Michael Mathis (48) – begegnet der Klimakrise mit einer Mischung aus Pessimismus, Frustration, Dankbarkeit und bewusster Zuversicht. Besonders belastet ihn die Haltung, man könne einfach weitermachen wie bisher: konsumieren, fliegen und ausbauen, ohne darüber nachzudenken, was für die Menschen nach uns übrig bleibt. Als Vater empfindet er dabei eine klare Verantwortung: „Ich will, dass meine Kinder eine Zukunft haben.“
Sein Bewusstsein für die Klimakrise veränderte sich Mitte zwanzig. Nach seinem Musikstudium und seiner Tätigkeit als Lehrer machte Michael den Hubschrauberschein, weil er als Rettungspilot arbeiten wollte. Durch das Fliegen und den Blick auf die Landschaft wurde ihm der Einfluss des Menschen immer bewusster. Für ihn lautet die entscheidende Frage nicht, ob die Erde überleben wird – sie wird sich verändern und anpassen –, sondern ob Menschen auf ihr weiterhin gut leben können.
Heute kann Michael als Geschäftsführer des Österreichischen Alpenvereins in Vorarlberg seine Sorgen in konkretes Handeln übersetzen. Er beschäftigt sich mit nachhaltig betriebenen Schutzhütten, regionalen Lebensmitteln, erneuerbarer Energie und verantwortungsvollem Abfallmanagement. Gleichzeitig sieht er klare Grenzen für das weitere Wachstum des Tourismus. Noch mehr Seilbahnen und künstliche Attraktionen in Bergen zu errichten, in denen zunehmend der Schnee fehlt, erscheint ihm kurzsichtig und widersinnig. Hier werden seine Frustration und Verzweiflung besonders spürbar: Es bewegt sich etwas, aber viel zu langsam, während wirtschaftliche Interessen weiterhin dominieren.
Seine Sorgen reichen weit über die Alpen hinaus. Steigende Temperaturen, zunehmend unbewohnbare Regionen und die daraus entstehenden Fluchtbewegungen ergeben ein Zukunftsbild, das für ihn kaum zu fassen ist. Dennoch möchte er sich nicht von der Größe und Komplexität der Krise lähmen lassen: „Wenn du da zu sehr hineindenkst, wirst du narrisch, weil du einfach keine Antwort auf deine Fragen hast.“ Deshalb konzentriert er sich auf das, was sich im eigenen Umfeld und im eigenen Leben verändern lässt.
Kraft findet Michael in der Natur. Nach der Arbeit legt er Handy und Computer weg und geht hinaus. Beim Gehen oder Radfahren spürt er Luft, Sonne, Kälte, Wärme und Wind – und damit sich selbst und den Planeten. Nachhaltigkeit bedeutet für ihn keinen Verzicht. Regional einzukaufen, Rad zu fahren und weniger zu konsumieren, macht sein Leben erfüllter: „Mein Leben ist schöner, wenn ich so lebe.“
Andere Menschen bekehren zu wollen, hat Michael aufgegeben. Er möchte Alternativen vorleben und beharrlich bleiben. Panik lähmt seiner Ansicht nach, statt Veränderung auszulösen. Menschen brauchen ein positives Zukunftsbild und das Gefühl, selbst etwas bewirken zu können. Seine größte Zuversicht schöpft er aus der Jugend, aus der Umweltbildung an Schulen und aus den vielen Vereinen, Unternehmen und Einzelpersonen, die bereits handeln. Trotz aller Verzweiflung sieht er eine wachsende Mehrheit, die versteht, mitdenkt und etwas verändern möchte.
Ausgewählte Zitate
„Ich will, dass meine Kinder eine Zukunft haben.“
„Mit der Erde geht es schon irgendwie weiter – aber vielleicht ohne Menschheit.“
„Man muss einfach nur nicht aufhören. Man muss dranbleiben.“
„Wenn man sich selber spürt, dann hat man schon richtig viel gewonnen.“
„Du spürst den Planeten, das Wetter, die Temperatur und den Wind – du spürst alles.“
„Panik bringt keine Veränderung. Wenn man Panik macht, machen die Leute komplett zu.“
„Man muss den Leuten Hoffnung geben. Man muss ihnen eine positive Zukunft vor Augen halten.“
„Mein Leben ist schöner, wenn ich so lebe.“
Was mir Hoffnung macht
„Mir macht Hoffnung, dass die Jugend umdenkt und dass Schulen, Vereine, Unternehmen und viele einzelne Menschen bereits handeln. Ich glaube, wir brauchen ein positives Bild der Zukunft – denn aus Hoffnung kann Handlung entstehen.“

