Tag: Politik

  • Emilio — Österreich

    Emilio — Österreich

    Emilio Kadet (26) –

    Emilios erstes spontanes Gefühl zur Klimakrise ist Hoffnung. Gleichzeitig entstehen Angst, Frustration, Ohnmacht, Verzweiflung und Traurigkeit, sobald er das größere Ganze betrachtet. Seine Hoffnung beruht auf der Überzeugung, dass vielen Menschen das Klima wichtig ist und daraus bereits eine starke Bewegung entstanden ist. Alltägliche Veränderungen – mehr Menschen, die mit dem Fahrrad oder dem Zug fahren – zeigen ihm, dass ein Wandel stattfindet. Er hofft außerdem, dass klimafreundliche Entscheidungen zunehmend auch wirtschaftlich attraktiver werden und die gesellschaftliche Debatte dadurch weniger verhärtet geführt wird.

    Der unaufhörliche Informationsfluss kann Emilio dennoch überfordern. Er bezeichnet sich als „Bubble Surfer“ und versucht, unterschiedliche Seiten der Berichterstattung wahrzunehmen, besonders beim Blick auf die USA. Meldungen, in denen die Klimakrise abgetan oder jegliches Handeln dagegen abgelehnt wird, empfindet er jedoch als frustrierend. Er nimmt die Nachrichten auf und versucht anschließend, sie wieder ein Stück weit wegzuschieben. Beschäftigt er sich zu intensiv mit dem Weltgeschehen, fühlt er sich ohnmächtig, verzweifelt und traurig. Apokalyptische Zukunftsbilder können ihm den Sinn nehmen und seine Handlungsfähigkeit schwächen. Deshalb ist es für ihn wichtig, mit der Gegenwart verbunden zu bleiben: Die Angst vor der Zukunft soll weder zur Resignation noch zur Gleichgültigkeit führen.

    Die Gefühlskarten spiegeln die Spannung zwischen der Zufriedenheit mit dem eigenen Handeln und der empfundenen Dringlichkeit wider. Mit der Karte „Ich mach’s“ erkennt Emilio an, dass er bereits versucht, seinen Beitrag zu leisten. In seinem persönlichen Leben und seinem unmittelbaren Umfeld ist er weitgehend zufrieden damit, wie er in Bezug auf die Umwelt handelt – auch wenn es immer noch besser gehen könnte.

    Sobald er über den eigenen Wirkungskreis hinausblickt, beginnt diese Zufriedenheit zu schwinden. Das persönliche Handeln erscheint plötzlich unzureichend, und Emilio fragt sich, ob er sich auch beruflich oder politisch stärker engagieren sollte. Er spürt deutlich, dass etwas geschehen muss, weiß aber noch nicht, welche Form sein eigener Beitrag annehmen könnte. Die Karte „Mehr“ steht dabei sowohl für Ungeduld als auch für Möglichkeiten: Es müsste viel mehr passieren, zugleich kann aber auch noch viel mehr entstehen. Dieser Gedanke gibt ihm Energie und lässt ihn eher Antrieb als Erstarrung spüren.

    Das Gespräch öffnet für Emilio neue gedankliche Türen. Er geht mit einem guten Gefühl und mit Neugier daraus hervor – und mit der Bereitschaft, weiter darüber nachzudenken, wo dieses „Mehr“ liegen könnte. Hoffnung wird für ihn vor allem dann greifbar, wenn er konkrete Veränderungen im Hier und Jetzt beobachten kann.

    Zitate

    „Hoffnung. Zumindest das, was mir am meisten Kraft gibt.“

    „Es kommt hinein, aber ich will mich eigentlich nicht zu viel mit dem ganzen Weltgeschehen beschäftigen, weil es zu viel ist.“

    „Ich möchte noch handeln können.“

    „Da geht noch mehr. Nicht sitzenbleiben und nicht stehenbleiben. Also nicht ausrasten und nicht erstarren.“

    Hoffnung

    „Mir macht Hoffnung, wenn ich sehe, dass Dinge umgesetzt werden – politisch oder auch privat –, die der Umwelt helfen. Wenn ein neuer Radlweg entsteht oder Zugnetze und Straßenbahnnetze ausgebaut werden, dann kriege ich Hoffnung, dass da im Hier und Jetzt was gemacht wird.“

  • Reinhard — Österreich

    Reinhard — Österreich

    Reinhard ist davon überzeugt, dass die heutige Klimakrise zu einem wesentlichen Teil vom Menschen verursacht wird. Natürliche Klimaveränderungen habe es zwar immer gegeben, doch Industrialisierung, weltweiter Flugverkehr, Kreuzfahrtschiffe, Autos und der Ausstoß schädlicher Gase hätten die Situation in den vergangenen 100 bis 150 Jahren grundlegend verändert. Das Abschmelzen der Gletscher ist für ihn eine sichtbare Folge davon.

