Die Geschichte macht mir Hoffnung: Selbst in den schwierigsten Zeiten haben es gute Menschen geschafft, sich zu organisieren, einander zu unterstützen und etwas Besseres entstehen zu lassen.

Mathieu

Servanton

Luxemburg

Mathieu Servanton (39) – ist ein französischer Geschichts-, Geografie- und Geopolitiklehrer, der seit zehn Jahren in Luxemburg lebt und arbeitet. Er ist verheiratet und hat zwei kleine Kinder. Der Klimawandel ist ein wichtiger Teil seines Unterrichts. Als Jugendlicher hielt er ökologische Fragen jedoch im Vergleich zu sozialer Ungleichheit, Rassismus oder Feminismus beinahe für bedeutungslos: „Für mich war die ökologische Frage fast wie ein Witz.“ Seine Haltung veränderte sich allmählich durch seine Lektüre, die Nachrichten und die Auseinandersetzung mit wissenschaftlichen Daten, steigenden Temperaturen sowie immer häufigeren Waldbränden und Stürmen.

Mathieu beobachtet, dass sich das Interesse seiner Schülerinnen und Schüler verändert hat. Rund um Fridays for Future im Jahr 2019 wirkten viele motivierter. Heute sind einige sehr sensibilisiert, während andere nichts mehr davon hören wollen. Er beschreibt dies als eine Form der Verdrängung: Sie wissen, dass etwas Bedrohliches geschieht, doch das Thema erscheint ihnen möglicherweise zu überwältigend, zu oft wiederholt oder zu weit entfernt. Ihr geringes politisches Interesse macht ihn traurig, zumal er selbst als Jugendlicher politisch aktiv war und Gesellschaft verändern wollte. Gleichzeitig versteht er, dass viele vor allem die Schule schaffen und ihren Platz im Leben finden möchten.

In seiner Familie und im Freundeskreis wird kaum über die Klimakrise gesprochen. Mathieu vermutet, dass dieses Schweigen auch mit ihrer gewaltigen Dimension und dem daraus entstehenden Gefühl der Ohnmacht zusammenhängt: „Ich glaube, wir müssen die Gesellschaft verändern. Aber wie verändert man eine Gesellschaft?“ Individuelles Handeln allein reicht für ihn nicht aus. Grundlegende Veränderungen müssen durch Regierungen, Parteien, Gewerkschaften und internationale Institutionen – insbesondere die Europäische Union – organisiert werden.

Am meisten beunruhigt ihn der wachsende Widerstand gegen ökologische Maßnahmen. Rechtsextreme Bewegungen nutzen aus seiner Sicht die Angst der Menschen, vertraute Gewohnheiten und Lebensweisen zu verlieren, um notwendige Veränderungen zu verhindern. Die Klimakrise ist für ihn deshalb untrennbar mit dem politischen Ringen um die zukünftige Gesellschaft verbunden.

Der Gedanke an die Zukunft seiner Kinder konfrontiert Mathieu mit seiner eigenen Unsicherheit. Sich trotz der Krise für Kinder zu entscheiden, ist für ihn ein Ausdruck des Vertrauens in die Menschheit: „Wenn wir beschließen, keine Kinder mehr zu bekommen, ist das so, als würden wir unseren Glauben an die Menschheit aufgeben.“ Seine Hoffnung ist vorsichtig, nicht naiv. Als Historiker weiß er, dass Menschen immer wieder verheerende Zeiten durchlebt und es dennoch geschafft haben, sich zu organisieren, einander zu unterstützen und etwas Besseres aufzubauen. Auch seine ausgewählten Gefühlskarten spiegeln diese Überzeugung wider: Die Menschheit muss um Hilfe rufen, erkennen, dass niemand allein handeln kann, und die Gesellschaft gemeinsam verändern.

Emotionale Zitate

  • „Etwas Schlimmes geschieht, aber wir wollen nicht darüber sprechen.“
  • „Mich macht das ziemlich traurig.“
  • „Ich glaube, wir müssen die Gesellschaft verändern. Aber wie verändert man eine Gesellschaft?“
  • „Als Einzelne fällt es uns sehr schwer, darüber zu sprechen – und daran zu glauben, dass wir etwas bewirken können.“
  • „Im Moment habe ich wirklich Angst vor dem, was in Europa geschehen könnte.“
  • „Wenn wir beschließen, keine Kinder mehr zu bekommen, ist das so, als würden wir unseren Glauben an die Menschheit aufgeben.“
  • „Wir sollten versuchen, uns zu organisieren und einander zu helfen – als gesamte Menschheit.“
  • „Vielleicht bist du positiver, als du denkst.“ – „Ja, vielleicht.“
  • Für mich ist es ziemlich traurig zu sehen, wie wenig sich manche jungen Menschen damit auseinandersetzen wollen.

Was mir Hoffnung macht

„Die Geschichte macht mir Hoffnung: Selbst in den schwierigsten Zeiten haben es gute Menschen geschafft, sich zu organisieren, einander zu unterstützen und etwas Besseres entstehen zu lassen.“