.“

    „Ich kann mein Umfeld nicht ändern, aber ich kann mich selber ändern. Das habe ich in der Hand.“

    Hoffnung

    „Hoffnung macht mir meine Tochter. Ich finde, bei ganz Kleinen kann man schon ganz große Sachen bewegen.“

  • Alice — Österreich

    Alice — Österreich

    Alice Klocker (8) – Österreich

    Alice versteht unter Klimawandel, dass sich die Temperaturen durch den Einfluss der Menschen verändern. Für sie ist vor allem wichtig, dass die Welt nicht zu heiß wird. Sie beschreibt das in anschaulichen, kindlichen Bildern: Wenn die Hitze zu stark zunimmt, könnte die Welt „verbrutzeln“ – und mit ihr auch die Menschen.

    Warm zu sein, ist für Alice allerdings nicht grundsätzlich schlecht. Sie mag es, wenn es heiß genug ist, um Eis zu essen, schwimmen zu gehen und draußen zu sein. Unangenehm wird es für sie, wenn die Hitze so groß ist, dass Bewegung und Spielen nicht mehr möglich sind. Dann fühlt es sich an, als würde man schmelzen. Man wird träge, kann nur noch herumliegen und nichts mehr unternehmen. Sehr kalt soll es ebenfalls nicht werden. Ihre ideale Temperatur liegt in der Mitte, allerdings etwas mehr auf der warmen Seite.

    Alice fällt es schwer, dem Klimawandel bestimmte Gefühle zuzuordnen. Bei der Auswahl der Gefühlskarten sagt sie mehrmals, dass sie nicht weiß, welche Karte passt, und am liebsten nur fröhliche Karten nehmen würde. Gleichzeitig fragt sie sich, ob eine fröhliche Karte bedeuten würde, dass sie froh über den Klimawandel sei. Daran zeigt sich, wie schwierig und widersprüchlich die Aufgabe für sie ist. Sie weiß, was Klimawandel bedeutet, und bekommt durch ihre Familie einiges darüber mit. Intensiver beschäftigen möchte sie sich damit jedoch nicht.

    Besonders passend findet Alice die Karte mit dem Satz: „Ich will doch nur spielen.“ Diesen Wunsch verbindet sie unmittelbar mit ihrem Alltag. Wenn es draußen viel zu heiß oder zu kalt ist, können Kinder nicht mehr richtig spielen. Alice wäre lieber draußen, würde sich bewegen und Spaß haben, als über den Klimawandel nachzudenken. Ein gutes Klima bedeutet für sie, dass alltägliche Dinge weiterhin möglich bleiben: spielen, herumlaufen, schwimmen und Eis essen.

    Eine konkrete Quelle der Hoffnung nennt Alice nicht. Ihr zentraler Wunsch ist, dass die Temperaturen nicht extrem werden und sie weiterhin unbeschwert spielen und draußen sein kann.

    Ausgewählte Zitate

    „Das ist so, wenn sich die Temperaturen wegen uns verändern.“

    „Es sollte nicht zu heiß werden, weil sonst die Welt verbrutzelt.“

    „Ich will aus dem Klimawandel raus.“

    „Ich will mich doch einfach nicht damit beschäftigen.“

    „Ich will doch nur spielen.“

  • Sabine — Österreich

    Sabine — Österreich

    Sabine verbindet die Klimakrise vor allem mit Traurigkeit und Wut. Sie kann nicht nachvollziehen, warum viele Menschen weiterhin zuschauen, die Veränderungen leugnen oder das Thema verdrängen, anstatt aktiv zu werden. Wenn sie über die Entwicklungen und die Nachrichten nachdenkt, spürt sie die Belastung auch körperlich – als Unwohlsein im Bauch. Neben Wut und Traurigkeit erlebt sie Angst und ein Gefühl der Ohnmacht angesichts des hohen Tempos, mit dem die Klimakrise voranschreitet.