    Gleichzeitig fällt es Reinhard schwer zu erkennen, was ein einzelner Mensch tatsächlich bewirken kann. Weniger Fleisch zu konsumieren, die Heizung auszutauschen oder auf ein Elektroauto umzusteigen, könne zwar etwas beitragen, doch das globale Wirtschaftssystem und die Entscheidungen von Regierungen hätten ein viel größeres Gewicht. Das hinterlässt bei ihm Ärger, Frustration und ein Gefühl der Machtlosigkeit. Veränderung hält er dann für möglich, wenn sich viele Menschen zusammenschließen – doch auch das empfindet er als schwierig.

    Es ist sehr schwierig. Ich fühle mich oft ratlos und hilflos.

    Die Menschheit hat eigentlich immer überlebt und Krisen überstanden. Die Hoffnung ist, dass man das auch übersteht.

    Das macht mir Hoffnung

    Besonders ärgert ihn, wenn Menschen den Klimawandel leugnen oder Verschwörungserzählungen folgen. In solchen Gesprächen komme irgendwann der Punkt, an dem keine sinnvolle Diskussion mehr möglich sei. Politische Entwicklungen verstärken seine Sorge. Klimakrise, Kriege und der Kampf um Rohstoffe gehören für ihn zu einer umfassenderen globalen Krise. Das Leid der Menschen im Gazastreifen und in anderen Kriegsgebieten berührt ihn stark. Am meisten belastet ihn, dieses Leid zu sehen und zugleich das Gefühl zu haben, nicht eingreifen zu können.

    Sein eigener Garten bietet ihm eine kleine, konkrete Handlungsmöglichkeit. Statt eines herkömmlichen Rasens lässt Reinhard der Natur mehr Raum und schafft Lebensraum für Insekten und Bienen. Die Zeit im Garten beruhigt und entspannt ihn. Ihm ist bewusst, dass ein Naturgarten die Klimakrise nicht lösen kann, dennoch sieht er darin einen persönlichen Beitrag.

    Trotz der langen Geschichte von Krieg und Zerstörung schöpft Reinhard etwas Hoffnung daraus, dass die Menschheit Krisen immer wieder überstanden hat. Was es aus seiner Sicht braucht, ist Einsicht: die Erkenntnis, dass der Mensch seine kurze Zeit der Existenz für anderes nutzen müsste als für Konflikte und Kriege.

    Zitate

    „Als Einzelner kann ich nicht etwas verändern. Allerdings in der Masse schon.“

    „Natürlich ärgert man sich über gewisse Entwicklungen.“

    „Mein Garten, der ist beruhigend und entspannend, und vielleicht ist das auch ein kleiner Beitrag dazu.“

    „Das Ärgste ist, dass man nichts tun kann.“

    Was mir Hoffnung macht

  • Jule — Deutschland

    Jule — Deutschland

    Jule ist Mutter von zwei Kindern, wird bald heiraten und arbeitet als pädagogische Leitung in einem Gehörlosenverband. Sie reist gerne und macht Yoga, auch wenn ihr Familienalltag momentan nur wenig Zeit für ihre vielen Interessen lässt.

    Der Klimawandel ist für Jule schwer zu greifen. Am deutlichsten begegnet er ihr in alltäglichen Entscheidungen und den Diskussionen darüber. Ein Beispiel ist das Fliegen: Ihr sind die Auswirkungen bewusst, doch eine Zugreise ist häufig erheblich teurer – besonders für eine Familie. Dadurch gerät sie zwischen persönliche Wünsche, finanzielle Möglichkeiten und ein wachsendes schlechtes Gewissen. Dass die klimafreundlichere Möglichkeit oft die weniger leistbare ist, empfindet sie als falsch.

    Man hat schon ein schlechtes Gewissen mittlerweile.

    Unmittelbarer nimmt sie die Veränderungen durch das Verschwinden der Winter wahr, die sie aus ihrer Kindheit kennt. In Rosenheim spielte sie in großen Schneebergen und baute Iglus. Heute rieselt es manchmal nur noch ein wenig. Das prägt auch die Diskussionen in ihrer Familie über Skifahren und künstliche Beschneiung. Jule versteht die Kritik, doch das Skifahren gehört für sie zu ihrer Kindheit und zu der Region, in der sie aufgewachsen ist. Sie möchte, dass ihre Kinder es lernen, solange es noch möglich ist, und eigene Erinnerungen daran entwickeln können.

    Obwohl ihr die Zukunft Sorgen bereitet, möchte Jule nicht, dass diese Unsicherheit bereits die Gegenwart ihrer Kinder bestimmt. Sie werden sich zwangsläufig auf veränderte Bedingungen einstellen müssen. Die Angst davor soll sie jedoch nicht daran hindern, jetzt eine schöne Kindheit zu erleben.

