Manche Menschen haben wirklich großartige Ziele. Und das gibt mir Hoffnung.

Darja

Dementjeva

18

Estland

“Menschen machen mir Hoffnung. Die meisten sind sehr entschlossen, wenn ihnen etwas wirklich wichtig ist. Wenn wir uns alle irgendwie zusammenschließen, können wir vielleicht etwas bewirken.“

Darja Dementjeva (18) – hat gerade die Schule abgeschlossen und bereitet sich auf ihr Studium vor. Für sie ist der Klimawandel eine wissenschaftlich belegte Realität, die den Planeten bereits schwerwiegend verändert – auch wenn die Folgen in Estland noch nicht so kritisch erscheinen wie in anderen Ländern. Sie erkennt sie an zunehmend heißen und feuchten Sommern, sprunghaft wechselndem Wetter und Wintern mit deutlich weniger Schnee. Aus ihrer Kindheit erinnert sie sich an meterhohen Schnee; heute bleibt davon oft nur noch wenig. Durch die Medien, Greta Thunbergs Aktivismus und eine Countdown-Uhr bis zum Eintreten unumkehrbarer Schäden wurde sie erstmals bewusst auf die Klimakrise aufmerksam. Später verband sie diese Warnungen mit ihren eigenen Beobachtungen.

Der persönlichste Konflikt entsteht in ihrer Familie. Darjas Eltern halten den Klimawandel für erfunden und glauben nicht, dass Estland davon betroffen ist. Sie hat aufgehört, mit ihnen darüber zu sprechen, weil sie erwartet, dass sie ihre Haltung erst ändern werden, wenn etwas „Großes und Massives“ geschieht. Ihr Unverständnis richtet sich besonders gegen Menschen, die wissenschaftliche Erkenntnisse ignorieren, nur weil sie selbst die Konsequenzen noch nicht unmittelbar erleben. Anderen versucht sie ihre Sichtweise zu erklären – wollen sie ihr jedoch nicht zuhören, beendet sie das Gespräch.

Trotz dieser Distanz fühlt Darja sich nicht allein. Online-Communitys, Aktivist:innen und Menschen mit ähnlichen Überzeugungen zeigen ihr, dass andere für Veränderungen kämpfen. Positives erkennt sie auch in Estlands Recycling-System und den strengeren Regelungen: Die Menschen werden stärker dazu angehalten, Abfälle zu trennen und Verantwortung zu übernehmen.

Gleichzeitig verdrängen Kriege und die Angst vor einem größeren globalen Konflikt die Klimakrise aus der öffentlichen Aufmerksamkeit. Darja glaubt, dass weniger darüber gesprochen wird, solange Menschen fürchten, bombardiert zu werden. Wenn sie über die Zukunft spricht, wechseln sich düsterer Fatalismus, trockener Humor und beinahe trotziger Optimismus ab. Auch ihre Karten spiegeln diese Spannung: Rot steht für ihre Lieblingsfarbe, aber ebenso für ihre Neigung, sich zurückzuhalten und für sich zu bleiben. Die anderen Karten verkörpern ihre Überzeugung, dass alles aus einem bestimmten und letztlich guten Grund geschieht, dass sich die Dinge vielleicht doch fügen und dass eine positive Lebenseinstellung wichtig bleibt – selbst wenn die Welt sich zu zerstören scheint.

„Ich spreche das Thema manchmal an, weil ich glaube, dass es wichtig ist.“

„Es ist dumm, dass sie das Problem einfach ignorieren.“

„Ich fühle mich nie allein, weil ich weiß, dass es da draußen Menschen gibt, die dafür kämpfen und daran glauben.“

„Alles, was geschieht, geschieht aus einem bestimmten und guten Grund.“

„Ich glaube, es ist wichtig, eine positive Einstellung zum Leben zu haben.“