    Diese Gefühle führen bei Sabine jedoch nicht zum Rückzug. Sie versucht, ihnen durch konkretes Handeln zu begegnen. In ihrer Arbeit greift sie das Thema mit Kindern und Jugendlichen in der Schule auf und ermutigt sie, eigene Handlungsmöglichkeiten zu erkennen und aktiv zu werden. Auch in ihrem Alltag und ihrem persönlichen Umfeld möchte sie ihren Beitrag leisten. Besonders ärgert sie die verbreitete Haltung, als einzelne Person zu klein oder unbedeutend zu sein. Für sie kommt es auf jede und jeden an – Veränderung entsteht auch durch viele einzelne Entscheidungen und Handlungen.

    Gleichzeitig beschäftigt Sabine die Frage, was die heutige Generation ihren Kindern und den kommenden Generationen hinterlässt. Sie befürchtet, dass sich bereits angestoßene Entwicklungen kaum noch aufhalten lassen, wenn die Menschen nicht bald einsichtiger werden und ihr Verhalten verändern. Diese Vorstellung verstärkt ihre Angst und Ohnmacht.

    Hoffnung findet Sabine vor allem bei jungen Menschen. In ihrer Arbeit erlebt sie, dass Kinder und Jugendliche durchaus wahrnehmen, was geschieht, und erkennen, was sie selbst im Kleinen tun können. Sie sieht in der nächsten Generation Menschen, die notwendige Veränderungen verstehen, diese einfordern und mutig Schritte in die Zukunft setzen. Dieses Bild hilft ihr, der Ohnmacht etwas entgegenzustellen und weiterzumachen.

    Zitate

    „Viel Traurigkeit und Wut, weil ich nicht verstehe, dass Menschen immer nur zuschauen und nicht endlich aktiv werden.“

    „Ich würde sagen, es ist im Bauch einfach so ein Unwohlsein.“

    „Ihr müsst verstehen, dass es auf jede und jeden ankommt.“

    „Jeder hat es in der Hand, unsere Welt zu verändern. Jeder kann etwas leisten.“

    Hoffnung

    „Ich habe das Gefühl, dass es in der nächsten Generation einige Menschen gibt, die verstehen, was wir tun können, und das einfordern.“

  • Jule — Deutschland

    Jule — Deutschland

    Jule ist Mutter von zwei Kindern, wird bald heiraten und arbeitet als pädagogische Leitung in einem Gehörlosenverband. Sie reist gerne und macht Yoga, auch wenn ihr Familienalltag momentan nur wenig Zeit für ihre vielen Interessen lässt.

    Der Klimawandel ist für Jule schwer zu greifen. Am deutlichsten begegnet er ihr in alltäglichen Entscheidungen und den Diskussionen darüber. Ein Beispiel ist das Fliegen: Ihr sind die Auswirkungen bewusst, doch eine Zugreise ist häufig erheblich teurer – besonders für eine Familie. Dadurch gerät sie zwischen persönliche Wünsche, finanzielle Möglichkeiten und ein wachsendes schlechtes Gewissen. Dass die klimafreundlichere Möglichkeit oft die weniger leistbare ist, empfindet sie als falsch.

    Man hat schon ein schlechtes Gewissen mittlerweile.

    Unmittelbarer nimmt sie die Veränderungen durch das Verschwinden der Winter wahr, die sie aus ihrer Kindheit kennt. In Rosenheim spielte sie in großen Schneebergen und baute Iglus. Heute rieselt es manchmal nur noch ein wenig. Das prägt auch die Diskussionen in ihrer Familie über Skifahren und künstliche Beschneiung. Jule versteht die Kritik, doch das Skifahren gehört für sie zu ihrer Kindheit und zu der Region, in der sie aufgewachsen ist. Sie möchte, dass ihre Kinder es lernen, solange es noch möglich ist, und eigene Erinnerungen daran entwickeln können.

