Emilio Kadet (26) –
Emilios erstes spontanes Gefühl zur Klimakrise ist Hoffnung. Gleichzeitig entstehen Angst, Frustration, Ohnmacht, Verzweiflung und Traurigkeit, sobald er das größere Ganze betrachtet. Seine Hoffnung beruht auf der Überzeugung, dass vielen Menschen das Klima wichtig ist und daraus bereits eine starke Bewegung entstanden ist. Alltägliche Veränderungen – mehr Menschen, die mit dem Fahrrad oder dem Zug fahren – zeigen ihm, dass ein Wandel stattfindet. Er hofft außerdem, dass klimafreundliche Entscheidungen zunehmend auch wirtschaftlich attraktiver werden und die gesellschaftliche Debatte dadurch weniger verhärtet geführt wird.
Der unaufhörliche Informationsfluss kann Emilio dennoch überfordern. Er bezeichnet sich als „Bubble Surfer“ und versucht, unterschiedliche Seiten der Berichterstattung wahrzunehmen, besonders beim Blick auf die USA. Meldungen, in denen die Klimakrise abgetan oder jegliches Handeln dagegen abgelehnt wird, empfindet er jedoch als frustrierend. Er nimmt die Nachrichten auf und versucht anschließend, sie wieder ein Stück weit wegzuschieben. Beschäftigt er sich zu intensiv mit dem Weltgeschehen, fühlt er sich ohnmächtig, verzweifelt und traurig. Apokalyptische Zukunftsbilder können ihm den Sinn nehmen und seine Handlungsfähigkeit schwächen. Deshalb ist es für ihn wichtig, mit der Gegenwart verbunden zu bleiben: Die Angst vor der Zukunft soll weder zur Resignation noch zur Gleichgültigkeit führen.
Die Gefühlskarten spiegeln die Spannung zwischen der Zufriedenheit mit dem eigenen Handeln und der empfundenen Dringlichkeit wider. Mit der Karte „Ich mach’s“ erkennt Emilio an, dass er bereits versucht, seinen Beitrag zu leisten. In seinem persönlichen Leben und seinem unmittelbaren Umfeld ist er weitgehend zufrieden damit, wie er in Bezug auf die Umwelt handelt – auch wenn es immer noch besser gehen könnte.
Sobald er über den eigenen Wirkungskreis hinausblickt, beginnt diese Zufriedenheit zu schwinden. Das persönliche Handeln erscheint plötzlich unzureichend, und Emilio fragt sich, ob er sich auch beruflich oder politisch stärker engagieren sollte. Er spürt deutlich, dass etwas geschehen muss, weiß aber noch nicht, welche Form sein eigener Beitrag annehmen könnte. Die Karte „Mehr“ steht dabei sowohl für Ungeduld als auch für Möglichkeiten: Es müsste viel mehr passieren, zugleich kann aber auch noch viel mehr entstehen. Dieser Gedanke gibt ihm Energie und lässt ihn eher Antrieb als Erstarrung spüren.
Das Gespräch öffnet für Emilio neue gedankliche Türen. Er geht mit einem guten Gefühl und mit Neugier daraus hervor – und mit der Bereitschaft, weiter darüber nachzudenken, wo dieses „Mehr“ liegen könnte. Hoffnung wird für ihn vor allem dann greifbar, wenn er konkrete Veränderungen im Hier und Jetzt beobachten kann.
Zitate
„Hoffnung. Zumindest das, was mir am meisten Kraft gibt.“
„Es kommt hinein, aber ich will mich eigentlich nicht zu viel mit dem ganzen Weltgeschehen beschäftigen, weil es zu viel ist.“
„Ich möchte noch handeln können.“
„Da geht noch mehr. Nicht sitzenbleiben und nicht stehenbleiben. Also nicht ausrasten und nicht erstarren.“
Hoffnung
„Mir macht Hoffnung, wenn ich sehe, dass Dinge umgesetzt werden – politisch oder auch privat –, die der Umwelt helfen. Wenn ein neuer Radlweg entsteht oder Zugnetze und Straßenbahnnetze ausgebaut werden, dann kriege ich Hoffnung, dass da im Hier und Jetzt was gemacht wird.“