    Die ständige Flut negativer Nachrichten macht Jule wütend und frustriert sie – besonders wenn ihr politische Entscheidungen unlogisch erscheinen und die eigenen Einflussmöglichkeiten begrenzt wirken. Deshalb schränkt sie ihren Medienkonsum bewusst ein und informiert sich gezielt. Ihre knappe Zeit und Energie investiert sie lieber in ihre Kinder und in ein stabiles Familienleben.

    Ihre Karten spiegeln diese Spannung wider. „Ups“ steht für Momente, in denen ihr plötzlich die Klimawirkung von etwas bewusst wird, das sie gerne tut. „Gruselig“ sind die möglichen Entwicklungen, besonders mit Blick auf ihre Kinder und spätere Generationen. Mit „nicht so schlimm“ versucht sie zugleich darauf zu vertrauen, dass Menschen umdenken und andere Wege finden werden.

    Mir geht es darum, dass meine Kinder eine schöne Kindheit haben – jetzt und nicht erst in zehn Jahren.

    Hoffnung macht mir, dass man sich ein Umfeld aufbaut, in dem es einem gut geht, egal was passiert – mit seinen Menschen, seiner Familie. In einem Wort: Liebe.

    Was macht mir Hoffnung?

    🇩🇪 Germany’s Greenhouse Gas Emissions

    Population 84.55 Million, Europe.

    Key Messages

    • Emissions: Germany emitted around 669 megatonnes CO2e in 2024, about 1.17% of the global total.
    • Per person: Emissions were around 7.9 tonnes per person per year in 2024, rated very high on a scale where any level above zero adds warming.
    • Trend: Germany’s emissions fell by around 30 megatonnes CO2e a year, or 3.69% yearly, over the ten years to 2024-slower than the 4% yearly global decline needed for Net Zero in 2050 and around 1.7 °C warming.
    • What drives it: CO2 makes up 85% of Germany’s emissions, methane 8.3%, nitrous oxide 4.8% and F-gases 1.5%.
    • Historic responsibility: Since 1851, Germany’s emissions have produced around 112,000 megatonnes CO2e of warming impact, about 2.87% of the global total, averaging around 10.1 tonnes per person per year-rated extremely high.
  • Anneliese — Deutschland

    Anneliese — Deutschland

    Anneliese erlebt den Klimawandel als bedrückend und stressig. Besonders am Zustand des Waldes nimmt sie seine Auswirkungen wahr. Wenn sie jedoch an ihre Söhne und deren Zukunft denkt, beschäftigt sie die weltpolitische Lage mit Personen wie Trump und Putin noch stärker.

    Die Vielzahl an Krisen und beunruhigenden Nachrichten ist für sie kaum noch auszuhalten. Sie meidet die Medien zunehmend, weil sie nicht mehr versteht, was auf der Welt geschieht und was mit den Menschen los ist. Seit der Coronapandemie hat sich ihr Blick auf die Menschheit verdüstert. Manchmal wünscht sie sich, einfach fortzugehen und in einem Land zu leben, in dem es all diese Probleme nicht gibt. Zugleich weiß sie, dass ein solcher Ort nicht existiert.

    Zitate

    „Ich weiß einfach nicht mehr, was auf der Welt passiert, was mit den Menschen los ist.“

    „Seit Corona zeigt der Mensch seine Fratze.“

    „Manchmal denke ich: Ich will da einfach raus. Aber das geht ja nicht.“

    Hoffnung

    „Ich werde schon irgendwie unbeschadet durchkommen.“

    🇩🇪 Germany’s Greenhouse Gas Emissions

    Population 84.55 Million, Europe.

    Key Messages

    • Emissions: Germany emitted around 669 megatonnes CO2e in 2024, about 1.17% of the global total.
    • Per person: Emissions were around 7.9 tonnes per person per year in 2024, rated very high on a scale where any level above zero adds warming.
    • Trend: Germany’s emissions fell by around 30 megatonnes CO2e a year, or 3.69% yearly, over the ten years to 2024-slower than the 4% yearly global decline needed for Net Zero in 2050 and around 1.7 °C warming.
    • What drives it: CO2 makes up 85% of Germany’s emissions, methane 8.3%, nitrous oxide 4.8% and F-gases 1.5%.
    • Historic responsibility: Since 1851, Germany’s emissions have produced around 112,000 megatonnes CO2e of warming impact, about 2.87% of the global total, averaging around 10.1 tonnes per person per year-rated extremely high.
  • Laura — Deutschland

    Laura — Deutschland

    Laura ist Lehrerin für Englisch und Musik am Gymnasium und erst vor Kurzem nach Landshut gezogen. Der Klimakrise begegnet sie mit gemischten Gefühlen, insbesondere mit Frustration, Skepsis und Ohnmacht. Schon während ihres Studiums versuchte sie, umweltbewusst zu leben, sich entsprechend zu ernähren und im Bioladen einzukaufen. Gleichzeitig wurde ihr zunehmend bewusst, dass das Handeln Einzelner nicht ausreicht. Die Bewältigung der Klimakrise müsste für sie ein Gemeinschaftsprojekt sein.