    Obwohl ihr die Zukunft Sorgen bereitet, möchte Jule nicht, dass diese Unsicherheit bereits die Gegenwart ihrer Kinder bestimmt. Sie werden sich zwangsläufig auf veränderte Bedingungen einstellen müssen. Die Angst davor soll sie jedoch nicht daran hindern, jetzt eine schöne Kindheit zu erleben.

    Die ständige Flut negativer Nachrichten macht Jule wütend und frustriert sie – besonders wenn ihr politische Entscheidungen unlogisch erscheinen und die eigenen Einflussmöglichkeiten begrenzt wirken. Deshalb schränkt sie ihren Medienkonsum bewusst ein und informiert sich gezielt. Ihre knappe Zeit und Energie investiert sie lieber in ihre Kinder und in ein stabiles Familienleben.

    Ihre Karten spiegeln diese Spannung wider. „Ups“ steht für Momente, in denen ihr plötzlich die Klimawirkung von etwas bewusst wird, das sie gerne tut. „Gruselig“ sind die möglichen Entwicklungen, besonders mit Blick auf ihre Kinder und spätere Generationen. Mit „nicht so schlimm“ versucht sie zugleich darauf zu vertrauen, dass Menschen umdenken und andere Wege finden werden.

    Mir geht es darum, dass meine Kinder eine schöne Kindheit haben – jetzt und nicht erst in zehn Jahren.

    Hoffnung macht mir, dass man sich ein Umfeld aufbaut, in dem es einem gut geht, egal was passiert – mit seinen Menschen, seiner Familie. In einem Wort: Liebe.

    Was macht mir Hoffnung?

    🇩🇪 Germany’s Greenhouse Gas Emissions

    Population 84.55 Million, Europe.

    Key Messages

    • Emissions: Germany emitted around 669 megatonnes CO2e in 2024, about 1.17% of the global total.
    • Per person: Emissions were around 7.9 tonnes per person per year in 2024, rated very high on a scale where any level above zero adds warming.
    • Trend: Germany’s emissions fell by around 30 megatonnes CO2e a year, or 3.69% yearly, over the ten years to 2024-slower than the 4% yearly global decline needed for Net Zero in 2050 and around 1.7 °C warming.
    • What drives it: CO2 makes up 85% of Germany’s emissions, methane 8.3%, nitrous oxide 4.8% and F-gases 1.5%.
    • Historic responsibility: Since 1851, Germany’s emissions have produced around 112,000 megatonnes CO2e of warming impact, about 2.87% of the global total, averaging around 10.1 tonnes per person per year-rated extremely high.
  • Anneliese — Deutschland

    Anneliese — Deutschland

    Anneliese erlebt den Klimawandel als bedrückend und stressig. Besonders am Zustand des Waldes nimmt sie seine Auswirkungen wahr. Wenn sie jedoch an ihre Söhne und deren Zukunft denkt, beschäftigt sie die weltpolitische Lage mit Personen wie Trump und Putin noch stärker.

    Die Vielzahl an Krisen und beunruhigenden Nachrichten ist für sie kaum noch auszuhalten. Sie meidet die Medien zunehmend, weil sie nicht mehr versteht, was auf der Welt geschieht und was mit den Menschen los ist. Seit der Coronapandemie hat sich ihr Blick auf die Menschheit verdüstert. Manchmal wünscht sie sich, einfach fortzugehen und in einem Land zu leben, in dem es all diese Probleme nicht gibt. Zugleich weiß sie, dass ein solcher Ort nicht existiert.

    Zitate

    „Ich weiß einfach nicht mehr, was auf der Welt passiert, was mit den Menschen los ist.“

    „Seit Corona zeigt der Mensch seine Fratze.“

    „Manchmal denke ich: Ich will da einfach raus. Aber das geht ja nicht.“

    Hoffnung

    „Ich werde schon irgendwie unbeschadet durchkommen.“

    🇩🇪 Germany’s Greenhouse Gas Emissions

    Population 84.55 Million, Europe.