    Im Alltag gelingt es Laura häufig, das Thema zu verdrängen. Durch Nachrichten und wahrnehmbare Veränderungen in der Natur rückt es jedoch immer wieder in ihr Bewusstsein und wird auf Dauer schwer ausblendbar. Sie ist skeptisch, ob die Menschheit rechtzeitig entschlossen handeln wird. Zugleich traut sie Menschen grundsätzlich zu, außergewöhnliche Dinge zu erfinden, zu lernen und Lösungen zu entwickeln. Fortschritte wie der wachsende Anteil an Ökostrom in Deutschland stimmen sie etwas zuversichtlich; dennoch fürchtet sie, dass die Veränderungen zu langsam erfolgen, um eine Katastrophe zu verhindern.

    Wenn sie unmittelbar über die Krise nachdenkt, entstehen Ungeduld und Nervosität. Sie ärgert sich darüber, dass Menschen an vertrauten und bequemen Gewohnheiten festhalten, etwa beim Autofahren im ländlichen Bayern. Dabei erhebt sie sich nicht über andere: Auch bei sich selbst beobachtet sie, dass Stress zu weniger nachhaltiger Ernährung oder einer schnelleren Entscheidung für das Auto führt. Sie sieht alle in einem Strudel aus Alltag, Bequemlichkeit und festgefahrenen Strukturen.

    Mit der Karte „schwindelig“ verbindet Laura die kaum überschaubare Informationsmenge und die Schwierigkeit, einzuordnen, was tatsächlich gefährlich, skandalös oder relevant ist. Die Klimakrise desorientiert sie emotional ebenso wie auf der Ebene der Fakten. „Müde“ steht für ihre Erschöpfung angesichts der Leugnung des Klimawandels und politischer Narrative, besonders von rechten Bewegungen, die durch ständige Wiederholung normalisiert werden. Trotzdem wählte sie auch eine positivere Karte mit einem zufriedenen Menschen. Selbst wenn es möglicherweise erst eine schwere Krise braucht, um die Menschheit aufzurütteln, hält sie gemeinschaftliches Handeln für möglich. Die Corona-Krise hat ihr gezeigt, dass in Krisen auch Zusammenarbeit und gute Lösungen entstehen können.

    Zitate

    „Vor allem auch dieses Gefühl, dass man selber nur so ein Kiesel unter vielen ist.“

    „Die meiste Zeit würde ich eher sagen, man verdrängt es recht gut.“

    „Ich wünschte mir, ich könnte da optimistischer sein.“

    „Es geht nicht alles schnell genug, die Menschen kommen nicht schnell genug in die Gänge.“

    „Also dieses Gefühl der Ohnmacht, das Gefühl, man weiß gar nicht, wo einem der Kopf steht.“

    “Mehr Mut zum Wandel.”

    Was macht dir Hoffnung?

    „Ich glaube, die Menschen haben das Handwerkszeug. Und ich glaube, dass wir Krisen überstehen können.“

    🇩🇪 Germany’s Greenhouse Gas Emissions

    Population 84.55 Million, Europe.

    Key Messages

    • Emissions: Germany emitted around 669 megatonnes CO2e in 2024, about 1.17% of the global total.
    • Per person: Emissions were around 7.9 tonnes per person per year in 2024, rated very high on a scale where any level above zero adds warming.
    • Trend: Germany’s emissions fell by around 30 megatonnes CO2e a year, or 3.69% yearly, over the ten years to 2024-slower than the 4% yearly global decline needed for Net Zero in 2050 and around 1.7 °C warming.
    • What drives it: CO2 makes up 85% of Germany’s emissions, methane 8.3%, nitrous oxide 4.8% and F-gases 1.5%.
    • Historic responsibility: Since 1851, Germany’s emissions have produced around 112,000 megatonnes CO2e of warming impact, about 2.87% of the global total, averaging around 10.1 tonnes per person per year-rated extremely high.
  • Adelá — Tschechien

    Adelá — Tschechien

    Adelá studiert im Master NGOs und Zivilgesellschaft in Prag und hat zuvor Internationale Beziehungen und Journalismus studiert. Der Klimawandel wirkt auf sie beängstigend, wurde für sie jedoch erst zu einem unmittelbareren Thema, als ihre Schwester vegan wurde und mit ihr über die ökologischen Folgen der Fleisch- und Milchindustrie sprach. Seitdem beschäftigt sie sich bewusster mit Konsum, Ernährung und den politischen Entscheidungen rund um die Klimakrise.

    Ihre Sorge wird durch die politische Situation in Tschechien verstärkt. Sie findet es frustrierend, dass Parteien, die Umweltmaßnahmen ablehnen, auch von jungen Menschen gewählt werden. Zugleich kann sich eine Stimme für jene Partei, die ihre Werte am besten vertritt, wegen deren geringer Zustimmung wirkungslos anfühlen. Wirtschaftlicher Druck, Kriege und steigende Lebensmittelpreise verleiten viele Menschen dazu, die Vergangenheit zu idealisieren und Veränderungen abzulehnen. Der Klimawandel wird bestritten, obwohl Adelá seine Auswirkungen wahrnimmt: In ihrem Heimatdorf gehörten Snowboarden und Eislaufen auf dem Fluss früher selbstverständlich zum Winter; heute fehlt häufig selbst natürlicher Schnee.

    Der Klimawandel ist für uns alle irgendwie beängstigend.

    Vielleicht sind es die Menschen, mit denen ich mich umgebe – sie sind sich sehr bewusst, was sie tun und welche Auswirkungen ihr Handeln hat. Vielleicht könnte unsere Generation die Hoffnung sein.

    Was macht dir Hoffnung?

    Beim Blick in die Zukunft empfindet Adelá Angst, bleibt aber grundsätzlich optimistisch. Sie hofft, dass die Menschen die Krise anerkennen und die Bemühungen der Europäischen Union unterstützen werden. Gleichzeitig nimmt sie wachsenden Widerstand und eine zunehmend östlich orientierte politische Stimmung in Tschechien wahr.

    Die Karten spiegeln diese emotionale Spannung. Ein positives Bild verbindet sie mit Prags Secondhandläden und Märkten. Eine weitere Karte steht dafür, dass umweltbewusste Menschen häufig als verrückt oder heuchlerisch abgewertet werden, sobald sie nicht vollkommen konsequent handeln. Die letzte Karte verkörpert Verwirrung und schwankende Hoffnung: Politische Rückschritte entmutigen sie, dennoch könnte sich die Entwicklung wieder zum Positiven wenden.

    Manchmal denken Menschen, sie müssten alles zu hundert Prozent richtig machen. Aber das können wir nicht alle.

    Im Alltag meidet Adelá Fast Fashion wie Shein, kauft möglichst gebraucht, sammelt Müll in der Natur auf und achtet auf die Folgen ihres Handelns. Als Studentin kann sie sich lokale Lebensmittel jedoch nicht immer leisten. Sie lehnt den Anspruch vollkommener Konsequenz ab und hält auch realistische Teilschritte für wertvoll. Bewusste Gespräche über Klimagefühle – besonders in Schulen – könnten Menschen zum Innehalten und Nachdenken bringen, ohne die gesellschaftlichen Gräben durch Wut weiter zu vertiefen.

  • Saulius — Litauen

    Saulius — Litauen

    Saulius Bagdonavičius (53) – beschreibt sich zunächst und vor allem als Mensch. Er wurde unweit des litauischen Dorfes geboren, in dem er heute lebt und eine historische Station für Reisende mit Wohnmobilen, Fahrrädern oder zu Fuß betreibt. Bevor die Pandemie seine Reisen unterbrach, hatte er etwa fünfzig Länder bereist – mit dem Fahrrad, per Anhalter, auf Skiern, mit Zügen und Flugzeugen. Das Reisen hat seinen Blick auf die Welt geprägt und ihn gelehrt, der eigenen Erfahrung mehr zu vertrauen als ausschließlich vermittelten Bildern.

    Den Klimawandel nahm Saulius vor etwa zwanzig oder dreißig Jahren bewusst wahr. Früher waren die Winter in Litauen kälter, mit tiefem Schnee und Temperaturen von minus zwanzig Grad. Im vergangenen Winter gab es dagegen nur sechs Tage mit Minusgraden. Auch im umliegenden Wald sterben zunehmend Bäume, was er mit den wärmeren Wintern verbindet. Einerseits empfindet er es als angenehm, weniger heizen zu müssen; zugleich ist für ihn klar, dass diese Veränderung weder normal noch gut für die Natur ist.

    Im Freundeskreis wird über das Klima gesprochen, doch seit dem russischen Angriff auf die Ukraine hat der Krieg das Thema in Litauen weitgehend verdrängt. Saulius weiß nicht, was die Zukunft bringen wird, und misstraut großen Konzernen, deren Entscheidungen vor allem von wirtschaftlichen Interessen bestimmt werden. Dennoch beschreibt er sich nicht als wütend. Auch unbequeme Realitäten zu sehen, gehört für ihn dazu, die Welt zu verstehen.