    Key Messages

    • Emissions: Germany emitted around 669 megatonnes CO2e in 2024, about 1.17% of the global total.
    • Per person: Emissions were around 7.9 tonnes per person per year in 2024, rated very high on a scale where any level above zero adds warming.
    • Trend: Germany’s emissions fell by around 30 megatonnes CO2e a year, or 3.69% yearly, over the ten years to 2024-slower than the 4% yearly global decline needed for Net Zero in 2050 and around 1.7 °C warming.
    • What drives it: CO2 makes up 85% of Germany’s emissions, methane 8.3%, nitrous oxide 4.8% and F-gases 1.5%.
    • Historic responsibility: Since 1851, Germany’s emissions have produced around 112,000 megatonnes CO2e of warming impact, about 2.87% of the global total, averaging around 10.1 tonnes per person per year-rated extremely high.
  • Mathias — Deutschland

    Mathias — Deutschland

    Mathias lebt in der Nähe von Landshut, ist verheiratet, hat zwei Kinder und arbeitet als Ingenieur bei einem Automobilhersteller. Im Alltag bleibt der Klimawandel für ihn meist im Hintergrund. Wahrnehmbar wird er vor allem durch trockenere Wetterverhältnisse und das Gefühl, dass sich die Jahreszeiten verschieben. Andere, unmittelbarere Dinge bestimmen jedoch seinen Alltag. Sein Verhältnis zum Thema habe sich mit dem Alter verändert: Anders als vielleicht mit 15 oder 17 Jahren denke er heute nicht mehr täglich darüber nach, sondern sei stark in Familienleben und alltägliche Verpflichtungen eingebunden.

    Durch seine Kinder wird die Zukunft konkreter. Er wünscht sich, dass sie im Winter weiterhin Schnee erleben und mit einer ähnlichen Vielfalt von Flora und Fauna aufwachsen können wie seine Generation. Die Vorstellung, dass etwa Skifahren künftig nicht mehr selbstverständlich sein könnte, empfindet er als schade. Gleichzeitig geht er davon aus, dass sich die Gesellschaft schrittweise an Veränderungen anpassen muss, die möglicherweise zum Teil nicht mehr umkehrbar sind.

    Die Gefühlskarte „Auch das noch“ bringt seine Wahrnehmung besonders treffend zum Ausdruck. Der Alltag sei bereits voll, und die Klimakrise komme als weiteres großes Problem hinzu, ohne dass sich für den Einzelnen eine eindeutige Handlungsoption anbiete. Daraus entsteht eine gewisse Überforderung: Es fehlt eine unmittelbar sichtbare Verbindung zwischen dem eigenen Tun und einer konkreten Wirkung.

    Einen plötzlichen Zusammenbruch erwartet Mathias dennoch nicht. Er stellt sich die Veränderungen eher langsam und schleichend vor und hofft, dass sich die Menschheit an den eingeschlagenen Weg anpassen kann. Vorsichtig erwägt er, ob einzelne Entwicklungen regional auch positive Seiten haben könnten – etwa bessere Bedingungen für den Weinanbau. Seine Grundstimmung beschreibt er insgesamt als relativ neutral, begleitet von leichtem Unbehagen statt akuter Angst.

    Zugleich nimmt er wahr, dass die Klimakrise medial weniger präsent ist als noch vor einigen Jahren. Kriege, Donald Trump und andere aktuelle Themen hätten sie wieder stärker in den Hintergrund gedrängt. Zuversicht gewinnt er vor allem aus der menschlichen Anpassungsfähigkeit und technischer Erfindungskraft: Wenn Zeit und Handlungsspielraum knapper werden, könnten Menschen kreativer werden und Lösungen wie die CO₂-Abscheidung weiterentwickeln.