    Sein Zuhause zeigt seine Verbundenheit mit der Natur: Hunderte Bäume, fünfzig Apfelbäume und zahlreiche Vögel machen den Ort zu einer kleinen Insel im Dorf. Einige Bereiche gehören den Menschen, andere der Natur – und beide müssen miteinander geteilt werden. Bei der Kartenübung spricht ihn besonders die leere Karte an. Sie steht für Einfachheit, Offenheit und die menschliche Fähigkeit, etwas zu erschaffen. Kindern möchte Saulius früh vermitteln, dass sie keine Maschinen oder Roboter sind, sondern ihr Leben gestalten können, sobald sie verstehen, was sie wirklich wollen.

    Statt sich von einer ungewissen Zukunft überwältigen zu lassen, konzentriert er sich darauf, was heute getan werden kann. Seine persönliche Übung besteht darin, nur einen Meter weit zu schauen und sich um das zu kümmern, was in diesem unmittelbaren Bereich liegt. Im größeren Maßstab könnten seiner Ansicht nach auch Konzerne vieles verändern – wenn sie es wirklich wollten. Was die Menschheit am dringendsten braucht, sind für ihn neue Verbindungen und Freundlichkeit. Ohne sie werden sich die Dinge in eine schlechte Richtung entwickeln.

    Ausgewählte Zitate

    „Durch das Fernsehen kann man die Wirklichkeit nicht verstehen.“

    „Wir sind keine Roboter, wir sind keine Maschinen. Wir können etwas erschaffen.“

    „Man muss nicht in die Ferne schauen, sondern nur einen Meter weit – dann wird das Leben einfacher.“

    „Wir müssen uns wieder miteinander verbinden. Wenn wir nicht freundlich sind, wird sich alles in eine schlechte Richtung entwickeln.“

    Was mir Hoffnung macht

    „Meine Hoffnung ist, dass wir kluge Menschen für die Regierung wählen und die Regierungen sich für den richtigen Weg entscheiden.“

  • Virge — Estland

    Virge — Estland

    Virge Connery (42) –

    Virge wurde in Estland geboren und lebte dort bis zu ihrem zwanzigsten Lebensjahr, bevor sie nach Irland zog. Als Psychologin und grundsätzlich optimistischer Mensch begegnet sie dem Klimawandel eher mit Unsicherheit als mit ständiger Angst. Besonders bei ihren Besuchen in Estland nimmt sie Veränderungen wahr: Nach dem Tallinn-Marathon im September 2019 konnte sie noch schwimmen gehen – etwas, das in ihrer Kindheit undenkbar gewesen wäre. Die Wärme fühlte sich angenehm an, zugleich aber auch irritierend: „Etwas stimmt nicht. Das ist nicht normal.“

    Ihr vorherrschendes Gefühl ist Unsicherheit, weil die Zukunft abstrakt bleibt und sich nur schwer beweisen lässt. Eine Freundin, die Gletscher und abgelegene Regionen im Abstand weniger Jahre besuchte, erzählte ihr von unglaublichen Veränderungen und davon, dass es für wirksames Handeln bereits viel zu spät sei. Das macht Virge traurig – vor allem, weil der Klimawandel für sie nicht isoliert betrachtet werden kann. Mit dem Klima verändern sich auch Kulturen, Lebensgrundlagen, Fischerei, Ernährung und wirtschaftliche Strukturen.

    Gleichzeitig sträubt sich etwas in ihr dagegen, zu glauben, dass die Folgen wirklich so schwerwiegend oder unmittelbar eintreten werden. Sie hofft, dass noch mehr Zeit bleibt. Wahrscheinlichkeiten sind keine Gewissheiten, und ihr Optimismus lässt sie daran glauben, dass die Menschheit vielleicht Glück haben könnte. Das Thema bleibt in ihrem Hinterkopf, doch sie möchte sich nicht jeden Tag über etwas aufregen, das sich ihrer Kontrolle zu entziehen scheint.

    Virge hinterfragt, weshalb so viel Verantwortung auf individuelle Gesten gelegt wird, obwohl Regierungen und große Konzerne viel größeren Einfluss haben. Wiederholte Warnungen können wie Predigten wirken, wenn Menschen ständig hören, was sie längst wissen, ohne zu erfahren, was tatsächlich etwas verändern würde. Sichtbare Folgen – etwa schmelzende Gletscher – könnten die abstrakte Krise ihrer Ansicht nach greifbarer machen als Zahlen allein.

    Ihre Gefühlskarten spiegeln diese Ambivalenz wider. „Oops“ steht dafür, dass die Menschheit die Natur bei ihrer Entwicklung unbeabsichtigt geschädigt hat. „Müde“ beschreibt ihre Erschöpfung angesichts einer sich wiederholenden, einseitigen Klimakommunikation. „Alles ist in Ordnung – noch“ verkörpert die beruhigende Hoffnung, dass das Schlimmste nicht unmittelbar bevorsteht.

    Zitate

    • „Etwas geschieht. Etwas ist anders.“
    • „Das Klima verändert sich, Kulturen verändern sich, die Gewohnheiten der Menschen verändern sich. Alles hängt zusammen.“
    • „Warum sollte ich mich über etwas aufregen, wenn ich nichts dagegen tun kann?“
    • „Es ist kein Dialog. Ihr redet auf uns als Kollektiv ein.“
    • „Den Menschen die tatsächlichen Veränderungen zu zeigen, wäre vielleicht der bessere Ansatz.“

    Was mir Hoffnung macht

    „Ich glaube an die Menschheit und an das Gute im Menschen. Wir sind klug und intelligent – wir werden eine Lösung finden.“

  • Moa — Schweden

    Moa — Schweden

    Moa Holmertz (22) –

    Moa ist 22 Jahre alt und lebt im schwedischen Örebro. Ursprünglich zog sie dorthin, um Medizin zu studieren, erkannte jedoch, dass dieser Weg nicht der richtige für sie war. Heute beschreibt sie sich als junge Frau, die noch herauszufinden versucht, was sie mit ihrem Leben anfangen möchte. Im Moment des Interviews geht es ihr gut: Die Sonne scheint, und draußen ist es warm.

    Ihr Bewusstsein für den Klimawandel ist eng mit den Veränderungen der schwedischen Jahreszeiten verbunden. Sie erinnert sich an den letzten wirklichen Vargavinter – einen „Wolfswinter“ mit anhaltendem Schnee und großer Kälte – um das Jahr 2012. Seither seien die Winter deutlich milder und unbeständiger geworden: Der Schnee bleibt oft nur einige Wochen liegen, bevor er schmilzt, und die Temperaturen wechseln fortwährend zwischen Kälte und Wärme. Auch die Sommer sind unberechenbarer geworden und schwanken zwischen Hitze, Regen und kühleren Phasen.

    Das erste Bild, das Moa mit dem Klimawandel verbindet, ist Feuer: brennende Wälder, Rauch am Himmel und Tiere, die um ihr Leben fliehen. Für sie gleicht diese Szenerie einer Hölle, die bereits hier und jetzt existiert. Dabei empfindet sie weniger Angst oder Trauer als vielmehr Wut. Sie ärgert sich darüber, dass die Verantwortung in der Klimabildung vor allem dem einzelnen Menschen übertragen wird – durch Recycling oder die Wahl anderer Verkehrsmittel –, während mächtige Konzerne und wohlhabende Entscheidungsträger ihrer wesentlich größeren Verantwortung nicht gerecht werden. Wenn Menschen über die notwendigen Mittel verfügen, kann sie nicht verstehen, weshalb sie diese nicht für das Richtige einsetzen.

    Ein anderes Bild macht sie unmittelbar traurig: ein Eisbär auf einer winzigen Eisscholle. Moa spricht voller Bewunderung über seine Größe, Stärke und Schönheit. Gerade deshalb berührt sie seine Hilflosigkeit: Selbst ein so mächtiges Tier kann sich nicht gegen den Klimawandel und den Verlust seines Lebensraums wehren.

    Gleichzeitig beobachtet Moa eine zunehmende Abstumpfung durch die ständige Wiederholung negativer Nachrichten. Irgendwann, sagt sie, hören Menschen auf zu reagieren; jede neue Katastrophe klingt wie dasselbe Lied in Endlosschleife. Deshalb wünscht sie sich mehr Berichte über Lösungen, Erfindungen und Tierpopulationen, die sich wieder erholen. Positive Nachrichten helfen ihr, sich zu entspannen, und erinnern sie daran, dass weiterhin Menschen Gutes bewirken. Dennoch sollen die schwierigen Realitäten nicht verschwiegen werden. Die Welt ist weder nur schwarz noch weiß – notwendig ist ein differenziertes Bild, in dem Fortschritte ebenso vorkommen wie Krisen.

    Ihr Partner ist für Moa ein sicherer Ort, an dem sie ihrer Wut und ihrem Frust Raum geben kann. Auch die hoffnungsvolle Haltung ihres Vaters stärkt sie. Ihre abschließende Botschaft ist zugleich ermutigend und fordernd: Haltet den Kopf oben – aber wenn ihr die Möglichkeit habt, etwas Gutes zu tun, dann tut es.

    Zitate

    „Ich glaube, die Hölle ist ein Ort genau hier und jetzt.“

    „Wenn du die Möglichkeit hast, das Richtige zu tun – warum entscheidest du dich dann nicht dafür?“

    „Es ist so groß und stark, aber selbst dieses Tier kann nicht gegen den Klimawandel kämpfen.“

    „Die Menschen verdienen es, auch gute Dinge zu sehen.“

    „Selbst wenn es stockfinster ist, gibt es noch einige Lichtstrahlen.“

    “Nicht alles ist schlecht – selbst in tiefster Dunkelheit gibt es einige Lichtblicke.”