    Zitate

    „Der Alltag ist schon recht voll, und man ist eigentlich schon mit den normalen Dingen beschäftigt. Und dann ist eher so das Gefühl: Auch das noch.“

    „Wenn man an die Zukunft denkt, will man schon, dass die Kinder auch noch Schnee haben im Winter und so leben können wie wir – mit Flora und Fauna.“

    „Ich fürchte schon, man muss sich auf diese graduellen Veränderungen jedes Jahr ein bisschen einstellen.“

    „Man hat keine direkte Handlungsoption, wo man als Einzelner sagt: Wenn man jetzt das macht, dann passiert jenes.“

    Was macht mir Hoffnung?

    „Ich bin fest davon überzeugt, dass den Menschen immer etwas einfällt. Je höher der Druck und je knapper die Zeit wird, desto kreativer wird man vielleicht.“

  • Adelá — Tschechien

    Adelá — Tschechien

    Adelá studiert im Master NGOs und Zivilgesellschaft in Prag und hat zuvor Internationale Beziehungen und Journalismus studiert. Der Klimawandel wirkt auf sie beängstigend, wurde für sie jedoch erst zu einem unmittelbareren Thema, als ihre Schwester vegan wurde und mit ihr über die ökologischen Folgen der Fleisch- und Milchindustrie sprach. Seitdem beschäftigt sie sich bewusster mit Konsum, Ernährung und den politischen Entscheidungen rund um die Klimakrise.

    Ihre Sorge wird durch die politische Situation in Tschechien verstärkt. Sie findet es frustrierend, dass Parteien, die Umweltmaßnahmen ablehnen, auch von jungen Menschen gewählt werden. Zugleich kann sich eine Stimme für jene Partei, die ihre Werte am besten vertritt, wegen deren geringer Zustimmung wirkungslos anfühlen. Wirtschaftlicher Druck, Kriege und steigende Lebensmittelpreise verleiten viele Menschen dazu, die Vergangenheit zu idealisieren und Veränderungen abzulehnen. Der Klimawandel wird bestritten, obwohl Adelá seine Auswirkungen wahrnimmt: In ihrem Heimatdorf gehörten Snowboarden und Eislaufen auf dem Fluss früher selbstverständlich zum Winter; heute fehlt häufig selbst natürlicher Schnee.

    Der Klimawandel ist für uns alle irgendwie beängstigend.

    Vielleicht sind es die Menschen, mit denen ich mich umgebe – sie sind sich sehr bewusst, was sie tun und welche Auswirkungen ihr Handeln hat. Vielleicht könnte unsere Generation die Hoffnung sein.

    Was macht dir Hoffnung?

    Beim Blick in die Zukunft empfindet Adelá Angst, bleibt aber grundsätzlich optimistisch. Sie hofft, dass die Menschen die Krise anerkennen und die Bemühungen der Europäischen Union unterstützen werden. Gleichzeitig nimmt sie wachsenden Widerstand und eine zunehmend östlich orientierte politische Stimmung in Tschechien wahr.

    Die Karten spiegeln diese emotionale Spannung. Ein positives Bild verbindet sie mit Prags Secondhandläden und Märkten. Eine weitere Karte steht dafür, dass umweltbewusste Menschen häufig als verrückt oder heuchlerisch abgewertet werden, sobald sie nicht vollkommen konsequent handeln. Die letzte Karte verkörpert Verwirrung und schwankende Hoffnung: Politische Rückschritte entmutigen sie, dennoch könnte sich die Entwicklung wieder zum Positiven wenden.

    Manchmal denken Menschen, sie müssten alles zu hundert Prozent richtig machen. Aber das können wir nicht alle.

    Im Alltag meidet Adelá Fast Fashion wie Shein, kauft möglichst gebraucht, sammelt Müll in der Natur auf und achtet auf die Folgen ihres Handelns. Als Studentin kann sie sich lokale Lebensmittel jedoch nicht immer leisten. Sie lehnt den Anspruch vollkommener Konsequenz ab und hält auch realistische Teilschritte für wertvoll. Bewusste Gespräche über Klimagefühle – besonders in Schulen – könnten Menschen zum Innehalten und Nachdenken bringen, ohne die gesellschaftlichen Gräben durch Wut weiter zu vertiefen.

  • Rasa — Litauen

    Rasa — Litauen

    Litauen ist Rasas Zuhause. Sie hat ihr ganzes Leben dort verbracht, fühlt sich ihrer Stadt verbunden und beschreibt ihr gegenwärtiges Leben als emotionale Mischung: „Ein wenig traurig. Ein wenig schwer. Ein wenig glücklich. Von allem etwas.“ Im Mittelpunkt steht ihr kleiner Sohn Dominikas: „Er ist mein Ein und Alles. Er ist mein Leben.“

    Vor ungefähr fünf Jahren nahm Rasa den Klimawandel erstmals deutlich wahr – nicht durch Bücher oder Zeitungen, sondern durch das, was sie unmittelbar um sich herum beobachten konnte: „Er ist hier.“ Für sie zeigen vor allem die verschobenen Jahreszeiten, dass sich etwas verändert. Der Sommer beginnt zu ungewöhnlichen Zeiten, die Kälte hält länger an und die Menschen tragen noch Jacken, obwohl es längst warm sein sollte. Diese Veränderungen bleiben für sie nicht abstrakt. Sie beeinflussen ihrer Ansicht nach sowohl die Natur als auch die Menschen – psychisch und körperlich: „Alles verändert sich. Nicht nur das Klima – die Menschen, die Gefühle, einfach alles.“

    Emotional verbindet Rasa diese Entwicklung vor allem mit Unbehagen und Traurigkeit. Über die Zukunft ihres Sohnes nachzudenken fällt ihr schwer; sie versucht, nicht zu weit vorauszublicken. Gleichzeitig möchte sie sich nicht von der Negativität beherrschen lassen. Positiv zu bleiben erscheint ihr notwendig, weil es ihrer Wahrnehmung nach bereits sehr viele negative Menschen und Stimmungen in der Welt gibt.

    Auch ihre Gefühlskarten spiegeln diese Spannung wider. Eine Karte steht dafür, dass die Situation „nicht lustig“ ist: Wenn sich das Klima weiter verändert, könnten vertraute Sommer und warmes Wetter verloren gehen. Eine andere Karte eröffnet eine leichtere, hoffnungsvollere Möglichkeit – eine Welt, in der die Menschen mehr Verständnis zeigen, keinen Plastikmüll mehr in die Natur werfen und dadurch gemeinsam glücklicher sein können. Die leere Karte wird für Rasa zu einer Art Joker: Situationen und Gefühle können sich verändern. Wenn alles schlecht ist, sind die Menschen traurig; scheint die Sonne, können sie wieder lächeln. Doch dafür muss auch etwas getan werden: „Wir tun nichts dafür, dass es öfter besser als schlechter wird.“

    Rasa sieht durchaus Menschen, die versuchen, ihr Verhalten zu ändern – aber noch sind es nicht genug. Müll wird nicht konsequent getrennt, und als Gesellschaft unternehmen wir zu wenig. Vollkommen hoffnungslos ist die Lage für sie dennoch nicht. Veränderung bleibt möglich, wenn mehr Menschen mitmachen und wir lernen, das Gute zu genießen, ohne die notwendigen Schritte zu verdrängen.

    „Ein wenig traurig. Ein wenig schwer. Ein wenig glücklich. Von allem etwas.“

    „Alles verändert sich. Nicht nur das Klima – die Menschen, die Gefühle, einfach alles.“

    „Der Klimawandel ist hier.“

    „Mein Kind ist mein Ein und Alles. Er ist mein Leben.“

    „Einige Menschen versuchen, es besser zu machen, aber es reicht noch nicht.“

    Vielleicht gibt mir die Hoffnung selbst Hoffnung. Wir brauchen mehr davon – das ist sicher.