    Was mir Hoffnung macht

    „Mir macht Hoffnung, dass Menschen weiterhin lernen, kämpfen und sich informieren – und dass sie bereit sind, auf die eine oder andere Weise etwas zum Positiven zu verändern.“

  • Tore — Norwegen

    Tore — Norwegen

    Tore Magnussen (65) –

    Tore lebt in Norwegen und ist heute im Ruhestand. Zuvor arbeitete er als Schlosser und Zimmermann sowie zwanzig Jahre lang bei den norwegischen Streitkräften. Der Klimawandel wurde für ihn nicht durch ein einzelnes dramatisches Ereignis sichtbar. Er zeigte sich schleichend in den Veränderungen jener Landschaft, die Tore seit seiner Kindheit kennt. Besonders während der vergangenen zehn Jahre beobachtete er zunehmend unbeständiges Wetter, Veränderungen des Meereises und das Verschwinden verlässlicher Winter. In manchen Jahren liegen viel Schnee und dickes Eis, in anderen beinahe gar keines. Diese Unberechenbarkeit steht in deutlichem Gegensatz zu den stabilen Jahreszeiten seiner Jugend.

    Diese Veränderungen machen Tore traurig. Regierungen sprechen zwar davon, das Klima zu schützen, und führen Umweltvorschriften ein, untergraben diese Bemühungen jedoch häufig durch ihre eigenen Entscheidungen. Dieser Widerspruch vermittelt ihm das Gefühl, der Kampf könnte bereits verloren sein. Berichte über extreme Hitze in Frankreich und Spanien sowie über die wachsende Zahl von Waldbränden verstärken seine Sorge.

    Gleichzeitig glaubt Tore, dass die ständige Konzentration auf Katastrophen die Menschen emotional überfordern kann. Er erinnert an die erfolgreiche Regeneration des Mjøsa-Sees. Seine Zuflüsse waren früher durch Phosphate belastet, sind heute aber wieder sauber. Für Tore beweist dies, dass geschädigte Ökosysteme sich erholen können. Über solche Erfolge werde jedoch viel seltener berichtet als über negative Entwicklungen. Dadurch würden die Menschen zunehmend negativ aufgeladen und könnten aus dem Blick verlieren, was gemeinsames Handeln bewirken kann.

    Die von Tore ausgewählten Gefühlskarten bringen sowohl seine Sehnsucht als auch seine Frustration zum Ausdruck. Liebe steht für Wärme, Zusammenhalt und die Fähigkeit, gemeinsam etwas Positives zu tun. Menschen können auf ihn zunächst kalt und distanziert wirken, sodass selbst dort Einsamkeit entsteht, wo sich nach einem wirklichen Kontakt große Herzlichkeit zeigen kann. Seine zweite Karte steht für mehr positives Handeln zugunsten der Umwelt und für persönliche Verantwortung. Zu oft erwarteten Menschen Veränderungen von allen anderen, nähmen sich selbst davon jedoch aus.

    Seine stärkste Wut richtet sich gegen Gier und die Zerstörung, die sie verursacht. Der abgeholzte Wald in seiner Nähe sieht für ihn aus, als wäre dort eine Bombe explodiert. Geld, Macht und Tyrannei bedrohen aus seiner Sicht sowohl die Natur als auch den menschlichen Zusammenhalt. Dennoch erkennt Tore Hoffnung in den jüngeren Generationen: Sie wachsen mit einem stärkeren Umweltbewusstsein auf und scheinen eher bereit, Verantwortung zu übernehmen. Angesichts der politischen Entwicklungen bleibt diese Hoffnung fragil. Trotzdem vertraut er darauf, dass Menschen aus ihren Entscheidungen lernen und ihre Richtung wieder ändern können.

    Zitate

    • „Als ich aufgewachsen bin, war es nicht so. Die Winter waren fast immer gleich. Heute ist es kein richtiger Winter mehr.“
    • „Die Zeitungen wollen über das Negative schreiben, negativ, negativ. Dadurch werden wir negativ aufgeladen.“
    • „Es geht um Liebe und vielleicht um Zusammenhalt, damit wir positive Dinge tun können.“
    • „Wir denken immer, alle anderen seien verantwortlich – nur ich nicht. Das ist ein großes Problem.“
    • „Die Welt wird durch Gier, Macht und Tyrannei vollständig zerstört.“

    Was macht mir Hoffnung?

    „Hoffnung geben mir die jungen Menschen, die heute heranwachsen. Sie sind umweltbewusster, und viele von ihnen übernehmen mehr Verantwortung.“