  • Saulius — Litauen

    Saulius — Litauen

    Saulius Bagdonavičius (53) – beschreibt sich zunächst und vor allem als Mensch. Er wurde unweit des litauischen Dorfes geboren, in dem er heute lebt und eine historische Station für Reisende mit Wohnmobilen, Fahrrädern oder zu Fuß betreibt. Bevor die Pandemie seine Reisen unterbrach, hatte er etwa fünfzig Länder bereist – mit dem Fahrrad, per Anhalter, auf Skiern, mit Zügen und Flugzeugen. Das Reisen hat seinen Blick auf die Welt geprägt und ihn gelehrt, der eigenen Erfahrung mehr zu vertrauen als ausschließlich vermittelten Bildern.

    Den Klimawandel nahm Saulius vor etwa zwanzig oder dreißig Jahren bewusst wahr. Früher waren die Winter in Litauen kälter, mit tiefem Schnee und Temperaturen von minus zwanzig Grad. Im vergangenen Winter gab es dagegen nur sechs Tage mit Minusgraden. Auch im umliegenden Wald sterben zunehmend Bäume, was er mit den wärmeren Wintern verbindet. Einerseits empfindet er es als angenehm, weniger heizen zu müssen; zugleich ist für ihn klar, dass diese Veränderung weder normal noch gut für die Natur ist.

    Im Freundeskreis wird über das Klima gesprochen, doch seit dem russischen Angriff auf die Ukraine hat der Krieg das Thema in Litauen weitgehend verdrängt. Saulius weiß nicht, was die Zukunft bringen wird, und misstraut großen Konzernen, deren Entscheidungen vor allem von wirtschaftlichen Interessen bestimmt werden. Dennoch beschreibt er sich nicht als wütend. Auch unbequeme Realitäten zu sehen, gehört für ihn dazu, die Welt zu verstehen.

    Sein Zuhause zeigt seine Verbundenheit mit der Natur: Hunderte Bäume, fünfzig Apfelbäume und zahlreiche Vögel machen den Ort zu einer kleinen Insel im Dorf. Einige Bereiche gehören den Menschen, andere der Natur – und beide müssen miteinander geteilt werden. Bei der Kartenübung spricht ihn besonders die leere Karte an. Sie steht für Einfachheit, Offenheit und die menschliche Fähigkeit, etwas zu erschaffen. Kindern möchte Saulius früh vermitteln, dass sie keine Maschinen oder Roboter sind, sondern ihr Leben gestalten können, sobald sie verstehen, was sie wirklich wollen.

    Statt sich von einer ungewissen Zukunft überwältigen zu lassen, konzentriert er sich darauf, was heute getan werden kann. Seine persönliche Übung besteht darin, nur einen Meter weit zu schauen und sich um das zu kümmern, was in diesem unmittelbaren Bereich liegt. Im größeren Maßstab könnten seiner Ansicht nach auch Konzerne vieles verändern – wenn sie es wirklich wollten. Was die Menschheit am dringendsten braucht, sind für ihn neue Verbindungen und Freundlichkeit. Ohne sie werden sich die Dinge in eine schlechte Richtung entwickeln.

    Ausgewählte Zitate

    „Durch das Fernsehen kann man die Wirklichkeit nicht verstehen.“

    „Wir sind keine Roboter, wir sind keine Maschinen. Wir können etwas erschaffen.“

    „Man muss nicht in die Ferne schauen, sondern nur einen Meter weit – dann wird das Leben einfacher.“

    „Wir müssen uns wieder miteinander verbinden. Wenn wir nicht freundlich sind, wird sich alles in eine schlechte Richtung entwickeln.“

    Was mir Hoffnung macht

    „Meine Hoffnung ist, dass wir kluge Menschen für die Regierung wählen und die Regierungen sich für den richtigen Weg entscheiden.“

  • Darja — Estland

    Darja — Estland

    “Menschen machen mir Hoffnung. Die meisten sind sehr entschlossen, wenn ihnen etwas wirklich wichtig ist. Wenn wir uns alle irgendwie zusammenschließen, können wir vielleicht etwas bewirken.“

    Darja Dementjeva (18) – hat gerade die Schule abgeschlossen und bereitet sich auf ihr Studium vor. Für sie ist der Klimawandel eine wissenschaftlich belegte Realität, die den Planeten bereits schwerwiegend verändert – auch wenn die Folgen in Estland noch nicht so kritisch erscheinen wie in anderen Ländern. Sie erkennt sie an zunehmend heißen und feuchten Sommern, sprunghaft wechselndem Wetter und Wintern mit deutlich weniger Schnee. Aus ihrer Kindheit erinnert sie sich an meterhohen Schnee; heute bleibt davon oft nur noch wenig. Durch die Medien, Greta Thunbergs Aktivismus und eine Countdown-Uhr bis zum Eintreten unumkehrbarer Schäden wurde sie erstmals bewusst auf die Klimakrise aufmerksam. Später verband sie diese Warnungen mit ihren eigenen Beobachtungen.

    Der persönlichste Konflikt entsteht in ihrer Familie. Darjas Eltern halten den Klimawandel für erfunden und glauben nicht, dass Estland davon betroffen ist. Sie hat aufgehört, mit ihnen darüber zu sprechen, weil sie erwartet, dass sie ihre Haltung erst ändern werden, wenn etwas „Großes und Massives“ geschieht. Ihr Unverständnis richtet sich besonders gegen Menschen, die wissenschaftliche Erkenntnisse ignorieren, nur weil sie selbst die Konsequenzen noch nicht unmittelbar erleben. Anderen versucht sie ihre Sichtweise zu erklären – wollen sie ihr jedoch nicht zuhören, beendet sie das Gespräch.

    Trotz dieser Distanz fühlt Darja sich nicht allein. Online-Communitys, Aktivist:innen und Menschen mit ähnlichen Überzeugungen zeigen ihr, dass andere für Veränderungen kämpfen. Positives erkennt sie auch in Estlands Recycling-System und den strengeren Regelungen: Die Menschen werden stärker dazu angehalten, Abfälle zu trennen und Verantwortung zu übernehmen.

    Gleichzeitig verdrängen Kriege und die Angst vor einem größeren globalen Konflikt die Klimakrise aus der öffentlichen Aufmerksamkeit. Darja glaubt, dass weniger darüber gesprochen wird, solange Menschen fürchten, bombardiert zu werden. Wenn sie über die Zukunft spricht, wechseln sich düsterer Fatalismus, trockener Humor und beinahe trotziger Optimismus ab. Auch ihre Karten spiegeln diese Spannung: Rot steht für ihre Lieblingsfarbe, aber ebenso für ihre Neigung, sich zurückzuhalten und für sich zu bleiben. Die anderen Karten verkörpern ihre Überzeugung, dass alles aus einem bestimmten und letztlich guten Grund geschieht, dass sich die Dinge vielleicht doch fügen und dass eine positive Lebenseinstellung wichtig bleibt – selbst wenn die Welt sich zu zerstören scheint.

    „Ich spreche das Thema manchmal an, weil ich glaube, dass es wichtig ist.“

    „Es ist dumm, dass sie das Problem einfach ignorieren.“

    „Ich fühle mich nie allein, weil ich weiß, dass es da draußen Menschen gibt, die dafür kämpfen und daran glauben.“

    „Alles, was geschieht, geschieht aus einem bestimmten und guten Grund.“

    „Ich glaube, es ist wichtig, eine positive Einstellung zum Leben zu haben.“